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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1967
In unseren Wanderungen wollen wir die Umgebung bewusst wahrnehmen, ob es sich nun um die Natur oder auch um heimatkundliches - heimatgeschichtliches handelt wie in dem folgenden Beitrag. Altenstein und Lichtenstein- das waren bei zahlreichen Fahrten auf dem Heimweg die ersten Wahrzeichen des Coburger Landes, wenn es sich auch noch um den unterfränkischen Landkreis Haßberge handelt.
Zigeunerstock – Altenstein – Lichtenstein
Kleine Heimatkunde im Stammland des Gatten der Goethefreundin Charlotte Der heimatkundliche Rückblick des Kleinen Wanderkreises ist diesmal dem in seiner Deutung auf Legenden basierenden Zigeunerstock im Altensteiner Wald sowie den Burgruinen Altenstein und Lichtenstein (heute Rotenhanscher Besitz) gewidmet. Er gewinnt aktuelles Interesse im Hinblick auf die Osterwanderung, bei der vom Zeilberg her der Blick sich richten wird auf Altenstein, das im August Ziel einer Tageswanderung von Coburg aus sein wird. Die über dem Weisachtal am Westrand des höchstgelegenen Ortes im Eberner Land thronende Burg des Rittergeschlechtes von Stein zu Altenstein ist urkundlich erstmals anno 823 nachweisbar. Sie hatte einen Vorgänger in der „Heidenburg", der Stammburg derer von Stein zu Altenstein, die im Sachsenkrieg (772—803) zerstört wurde. Ihr Standort war der Waldbezirk im sogenannten Gehrenholz (3 km nordostwärts von Altenstein), der heute noch die Bezeichnung „Alte Burg" trägt. Die danach ebenso wie Lichtenstein und Rotenhan als Schutzburg gen Osten erstandene Ritterburg Altenstein mußte sich gegen viele Widersacher behaupten. Ihr hartnäckigster war jener Bischof Eyring von Rheinstein, (Anmerkung: nach anderer Schreibweise Iring von Reinstein-Homburg, *? – 1265; Bischof ab 1254 – 1265; WIKIPEDIA downl. 01/12) der 1254 nur durch „Vergleich" mit den 12 Altensteiner Rittern in die Burg gelangen konnte. Nach festlichem Mahle — so die Überlieferung — ließ er die Ritter „zu vertraulichem Gespräch" einzeln in das ihm gebotene Gastgemach kommen und dabei der Reihe nach umbringen. (Anmerkung: Sage, historisch nicht belegbar: WIKIPEDIA downl. 01/12) Er selbst mußte diese List mit dem Tode bezahlen. Im Bauernkrieg (1525) wurde die Burg erstmals zerstört, angeblich durch Eberner und Maroldsweisacher Bauernhorden. Wilhelm von Stein, der in Altenstein die lutherische Konfession einführte und 1530 Zeuge des denkwürdigen Reichstages zu Augsburg war (dessen Ausgang Luther auf der Veste Coburg abwartete), projektierte den Wiederaufbau der Burg, sein Sohn Wolf Dietrich vollzog ihn. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Altenstein 1632 jedoch total vernichtet; zum größten Teil auch das jenseits des nur durch eine Zugbrücke zu überwindenden Burggrabens gelegene Dorf samt dem Pfarrhof. Seitdem ist Altenstein die uns heute bekannte Ruine, die nach dem Abbruch des schwanken Kirchturms vor genau 100 Jahren allmählich so verfallen ist, dass sie aus Sicherheitsgründen jetzt leider nicht mehr betreten werden darf. Dass der Gatte der Goethefreundin Charlotte, der Weimarer Hofstallmeister (Gottlob Ernst Josias) Friedrich von Stein, ein Altensteiner war, sei hier kurz erwähnt, da vielleicht nicht allgemein bekannt.
Eine gut einstündige Waldwanderung gen Südosten von Altenstein entfernt liegt die Stammburg der Herren von Lichtenstein, deren Geschichte bis in die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück nachweisbar ist. Auch sie wurde im Bauernkrieg zerstört, aber nicht so weitgehend wie Altenstein. Von den ehemals drei Burgteilen auf felsiger Höhe über dem Baunachtal ist der südliche erhalten geblieben. Er ist heute gepflegter Wohnsitz der kunstfreudigen Baronin Lotte von Rotenhan. Sie hat die bescheidenen wertvollen Überreste des einstigen Burgbesitzes durch Sammlung hochwertiger Stücke mittelalterlicher Handwerkskunst angereichert. Im Kontrast zu dem großzügigen Schloss bau mit seinen hölzernen Wehrgängen, malerischem Torbau und prächtiger Gartenanlage stehen die Ruinenreste der Nord- und Ostburgen, deren markanteste der quadratische Bergfried und ein in Verliestiefe führender Rundturm sind. An dem Kirchlein im Burggelände aus dem Jahre 1742 interessiert hier vor allem die Tatsache, dass seine Glocke eine Coburger Arbeit ist. Wer sich Lichtenstein und Altenstein vom Itzgrund her erwandert, dem ist zu andächtiger Einkehr im Obermerzbacher Kirchlein zu raten. Es stammt aus den Anfängen des 13. Jahrhunderts und gilt als das älteste Gotteshaus der dortigen Gegend.
interner link: neuere Fotos von Altenstein:: Hassberge
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