Aus unserer Vereinszeitschrift „Das Farnkraut“ Nr. 3/1967 –Jubiläumsausgabe- An diesem Bericht merkt man natürlich den großen zeitlichen Abstand, insbesondere bei den Personen, von denen heute -2012- nur noch die wenigsten unter uns sind - mehr noch: es ist wie aus einem anderen Zeitalter.
Siehe auch internen link: Orginal-Programmblatt

“Pferdekur” krönte Jubiläumsfestabend

Ein frühlingsbunt geschmückter und dicht bevölkerter Festsaal der Hofbräu-Gaststätten sowie erwartungsfrohe Jubiläumsstimmung waren verheißungsvolle Voraussetzungen für die 60-Jahr-Feier des Thüringerwald-Vereins Coburg am 10. Juni. Sie wurde zu einem würdigen, Wanderfrohsinn ausstrahlenden Festabend. An seinem von Vereinsangehörigen vielseitig gestalteten Programm hatten alle, die dabei waren, ihre helle Freude. Beim gemeinsam gesungenen Vereins-Wanderlied, zu dem Rektor Karl Arnold Text und Weise gesetzt hat, wurden sogar die Ehrengäste begeistert programmaktiv.

Viele musikalische Kostbarkeiten

Rudi Precht und sein Instrumental-Quartett gaben dem Reigen der Darbietungen einen gediegenen musikalischen Rahmen, bevor sie im Finale des Festabends fleißig zum Tanz aufspielten. Die Wanderjugend des Vereins setzte zwischen die jubiläumsüblichen Ansprachen vielbewunderte rhythmische Akzente durch das blitzsauber musizierende Akkordeon-Duo Wolfgang Kustos/ Joachim Händler und durch ihre gleichermaßen stilvollen wie mitreißenden Volkstänze, um deren Einstudierung sich die Medauschülerin Ulrike Felger liebevoll bemüht hatte. Die zum Solopersonal des Landestheaters gehörenden Wanderfreunde Gabriele Rienecker (Alt) und Gustav Brunn (Bass) offenbarten mit dem auch darstellerisch beglückenden Vortrag von Arien und Liedern aus den Lortzing-Opern „Waffenschmied" und „Wildschütz" sowie aus Lehars „Lustiger Witwe" und Millöckers „Gasparone" vollendetes Künstlertum. Kapellmeister Rudolf Reinhardt war ihnen ein zuverlässiger Begleiter am Flügel, den die Gesellschaft der Musikfreunde liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt hatte.

Köstlich-unterhaltsames Laienspiel

Darstellungskünstlerische Talente entfaltete aber auch die Laienspielgruppe des Vereins mit dem köstlichen Schwank „Die Pferde-

kur" von Karl Siber. Tante Mile Reichardts naiv-plumpe Hausmagd Trine war eine ebenso zu Lachsalven hinreißende Type wie der von Rolf Gareis ins turbulente Geschehen hineingepolterte dummdreiste Kutscher Bulle oder der ob seiner krankhaften Fressgier zur „Pferdekur" verdammte Hausherr Michel Wilhelm Kaisers. Als liebesblind zum Hausarzt verdonnerter Tier-Doktor Löffler machte Reiner Probst die am pferdekürlichen Missverständnis schließlich doch profitierende, augenscheinlich aber seriös-imponierende Figur, die über Cläre Leipolds leidgeprüfte Patienten-Gattin so charmant obsiegte, wie es Monika Leipold als attraktives Michel-Töchterlein liebes-zielbewusst eingefädelt hatte. Zum Spaß an der Freud trug Hedwig Reinhardt als „lebendig begrabene" Souffleuse ebenso selbstlos bei wie Walter Wittig , der sich aufopfernd um den szenischen Rahmen und optisch wirksame Kostümierung bemüht hatte.

