Wir grüßen unsere Gäste

(gemeint ist: des 64. Deutschen Wandertages; im Folgenden also Grußworte des Thüringerwald-Vereins, der Stadt Coburg und des Landkreises Coburg)


Thüringerwald-Verein

Am Vorabend des 64. Deutschen Wandertages empfinden wir Mitglieder des Thüringerwald-Vereins Coburg etwas von jener Spannung, die jedem Examen vorauszugehen pflegt, das dem menschlichen Lebensziel Richtung verleiht.
Uns steht ein zwar kleiner Wandertag bevor, jedoch ein Wandertag voller bedeutsamer Aufgaben. Sie künden letztlich von dem staatsbürgerlichen Bewußtsein unserer Verbandsgemeinschaft, die mit diesem Wandertag auch der Mission unseres Vereins ihre kraftvolle Unterstützung bekunden will. Diese Mission schließt die Erwartungen ein, die wir in die kommenden Tage setzen.

(Anmerkung: damals gab es noch im Wechsel „kleine“ und „große“ deutsche Wandertage)

Wir erwarten, daß von unserem Coburger Wirkungskreis im Ergebnis dieses Wandertages neue Impulse ausgehen zu jener menschlichen Begegnung mit der heimatlichen Landschaft, die das Wandern als kulturelle Aufgabe begreifen lehrt und die Einheit zwischen Mensch und Natur vor weiterem Verfall bewahrt. Die Coburger Tagung soll weiteste Kreise und insbesondere die Jugend anregen, in der Natur das Erlebnis der Schöpfung zu suchen, dabei sich selbst zu erleben und zu erkennen, daß Freizeit nicht dazu da ist, das Götzenbild vom Lebensstandard durch zusätzliche gewinnbringende Kräfteverzehrung „anzureichern".

Es geht uns darum, durch das Wandern, durch Dienst an Heimatpflege und Naturschutz um eine neue Gesinnung zu ringen, die sich dem nicht selten ausnahmslos wirtschaftlichen und technischen Denken überlegen erweist. Wenn der Coburger Wandertag in seiner Ausstrahlung unsere Mitmenschen solchem Zielstreben aufgeschlossen macht, dürfen wir die Aufgabe, unter der wir die Ausrichtung dieser Tagung auf uns genommen haben, als erfüllt ansehen.
Voller zuversichtlicher Erwartung grüßen wir die Gäste  unserer Heimatstadt  auch  als  unsere  Gäste, als Freunde und Helfer im Bemühen um die Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen für unser Volk.

Franz G e ß l e i n
1. Vorsitzender des Thüringerwald-Vereins

Landkreis Coburg

Das Coburger Land wird in den nächsten Tagen das Ziel vieler Wanderfreunde sein, die hier den Deutschen Wandertag 1963 festlich begehen wollen.

Das Land im Umkreis der Veste Coburg bietet gerade dem Wanderer viele Schönheiten und eindrucksvolle Begegnungen mit seiner vielgestaltigen Vergangenheit und mit der Arbeit seiner heutigen Menschen.
Ich grüße alle Teilnehmer am diesjährigen Wandertag herzlich, und ich wünsche ihnen schöne und bleibende Erinnerungen an Coburg.
 

Rudolf Kaemmerer,  Landrat

Stadt Coburg

Schon steht er im Westen an der Schwelle zu unserem Coburger Grenzland: Der Traditionswimpel des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. Seit dem 10. April wird er durch eine Wandergruppe des Wiehengebirgsverbandes von Osnabrück, der Stadt des vorjährigen Wandertages, nach Coburg getragen. Beim 64. Deutschen Wandertag werden sich hier in Coburg Deutschlands Wanderer um diesen Wimpel scharen, um mit einem Bekenntnis zur deutschen Heimat auch ihre Treue gegenüber unseren Brüdern und Schwestern jenseits der Zonengrenze zum Ausdruck zu bringen. Der Verband bekundet damit zugleich seine Verbundenheit zu der wichtigen Traditionsaufgabe, die sein Coburger Mitglied, der Thüringerwald-Verein, zu erfüllen hat: Dieser Verein ist nach der unglückseligen Spaltung unserer deutschen Heimat als einziger der 153 Zweigvereine des alten Traditionsverbandes übrig geblieben.

