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Auszug aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1998
35 Jahre „Farnkraut"
Liebe Wanderfreunde! Das „Farnkraut" wird 35 Jahre „jung". Von Werner Ungelenk, unserem unvergessenen Wanderkameraden gegründet und mehrere Jahre journalistisch hervorragend begleitet, hat es Blüte- und Welkzeiten erlebt. Wir blicken zurück.
Anmerkung: genau genommen, erschien der 35. Jahrgang bereits ein Jahr zuvor, nämlich 1997. Anders als beim Lebensalter von Menschen müssen wir die Zählung mit „1“ beginnen. Dementsprechend erscheint der 50. Jahrgang bereits im Jahre 2012 und nicht 2013!
VORGESCHICHTE:
„Thüringer Monatsblätter", herausgegeben vom Hauptverein in Eisenach bis etwa 1938.
„Blick hinters Farnkraut", in den 50er Jahren von Jungwanderern in einfachster Form (hektographiert) hergestellt. Hieraus stammte wohl die Idee für den Titel für unsere Vereinszeitschrift.
1963-1972
Die „Ära Ungelenk-Coburger Tageblatt" I
Im Quartal 1/1963 erschien die erste Ausgabe des „Farnkraut". Unmittelbarer Anlass war damals der 64. Deutsche Wandertag in Coburg. Der erste Vorsitzende unseres Vereins war zu jener Zeit Franz Geßlein, Ehrenvorsitzender Carl Escher. Grußworte kamen von OB Dr. Walter Langer, Landrat Rudolf Kaemmerer und Verbandspräsident Georg Fahrbach. Man muß schon aufmerksam suchen, um im Heft das Impressum zu finden. Bescheiden hatte sich hier versteckt: Werner Ungelenk. Dieser leider früh verstorbene, langjährige Mentor unseres Vereins war zugleich Journalist mit Leib und Seele und residierte in der Mohrenstraße 17, damals Sitz des Coburger Tageblatts. Dort saß auch als ebenfalls wichtiger Mann Anzeigenberater Alfred Lorenz. Das Format der Hefte war etwas größer als heute, 16 x 23 cm, Umfang 20 Seiten, davon 6,5 Seiten Inserate. Betrachten wir eine dieser frühen Ausgaben. Die Drucktechnik war längst nicht so perfekt wie heute. Insbesondere die Bilder entsprachen mehr einer Tageszeitungsqualität, Personen waren daher nicht immer leicht zu erkennen, das Papier recht „holzig". Natürlich konnte man damals auch besser drucken, aber diese aufwendigen Techniken waren den vergleichsweise teuren Bildbänden vorbehalten. Dabei war insbesondere der Satz dennoch weit mehr arbeitsintensiv als heute. Der Text wurde noch in Blei gesetzt, der Setzer saß an einem wahren Monstrum von Maschine, die einzelnen Zeilen fielen in heißem Schwermetall heraus und mussten anschließend zu den Seiten zusammengesetzt werden. Entsprechend zeitaufwendig waren natürlich auch Korrekturen.
Dennoch verrät das Seitenlayout (sagte man damals schon so?) den erfahrenen Profi.
Leider sind aus dieser Zeit keine Jahresabschlüsse des Vereins mehr erhalten, die Aufschluss über die Gesamtkosten geben würden. Die Anzeigenwerbung wechselte zu Alfred Thiel, später zu Walter Stengritt. Kennzeichnend für den Arbeitsstil Ungelenks waren u. a. die Zwischentitel. Er brachte eine Menge an Stoff unter in seinen Heften, entsprechend weit gefächert waren die Themen. In der Person von Werner Ungelenk verbanden sich in der glücklichsten Weise die Routine des erfahrenen Berufsjournalisten mit der eines besonders engagierten Thüringerwaldvereinlers, der alle Probleme, Vorgänge und Strömungen kannte und den Lesern mit der Zeitschrift ein Heimatgefühl verschaffen konnte. Eine Empfindung, die sich auch oder gerade dem heutigen Leser ermittelt, gleichsam eine nostalgische Zeitreise. Schließlich übte Werner Ungelenk auch das Amt des 2. Vorsitzenden aus. In den Jahren 1963 und 1964 nahmen naturgemäß der Wandertag und die Wimpelwanderung Coburg - Freiburg großen Raum ein. „W. U." blickte aber immer über den Coburger Tellerrand hinaus. In Kommentaren und Berichten befasste er sich mit dem Geschehen unseres Verbands. Die Deutschen Wandertage - nicht nur die in Coburg - waren immer einen umfangreichen Artikel wert, der sich eingehend mit der betreffenden Stadt befasste. Immer wieder auch Meldungen aus Thüringen, von jenseits der innerdeutschen Grenze also. Besonders ins Auge fallen heute auch Berichte über die seinerzeit starke und aktive Jugend in unserem Verein. Bereits 1965 leistete sich der Verein zwei Sonderhefte zu den vier Normalausgaben. Derlei „Sonderhefte", oft zum Jahresende, tauchten in den folgenden Jahren immer wieder auf. Die Relation des redaktionellen Textes zu den Inseraten blieb etwa gleich. Ab 1/1969 wirkt Ewald Büttner als Vereinspressewart mit, im Übrigen verbleibt es bei der Gesamtleitung durch Werner Ungelenk. Eine weitere Änderung kommt 1970, der Rennsteigverein schließt sich an. Bei dieser Zusammenarbeit sollte es bis 1993 bleiben. In der Zwischenzeit wechselte der Vorsitz im ThWV von Franz Geßlein auf Ernst Eckerlein und schließlich Arno Völk.