Groß war die Zahl der Ehrengäste

An dem herzlichen Beifall, der alle Mitwirkenden des Festprogramms belohnte, beteiligten sich dankbar auch die Ehrengäste des Abends, an ihrer Spitze Oberbürgermeister Dr. Walter Langer. Am Gästetisch sah man u. a. auch Coburgs neuen 2. Bürgermeister Friedrich Wollandt; ferner Bürgermeister Dr. Paul Haubner als Vertreter des Bezirkstages, der zu den korporativen Mitgliedern des Thüringerwald-Vereins gehört; Bürgermeister Rudi Mett, das Stadtoberhaupt der altcoburgischen Haßgau-Perle Königsberg; Stadtrat Gustav Faber mit einer Delegation der „Casimiriana", die besonders innig die freundschaftlichen Beziehungen zu Königsberg pflegt; Oberpostrat Alfred Reißig , der mit vielen seiner Postbeamten dem Jubelverein in Treue verbunden ist; Bürgermeister Arthur Sollmann aus Mirsdorf, der Nachbargemeinde unserer Alexandrinenhütte; Stadtrat Paul Wüstrich , Dr. Rudolf Priesner und Kaufmann Stephan Scheller, die Betreuer der befreundeten Coburger Heimat- und Wander-

vereine „Naturfreunde", Gesellschaft für Heimatkunde und Landesgeschichte sowie Alpenverein; Oberstudienrat Bernhard Roas , den Ehrenvorsitzenden des Fichtelgebirgsvereins; Dr. Julius Kober , den Fürsteher des korporativ angeschlossenen Rennsteigvereins; Architekt Max von Berg, den Erbauer unseres Wanderheims; sowie viele Repräsentanten der mit dem Thüringerwald-Verein im Dienst für die Heimat eng zusammenwirkenden Vereinigungen, Organisationen und Behörden, so z. B. der Heimatvereine in Rodach und Mönchröden, der Turnerschaft und des ADAC, des Kreis-Jugendringes und des Jugendherbergswerkes, der Grenzpolizei, der Forstbehörden, des Jagdschutzverbandes und der Waldjugend, der Thüringer Landsmannschaft, des Stadtverbandes für Leibesübungen und nicht zuletzt der Presse.

 

Zielbewusste Pflege des Menschentums

Ihnen allen und seiner festlich gestimmten Vereinsfamilie entbot 1. Vorsitzender Ernst Eckerlein herzlichste Willkommensgrüße. Er sprach zur Festgemeinde vom Sinn und Wert des Wanderns für die Gesundheit und für die Pflege des Menschentums, vom unterbewussten Erleben der Heimat und der dabei offenbar werdenden Schöpfungswunder und von der gemeinschaftsbildenden Kraft der Heimatliebe. Seine Worte gipfelten in dem Versprechen, dass der Thüringerwald-Verein zielbewusst weiterschreiten werde auf dem Weg, der ihm seit 60 Jahren von den fränkisch-thüringischen Pionieren der deutschen Wanderbewegung vorgezeichnet ist.

Kein Mangel an Idealisten

Die Festansprache hielt Ehrenvorsitzender Carl Escher. Seinen Rückblick in die Entwicklungsgeschichte des deutschen Wandertourismus und des Thüringerwald-Vereins haben wir dem Leitartikel dieser Ausgabe zugrunde gelegt. Carl Escher ließ ihn ausklingen in anerkennenden Dankesworten für den nimmermüden Einsatz des einzigen noch lebenden Mitgliedes aus dem Gründungsjahr 1907, August Marr , für die vielen Idealisten im Verein und seiner Hüttengemeinde sowie für Haupt Jugend wartin Mile Reichardt, die als Betreuerin der Jugendgruppe dem Verein einen einsatzfreudigen Nachwuchs sichert.

Die Heimat dankt

Die Gratulations-Ansprachen der Gäste leitete Coburgs stürmisch bewillkommneter Oberbürgermeister, Wanderfreund Dr. Walter Langer, ein. Er sprach von der harten Wirklichkeit der Willkürgrenze, die den Wanderer im Coburger Land von gleichgesinnten Thüringer Freunden trenne, ihn gegenwartsbewusst zugleich aber auch deutsche Geschichte erleben lasse. Dr. Langers Glückwunsch für den Jubilar war zugleich Dank für alles, was der Thüringerwald-Verein durch die Erschließung und Markierung von Wanderwegen für seine Heimatstadt und damit für die Allgemeinheit getan habe und gewiss auch künftig tun werde.

