August Marr, unermüdlicher und heimatkundiger Wanderführer und Organisator im “Kleinen Wanderkreis” entführte seine Leser im Heft 4/1968 auf den Ansberg unweit von Staffelstein. Zu Unrecht liegt dieses Wanderziel etwas im Schatten des benachbarten Staffelberges. Wie Marr aufzeigt, wurde die Veitskapelle durch eine Verwechselung bekannt...

Wo einst der Ansberger Ritterburg stand / Hier irrte Viktor von Scheffel
 

Mehrfach ausgiebig genossen haben unsere Wanderfreunde heuer den stets lohnenden Besuch an der nunmehr 250jährigen Veitskapelle auf dem Ansberg bei Staffelstein und den sich dort bietenden Rundblick auf die Lande um den Main:
Das kleine, kostbare mainfränkische Barock-Heiligtum, das zur Pfarrei Prächting gehört, ist eine Schöpfung des Kirchenbaumeisters Rheinthaler (vermutlich nach einem Plan Justus Dientzenhofers), der u.a. auch am Bau der Wallfahrtskirche Han bei Kutzenberg mitgewirkt und der Dreikönigskirche zu Burk bei Forchheim ihre uns vertraute Gestalt gegeben hat.
Im Schatten hochstämmiger Linden bietet sich vom Ansberg-Plateau eine dem Staffelberg-Ausblick durchaus vergleichbare herrliche Rundsicht. Von kaum einer anderen Stelle aus ist die markante Silhouette des Staffelbergs so eindrucksvoll zu schauen. Belohnt wird der Aufstieg außerdem mit prächtigem Fernblick über den Dornig zu den Jurahöhen im Osten, über das Maintal zum Thüringer Wald im Norden sowie über die Eierberge hinaus bis zu den Haßbergen im Westen, auf Bamberg mit seiner Altenburg im Süden.
Wo einst die Ritterburg der Ansberger stand, von denen der aus dem Maintal emporwachsende Kegel seinen vom Volksmund zugunsten des „Veitsbergs" nahezu verdrängten Namen ableitet, hat die 1718 errichtete Veitskapelle ihren für Wallfahrten geradezu idealen Platz. Wegen seines exponierten Standortes ist das Kirchlein nur zu den Stunden der Andacht geöffnet. Ansonsten aber verschließt es sich dem Betrachter nicht ganz. Ein verglastes Guckloch im schmucken Hauptportal gibt den Blick frei auf die barocke Schönheit des Kircheninnern mit seiner reichen sakralen Ausstattung. Neben einer Vespergruppe aus dem 17. Jahrhundert gehören zum wertvollen Kapellenbestand u. a. auch Glocken aus der Zeit um 1500.
Ob in dem Namen des Heiligen Veit (Vitus), dem das Kirchlein gewidmet ist, die Erinnerung an den Wendengott Swantovit nachklingt, bleibt eine unbewiesene Vermutung. Die Verehrung gilt jedenfalls dem zu den 14 Nothelfern zu zählenden Schutzpatron gegen den nach ihm benannten Veitstanz; nach der Legende ein Märtyrer unter dem römischen Kaiser Valerianus. Seine Reliquien befinden sich im St. Veits-Dom zu Prag.
Unbestritten ist auch, daß Viktor von Scheffel die Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg mit der Veitskapelle auf dem Ansberg verwechselt hat. Sein Irrtum ist durch das Frankenlied mit den Worten „Zum heil'gen Veit von Staffelstein sind wir emporgestiegen ..." in die Literatur eingegangen. Immerhin ist damit indirekt auch der liebenswerten Veitskapelle ein Denkmal gesetzt, dessen sie durchaus würdig ist.       
AuMa
 

Nachtrag: ohne auf Einzelheiten einzugehen: die Beziehung St. Veit mit dem altslawischen Gottheit svantovit wird tatsächlich behauptet siehe die einschlägige Seite auf “WIKIPEDIA”:

Bild unten: viel später, im Juni 2006, besuchten wir die Veitskapelle und wurden damals sachkundig von dem einheimischen Kirchenpfleger geführt.
 

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