1973-1974
Zwischenspiel „Sprechsaal"
Mit dem Abriss des alten „Tageblatt"-Hauses Mohrenstraße war das Ende der eigenen Druckerei gekommen. Eine Ära war damit abgeschlossen, nicht nur der Thüringerwald-Verein war hiervon betroffen. Für das „Farnkraut" wurde ein neuer Partner gebraucht und zunächst im „Sprechsaal"-Verlag gefunden. Ab 1/1972 lag die erste Ausgabe vor. Der Name Werner Ungelenks tauchte im Impressum nicht mehr auf, manches verrät aber nach wie vor seine Handschrift, vor allem viele namentlich gezeichnete Artikel. Die Papierqualität war etwas besser, der Umfang durchschnittlich 36 Seiten; darunter etwa zehn Seiten Inserate. Von allzu langer Dauer war die Partnerschaft indes nicht, 1/1974 prangt letztmals das „Sprechsaal"-Logo auf der Titelseite.
1974-1992 Ära „NEUE PRESSE" - WERNER UNGELENK -
Ab 2/1974 erschien das „Farnkraut" im Druck- und Verlagshaus NEUE PRESSE. Der Name von Werner Ungelenk taucht wiederum nicht im Impressum auf, dafür Georg Karl Kolb als Chefredakteur. Inhaltlich war aber nach wie vor mit Sicherheit Werner Ungelenk bestimmend. Eifrig mit dabei war Renate Haenel als Vereinspressewart. Für die Anzeigen zeichnete Walter Stengritt verantwortlich, der auch schon zu Tageblatt-Zeiten tätig gewesen war. Mit Georg Karl Kolb durfte auch ich noch zusammenarbeiten. Kolb koordinierte die internen Abläufe in dem Unternehmen „NEUE PRESSE" im Zusammenhang mit der Herstellung des „Farnkraut". Inhaltlich hat er keinen Einfluss genommen. Leider war ihm kein langer Ruhestand beschieden, kurz nachdem ich ihn noch einmal in seinem Heimatort Michelau zur Verabschiedung aufgesucht hatte, ist er verstorben. Äußerlich änderte sich am Heft zunächst wenig. Der Umfang z. B. 4/1974 = 36 Seiten, davon etwa zehn Seiten Inserate. Ab 1976 allerdings wurde das Format reduziert. Bis heute haben wir „DIN A 5" beibehalten. Interessant ist ein Hinweis in 1/1976 - da ist von „roten Zahlen" und „sparenden Inserenten" die Rede. Besonders bemerkenswert waren in diesem Zeitabschnitt die ersten Berichte über Wanderungen des Coburger Thüringerwald-Vereins im Stammland Thüringen, möglich geworden durch den „Kleinen Grenzverkehr".
Am 17. Sept. 1978 unternahm erstmals eine Gruppe des ThWV Coburg eine Wanderung im grenznahen Bereich von Thüringen. Wir sollten heuer, nach 20 Jahren, daran denken!
Auch taucht ab der Umstellung auf „A 5" wieder der Name von Werner Ungelenk als Herausgeber im Impressum auf. Neu im Team war Erwin Schindler Vertriebssachbearbeiter. Auch die Regelung des Postversands ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Bei dieser personellen Zusammensetzung sollte es bis Ende 1978 bleiben. Vergessen wir aber auch nicht den Rennsteigverein, dessen Beiträge lieferten Georg Gunzelmann und Felix Weber.