Der Ehrenvorsitzende des Fichtelgebirgsvereins, Bernhard Roas , gratulierte dem Jubilar zugleich im Namen des benachbarten Frankenwaldvereins. Als Repräsentant unserer Verbandsgemeinschaft im nordbayerischen Raum anerkannte er vor allem das freundschaftliche Zusammenwirken der Wanderjugend im gemeinsamen Bemühen, der Grenzlandheimat zu dienen.

Viele Geschenke für die Hütte

Dr. Julius Kober sprach von den Gemeinsamkeiten seines Rennsteigvereins und des Thüringerwald-Vereins, die beide ihre Wurzeln in Thüringen haben, und plädierte für weitere Erforschung der Rennsteige im gesamtdeutschen Raum. Als Geschenk überbrachte er einen Thüringen-Bildband für die Hüttenbücherei.

Gleichfalls für die Hütte bestimmt war die kunsthandwerklich mit den Emblemen seiner Touristenvereinigung verzierte Riesenkerze, die Stadtrat Paul Wüstrich als Ehrenvorsitzender der „Naturfreunde" kredenzte. Er bekundete mit dieser symbolischen Gabe die von gleichen Idealen getragene Wanderfreundschaft zum Thüringerwald-Verein ebenso, wie es Stephan Scheller als Vorsitzender der Sektion Coburg des Deutschen Alpenvereins tat. Weitere Jubiläumsgeschenke zur Ausgestaltung unseres Wanderheims waren das vom 91jährigen Fritz Küsters handgemalte Bildwerk „Blick von der Alexandrinenhütte zu den Gleichbergen und der Heldburg", eine vom Heimatverein Mönchröden gestiftete Ruhebank, die inzwischen an Ort und Stelle bereits viele Liebhaber gefunden hat, sowie Unterhaltungsspiele für die Hüttengemeinde, die Stadtrat Gustav Faber im Auftrag der „Casimiriana" überbrachte.

In den Dank für all diese Jubiläumsgaben bezog Ernst Eckerlein auch den namenlosen Spender einer Kiste „Wein vom Rhein" ein sowie jene Gratulanten, die ihre Glück- und Segenswünsche brieflich oder telegrafisch übermittelt hatten, an ihrer Spitze Verbandspräsident Georg Fahrbach.

Anerkennende Dankesworte richtete der Vorsitzende schließlich an Intendant Hanns Joachim Worringen, der die Einstudierung des Festprogramms mit Rat und Tat gefördert hatte. Die Leistungen der Mitwirkenden belohnte 2. Vorsitzender Arno Volk mit Blumen und süßen Präsenten und mit herzlichen, von stürmischem Beifall begleiteten Worten des Lobes und der Anerkennung, die ihm als „Maitre de plaisier" des ganzen Festabends nicht minder gebührt.

Die Auszeichnung treuer und verdienter Mitglieder vollzog Ernst Eckerlein unter Hinweis auf die Uneigennützigkeit, mit der sie sich in den Dienst der deutschen Wandersache stellen. Die goldene Ehrennadel des Vereins, die alljährlich nur einmal verliehen wird, erhielt diesmal August Marr , der unermüdliche Betreuer des „Kleinen Wanderkreises" und heimatkundlich besonders eifrige Mitarbeiter unserer Vereinszeitschrift. Als vorbildliche Aktivisten nicht nur beim Wandern, sondern auch bei der Erfüllung aller dem Verein obliegenden Aufgaben, wurden Hildegard Po11itzer , Gisela Völk und Otto Hollandt mit dem silbernen Ehrenzeichen bedacht. Stellvertretend für die um die Pflege unseres Wanderheims besonders tüchtigen Mitglieder der Hüttengemeinde wurden Helene Köhler und Wanderkönig Max Schwämmlein mit einem Bild der Alexandrinenhütte belohnt. Ehrenzeichen und Urkunden für langjährige Vereinstreue erhielten Hilde Ehrlicher (40 Jahre) sowie Gertrud Biederer und Margot Rauh (je 25 Jahre).

 

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