Die Kunde vom Coburger Wandertag ist bereits nach Thüringen gedrungen. Sie wird in diesen Tagen drüben wehmütige Erinnerungen wecken und manchen unserer thüringischen Nachbarn wird die Sehnsucht packen nach der Veste und dem alten lieben Coburg, mit dem Thüringens Wanderfreunde zahlreiche Bande der Freundschaft und der Verwandtschaft verbinden.

Auch in ihrem Namen grüßen wir Coburger unsere Gäste, auf die wir uns herzlich freuen. Sie bringen mit ihrer Liebe zur Natur das rechte Gespür mit für den Charakter unserer Stadt, für die landschaftliche Schönheit ringsum und für die Tragik des deutschen Schicksals, das über alledem liegt. So empfinden wir innige Gemeinsamkeit mit den Teilnehmern des 64. Deutschen Wandertages. Sie sind uns von Herzen willkommen!
 

Dr. Walter Langer Oberbürgermeister


Tagungsablauf des 64. Deutschen Wandertages

Freitag, 3. Mai 1963
 

16.00 Uhr    Sitzung des Verbandsvorstandes im Hotel „Goldene Traube".
18.00 Uhr Empfang des Verbandsvorstandes, der Vereinsvorsitzenden, des Jugendbeirats und der Ehrengäste durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Langer im Kongreßhaus. (Besondere Einladungen.)
20.00 Uhr Zwangloses Zusammensein im Kongreßhaus. Farblichtbildervortrag Oberlehrer Karl Arnold: Coburg, die Stadt und ihr Land.

Samstag, 4. Mai 1963
 

9.30 Uhr Aussprache der Verbandsleitung und der Vereinsvorsitzenden mit Jugendbeirat und Haupt jugendwarten im Kongreßhaus.
14.00 Uhr: Vorführung der Wandertagsfilme von Göppingen und Osnabrück im Kongreßhaus.
15.00 Uhr   Pressekonferenz im Hotel „Goldene Traube".
15.00 Uhr   Offener Volkstanz auf dem Marktplatz.
17.00 Uhr   Empfang der Wandertagswimpelgruppe auf dem Marktplatz.
18.00 Uhr Empfang des Verbandsvorstandes, der Ehrengäste und der Vereinsvorsitzenden durch die Bayerische Staatsregierung im Andromeda-Saal der Ehrenburg. (Besondere Einladungen.)
20.00 Uhr Begrüßungsabend des Thüringerwald-Vereins im HofbräusaaL Ansprachen: OB Dr. Walter Langer und Thüringerwaldvereins-Vorsitzender Franz Geßlein.

 — Aufführung des „Fränkischen Liederspiels", bearbeitet und geleitet von Franz Möckl. Mitwirkende: Kleines Landestheater-Orchester, Weinberg-Singkreis, Singverein Niederfüllbach, Heinz Schwanecke (Bariton), Gerhard Wohlleben (Mundartsprecher), Landjugend-Volkstanzgruppe.

Sonntag, 5. Mai 1963
 

7.00 Uhr   Evang. Gottesdienst in der Ehrenburg-Schloßkirche.
8.00 Uhr   Kath. Gottesdienst in St. Augustin.
9.30 Uhr   Versammlung  der  Vertreter  der  Verbandsvereine  im  Hotel
„Goldene Traube". (Geschlossene Veranstaltung.)

9.30 Uhr  Kleine Stadtwanderung ab Marktplatz zur Veste.

15.00 Uhr   Wanderkundgebung auf dem Schloßplatz 1

9.30 Uhr    Laienspielabend im Hofbräusaal.
Mitwirkende: Spielkreis Heldritt mit Improvisationen über Volkstanzweisen. — Deutsche Wanderjugend mit dem zeitkritischen Sketch „Dunkelrote Rosen". — Thüringerwald-Verein mit der Komödie „Das Dienstjubiläum".

Montag, 6. Mai 1963
 

7.30 Uhr   Wanderung vom Schloßplatz aus über die Veste zur Alexan-
drinenhütte auf der Sennigshöhe.
9.00 Uhr   Abfahrt von  Omnibussen nach Rottenbach.  Wanderung der
Zonengrenze entlang zur Sennigshöhe. Abfahrt: Schloßplatz. 14.00 Uhr   Schlußkundgebung und Ausklang des Wandertages.
Rückfahrt nach Coburg mit Omnibussen ab Mirsdorf.

Dienstag, 7. Mai 1963
 

Beginn der Ferienwanderungen im Coburger Land. Abmarsch: 8.00 Uhr Schloßplatz (Arkaden).
 

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