1979-1980
- HORST MITZEL -
Ab 1/1979 zeichnete Horst Mitzel verantwortlich, ein profilierter Berufsjournalist. Mit ihm waren nach dem plötzlichen Tod von Arno Völk der 1. Vorsitz im Verein und die „Farnkraut-Herausgabe personell vereinigt. Renate Haenel wirkte weiterhin als Vereinspressewart mit. Ab 3/1979 löste Horst Börner den altgedienten Anzeigenberater Walter Stengritt ab. Aber Werner Ungelenk blieb auch in dieser Zeit nicht untätig, schrieb noch manchen Artikel und steuerte noch manches Bild bei. Die weiterhin bestehende Rubrik „Verbandsgeschehen -Verbandsvereine" ist wohl weiterhin sein Werk gewesen. Berufliche Perspektiven veranlassten schließlich bereits Anfang 1981 Horst Mitzel, das „Farnkraut" wieder abzugeben. Er wurde zum Redaktionsleiter des „COBURGER TAGEBLATT" berufen, war also für die Konkurrenz des Druck- und Verlagshauses „NEUE PRESSE" tätig und zog hieraus verständlicherweise die Konsequenzen. Zu dieser Zeit konnte niemand ahnen, dass auch die Partnerschaft mit „NEUE PRESSE" einmal zu Ende gehen würde und dann einer „Wiedervereinigung" von COBURGER TAGEBLATT und „Farnkraut" nichts mehr im Wege stehen würde. Doch zunächst war ein Nachfolger zu finden. Für 1/1981 gab Werner Ungelenk das Heft noch allein heraus.
ab 2/1981 H.D.Bürger
Dann trat der Verfasser als erster „NichtProfi" die Nachfolge an, zunächst aber noch sorgsam begleitet durch Werner Ungelenk. Der Umfang des Hefts pendelte sich auf 32 Seiten ein, davon im Schnitt 12 Seiten Inserate. Als Anzeigenwerber war weiterhin Horst Börner tätig, später Christina Meyer. Auch damals schon gab es Krisen und Einbrüche bei den Anzeigen (gelegentlich unter 10 Seiten). Herausragend waren das Heft zum 75jährigen 1982 mit einer großen, durch Werner Ungelenk verfassten Vereinschronik sowie das Heft zum 84. Deutschen Wandertag 1984 mit 64 Seiten und 10.000 Auflage. Nach wie vor war der Rennsteigverein mit beteiligt. Auch deren Jubiläumsfeiern zum 85. und 90. fanden ihren Niederschlag. Bedeutsam waren selbstverständlich vor allem auch „Wende", Wiedervereinigung und Neugründung des Gesamt-Thüringerwald-Vereins. Diese Entwicklung war Herausforderung, Belastung und Chance zugleich. Chance, weil durch die Wiedergründung zahlreicher Zweigvereine in Thüringen die Mitgliederbasis sich verstärkte und damit auch die wirtschaftliche Grundlage für das Heft. Das betriebswirtschaftliche Problem einer jeden Zeitschrift oder überhaupt eines jeden Druckerzeugnisses sind die Fixkosten, die unabhängig von der Auflage anfallen; dies sind die Kosten für den Satz, Druck und Versand.
ab II/1994 „COBURGER TAGEBLATT" - MITZEL, BÜRGER -
Nach einer Zwischenlösung im Jahr 1993 erschien im 2. Halbjahr 1994 das „neue" Farnkraut mit dem Partner „COBURGER TAGEBLATT". Horst Mitzel, unterdessen Verlagsleiter beim Coburger Tageblatt geworden, stellte sich als Objektleiter zur Verfügung. Ferdinand Krob sorgte sehr erfolgreich für einen attraktiven Anzeigenteil. Um diesen bemüht sich jetzt Pauline Schumann, nachdem Ferdinand Krob seine Aufgabe mit Rücksicht auf seine angeschlagene Gesundheit zur Verfügung stellen mußte. Heute kann sich das „Farnkraut" ob seines redaktionellen Angebots und seiner hervorragenden Bildqualität überall sehen lassen. Ermöglicht wird sein Erscheinen durch die Geschäftswelt in der Region Coburg und im südthüringischen Raum, die das „Farnkraut" zur Insertion gerne nutzen. Freilich, die Kosten für die Herausgabe von vier Heften im Jahr sind in den letzten Jahren gestiegen; der Thüringerwald-Verein appelliert deshalb an alle, ihn weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Denn: Das „Farnkraut" soll auch in Zukunft in gleicher Qualität seine Mittlerfunktion zwischen der Vereinsführung und den Mitgliedern erfüllen.
Hans D. Bürger
Stand, natürlich, 1994!
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