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90 Jahre beim Freistaat Bayern!

Kann es sein, dass ein solcher Anlass schon einmal intensiver gefeiert  wurde, beim 60jährigen, 70jährigen, 80jährigen Jubiläum etwa? Die einzige offizielle Veranstaltung, welche ich wahrnehmen konnte, war eine   Ausstellung im Staatsarchiv. Diese lief  zudem relativ kurz, nämlich  vom 01. Juli bis 27. August  dieses Jahres. Die Eröffnung dieser Ausstellung war also genau 90 Jahre, nachdem der Anschluss wirksam geworden war.

Der Anschluss Coburgs an den Freistaat Bayern im Jahre 1920 hatte Konsequenzen auch für den Thüringerwald-Verein. Hätte sich  Coburg dem neu gegründeten Freistaat Thüringen angeschlossen,  wäre  es 1945 Bestandteil der SBZ geworden. Neben vielen anderen fatalen Folgen hätte dies Verbot und Auflösung für alle freien und selbständigen Vereinigungen zur Folge gehabt. Die Tradition des Thüringerwald-Vereins wäre 45 Jahre lang erloschen gewesen, die Erinnerung an sein Handeln und Wirken verblasst. Ob dann nach 1989 Initiativen zur Neu- oder Wiedergründung gelaufen wären? Ich wage es zu bezweifeln.  Ich darf in diesem Zusammenhang aus der Chronik zitieren, die  von unserem unvergessenen Werner Ungelenk anlässlich des 75jährigen Jubiläums des ThWV Coburg im Jahre 1982 verfasst worden ist:

Ein Treuewort macht Geschichte

In dieser prekären Situation bekam ein Treubekenntnis des Coburger Zweigvereins-Vorsitzenden Carl Escher schicksalhaftes Gewicht. Die 55. Hauptversammlung des Thüringerwald-Vereins in Probstzella beschäftigte am 28.Juni 1936 auch Eschers damaliges Primäranliegen: Der Bau des Wanderheimes "Alexandrinenhütte" auf der Sennigshöhe. Es ging u. a. um einen Bezuschussungsantrag, dem sich der Vereins-"Sparkommissar" Hickethier mit dem Argument widersetzte, die Coburger als nunmehrige Bayern würden nach Zuschußbewilligung  "ja doch aus dem Thüringerwald-Verein austreten und sich einem bayrischen Wanderverein anschließen". Escher reagierte auf "derart unkameradschaftliche Einschätzung" mit der ausdrücklichen - übrigens mit einem 1500-Mark-Zuschuß honorierten - Versicherung, "dass bei uns Coburgern das Wort 'Treue um Treue' sehr ernst genommen und auch gehalten wird!"
Escher und seine Wanderfreunde haben stets zu diesem Wort gestanden; erst recht, als die Zwangsauflösung des Hauptvereins 1945 zugleich zur Schicksalsfrage für den Coburger Zweigverein wurde. Seine damals 267 Mitglieder beantworteten sie mit der nach eingehender Diskussion einmütigen Entscheidung, "keinen neuen Verein zu gründen, sich auch nicht den befreundeten Vereinen der Frankenalb oder des Frankenwaldes anzuschließen, sondern in freundschaftlichem Einvernehmen bei dem Thüringerwald-Verein zu bleiben und dessen Interessen beim Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine als nunmehr unmittelbares Mitglied wahrzunehmen". Unsere Coburger Wanderfreunde bekundeten damit ihre Entschlossenheit, "die Mission ihres um Heimatpflege und Landesgeschichte verdienten Hauptvereins zu wahren, seine Substanz über die Zeit willkürlicher Zweiteilung der deutschen Heimat hinweg zu erhalten und so zugleich zu beweisen, wie eng wir uns unseren schwergeprüften Landsleuten jenseits des Eisernen Vorhanges verbunden fühlen, wie wenig wir sie vergessen können!"
(Text Treuewort übernommen von Werner Ungelenk)

-hdb-
 

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