„np“ vom 3. Juni 2010

Neue Allianz für Natur und Umwelt

Sieben Verbände und Vereine schließen sich zusammen. Ihr Ziel: Ökosysteme im Raum Coburg zu schützen.

Coburg - Der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der Bund Naturschutz in Bayern (BN), der Verband für ökologischen Landbau „demeter“, der Thüringerwald Verein, die Tier- und Naturschutzvereine Coburg und Neustadt sowie der Verband ökologischer Erzeuger „Bioland“ haben die

Coburger Allianz für Natur- und Umweltschutz

gegründet. Sie repräsentiert über 6000 Mitglieder und Förderer in der Stadt und im Landkreis Coburg. Die neue Gemeinschaft, die sich am Dienstag nächster Woche (Anm.: das ist oder war der 8. Juni 2010) in Dörfles-Esbach der Öffentlichkeit vorstellen wird, hat zum Ziel, „den Natur-, Tier- und Umweltschutz in Stadt und Landkreis Coburg zu stärken und besser als bisher voranzubringen", heißt es in der Selbstdarstellung der „Coburger Naturallianz".

 

Sie will gemeinsam mit der Kommunalpolitik eine Strategie für den Erhalt der biologischen Vielfalt in der Region erarbeiten und umsetzen, eine Umweltbildungsinitiative auf den Weg bringen und verhindern, dass im Raum Coburg genveränderte Pflanzen angebaut werden oder mittels Gentechnik produziert wird. Sie will ein ökologisch nachhaltiges Klimaschutzkonzept für Stadt und Landkreis durchsetzen, dass keine neuen großen, Flächen verbrauchende Bauprojekte in der Region Coburg entstehen und unter dem Schlagwort „Grün in der Stadt" den Baumschutz stärken.

 

Frank Reißenweber, Sprecher der Naturallianz Coburg, sagte der Neuen Presse auf Anfrage, dass die Gründung des Bündnisses nicht auf die Pläne für einen neuen Flugplatz bei Wiesenfeld zurückgeht. Vielmehr verstehe sich die Gemeinschaft nach Vorbild des Deutschen Naturschutzringes oder des bayerischen Waldbündnisses als Dachverband von Umwelt-und Tierschutzverbänden auf lokaler Ebene. So sei es möglich, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Ziele und Positionen besser durchzusetzen. „Man wird eher gehört, wenn man als Umweltverband oder -verein nicht alleine steht, so Frank Reißenweber.

 

Er betonte ausdrücklich, dass man dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit Städten, Gemeinden und dem Landkreis setze. Beispiele seien das Klimaschutzkonzept oder ein Naturbildungsprogramm auf der Grundlage des Goldbergsees zwischen Neuses und Beiersdorf sowie dem angrenzenden Naturschutzgebiet „Glender Wiesen". Für bemerkenswert hält es Reißenweber, dass sich Biobauern der Coburger Naturallianz angeschlossen haben.

wb

Coburger Allianz für Natur- und Umweltschutz

Die Coburger Allianz für Natur- und Umweltschutz, Kurzform „Coburger Naturallianz“, ist ein Bündnis von Coburger Verbänden und Vereinen aus dem Natur-, Tier- und Umweltschutzbereich sowie des Ökolandbaus mit zusammen über 6000 Mitgliedern und Förderern. Sie hat den Zweck, den Natur-, Tier- und Umweltschutz in Stadt und Landkreis Coburg zu stärken und besser als bisher voranzubringen.

Gemeinsame Ziele und Positionen:

1.

Erarbeiten und Umsetzen einer umfassenden Biodiversitätsstrategie für Coburg Stadt und Coburg Land zusammen mit der Kommunalpolitik.

I.

Waldschutzkonzept mit 10 % aus der Nutzung genommenen Naturwaldflächen im öffentlichen Wald

II.

Bereitstellung öffentlicher Flächen und eines festen finanziellen Budgets für die Etablierung eines vernetzten Biotopverbunds Coburg Stadt und Land

III.

Ökologisches "Leuchtturmprojekt" NSG Glender Wiesen- Goldbergsee- Goldberg- FFH Callenberg/ Bausenberg/ Hambachgrund

IV.

Ökologisierung der Landwirtschaft (z.B. verstärkte Anlage von Blühflächen, miteinander vernetzten ökologischen Landschaftsbestandteilen sowie größeren Bereichen mit Extensivnutzung/ Weidetierhaltung; besonders starke Förderung des Ökolandbaus und Verbindung mit dem rinkwasserschutz)

V.

Tierschutzgerechte Lenkung und Einwirkung auf den Bestand verwilderter Haustiere und Neozoen (z.B. gezielte Sterilisation/ Kastration von Katzen, um deren Vermehrung tierschutzgerecht einzudämmen, die sonst stark zu Lasten heimischer Kleintiere und Vögel geht)

VI.

Stärkung des Natur- und Tierschutzes in der kommunalen Verwaltung (mehr Kompetenz, mehr engagiertes Personal, mehr Schlagkraft); mehr aktive politische Unterstützung als bisher

 

2.

Umweltbildungsinitiative Coburg mit Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Tierschutz

I.

Naturbeobachtungsstation am Goldbergsee für alle Altersgruppen (Kindergarten - Erwachsene)

II.

Forcierung der Initiative "Grünes Klassenzimmer" (z.B. bei Scheuerfeld, Neu- und Neershof, sonst.)

III.

Verstärkte Medienpräsenz von Umweltthemen zur Information der "breiten Öffentlichkeit”

IV.

Stärkere und verlässlichere institutionelle Förderung der verbandlichen Stationen mit Umweltbildungsfunktion (auch in Verbindung mit Naherholung) in Stadt und Landkreis Coburg (z.B. Alexandrinenhütte, Tierheime, Auffangstation Neuhof, Hambachgrund,

Hofmannsteiche, ...)

3.

Gentechnikfreie Region Coburg Stadt und Land Kein Anbau und keine Produkte mit Gentech- Bestandteilen

4.

Ökologisch nachhaltiges Klimaschutzkonzept für Stadt und Landkreis Coburg

I.

Energiewende mit Ausbau der Kraft- Wärmekopplung, modernen Blockheizkraftwerken,

überregionalem Ökostrombezug, Förderung der Wärmedämmung im Altbau,

modernste Energieoptimierung bei allen Neubauten

II.

Erzeugung von Biogas aus Reststoffen (statt aus Mais) wie z.B. energetische Nutzung von Grüngut und Biomüll im großen Stil (z.B. mit der SÜC), Unterstützung innovativer Technikkonzepte wie dem Prallreaktorsystem zus. mit priv. Investoren

5.

Reduzierung des Flächenverbrauchs bei Baumaßnahmen; keine neuen flächenverbrauchenden großen Bauprojekte mehr in Coburg Stadt und Land

I.

Verzicht auf neuen Verkehrslandeplatz

II.

Ökologisierung der kommunalen Bebauungsplanung durch ernsthaftere Beteiligung der Naturschutzverbände

6.

Mehr "Grün in der Stadt” -Stärkung des Baumschutzes im Siedlungsbereich

I.

Erhalt von großen und alten Bäumen, keine großen Fällaktionen mehr

II.

Innenhofbegrünung, Entsiegelung von Boden, Nach- und Neupflanzungen mit

vorrangig heimischen Baum- und Straucharten

III.

Stärkung ökologischer Belange bei Maßnahmen der Stadtsanierung (z.B. Erhalt und Neuschaffung von Tierquartieren an Gebäuden sowie des Baum- und Strauchbestands)

 

 

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