„Coburger Tageblatt“ vom 18.08.1952

 

Thüringerwald -Verein wurde Hausbesitzer auf der Sennigshöhe

 Alexandrinen-Schutzhütte bei Mirsdorf wurde vom Landkreis ihrem langjährigen Hausherrn zum Geschenk gemacht

 â€žWir sind Hausbesitzer geworden", konnte der Vorsitzende des Thüringerwald-Vereins in dessen letztem Waldabend den Mitgliedern als freudige Botschaft verkünden: der Kreistag hatte, wie gemeldet, dem Verein die Alexandrinenhütte auf der Sennigshöhe, die seit ihrer Eröffnung 1936 vom Verein betreut wird, zugesprochen. Der Thüringerwald-Verein hat sich, von der rührigen Initiative seines Vorsitzenden Carl Escher angespornt, in sechzehn Jahren durch seine mustergültige Betreuung der Alexandrinenhütte wohl ein Anrecht auf dieses Eigentum erworben. Mit einer Feier soll die Übergabe, der Hütte an den neuen Hausherrn noch offiziell nachgeholt werden.

 â€žAbends", sagte der Hüttenwart und fährt mit dem Finger am Horizont (vom Staffelberg über die Eierberge zur Altenburg und bis zur Rhön) entlang, „abends sieht das oft aus wie ein Bild von Lukas Cranach.“ Wir stehen -nur ein paar Schritte vom trigonometrischen Punkt[1], der höchsten Stelle des Coburger Landes überhaupt, entfernt auf der Schwelle der Alexandrinenhütte und sehen ins fränkische und thüringische Land hinaus.

 Vorhin noch lagen Rodach und die Heldburg hinter einem grauen Regen-Vorhang, jetzt liegt wieder Sonnenschein darüber, aber der Wind ist da. Er ist immer da auf der Sennigshöhe, die mit 523 m Kurortlage bedeutet.

 Später sitzen wir mit dem Hüttenwart bei einem Glas Frankenwein, den er, der für anderthalb Tage ehrenamtlich „Wirt“ spielt, aus dem Keller herbeigeschleppt hat. Irgendetwas findet sich nämlich immer zur Erfrischung der Wanderer, die in dieser Schutzhütte des Thüringerwald-Vereins Zuflucht vor Sonne oder Regen suchen. Die holzverkleidete, altdeutsche Hüttenstube zeigt nur allzu deutlich, daß die neuen Hausherren schon seit sechzehn Jahren hier walten: sie haben eine trauliche Umgebung geschaffen. 

 Zum Hüttenbetrieb gehört auch eine Küche, mit Propangaskocher, Eisschrank und Kohlenherd ausgestattet — die Beleuchtung liefert ebenfalls die Propangasflasche [2] — und unter dem Dach ist Schlafgelegenheit: ein Bett für den Hüttenwart und Klappbetten für weitere Mitglieder.

 Der ehrenamtliche Hüttendienst wird turnusmäßig an die Vereinsmit-glieder, die der sogenannten Hüttengemeinde innerhalb des Vereins angehören, vergeben. Er wird an jedem Sonnabendmittag angetreten und ist erst am Sonntagabend beendet, wenn die Sonntagswanderer heim gekehrt sind. Sie kommen vom Bahnhof Meeder über Mirsdorf den sonnenübergluteten Weg herauf, den sie in etwa zwei Stunden bewältigen, oder sie wählen den herrlichen Weißbachsgrund ab Tiefenlauter als Anmarschweg. Die vom Hüttendienst nehmen, weil sie Sack und Pack mitbringen, den kürzesten Weg: von Tremersdorf in steuern Anstieg herauf, diese Strecke ist  1,8 Kilometer lang.[3] Der Hüttendienst holt, wenn viele Vereinsmitglieder oder fremde Wanderer die Hütte besuchen, die Tische und Bänke aus dem Keller[4], die im Schatten der Linde und auf der zwei Meter breiten überdachten Veranda der massiv gebauten Hütte über hundert Menschen Sitzgelegenheit bieten können. Der Hüttendienst sorgt für Sauberkeit und Ordnung und ist auch für kleinere Reparaturen verantwortlich Und manchmal kocht er sogar eine warme Suppe für die hungrigen Wanderer.[5] 

In der Hüttenstube, in der Ecke hinter dem großen Kachelofen,[6] der an   Winterabende und Bratapfel erinnert, hängt die Geschichte der Alexandrinenhütte in Bildern. Sie beginnt mit dem 1905 vom Fremden-Verkehrsverein erbauten Alexandrinenturm, dem höchsten Aussichtspunkt des Coburger Landes, der nach seiner jahrelangen Vernachlässigung am 22.  März 1936 wegen Einsturzgefahr gesprengt wurde. Carl Escher regte damals den Bau der massiven Schutzhütte aus den Ruinen des Turmes an. Sie wurde am 19. Juli 1936 eingeweiht und der Thüringerwald-Verein feierte ihr fünfzehnjähriges Bestehen im vorigen Sommer mit einem großen Fest. Überhaupt sind die Sommerfeste des Thüringerwald-Vereins auf der Sennigshöhe weithin wohlgerühmt, und erst vor wenigen Wochen weilten einige tausend Besucher. auf der Sennigshöhe zum Waldfest.

Die Inneneinrichtung, die gründlich renovierte, fast dreißig Meter tiefe Pumpanlage[7] sind Eigentum des Thüringerwald-Vereins, und es ist ein  bewundernswerter Unternehmergeist des wanderlustigen Vereins, wenn er nun die — in praxi seit anderthalb Jahrzehnten geübten — Pflichten des Hausherrn und Hausbesitzers auf seine Schultern nehmen wird. Es fehlt noch manches: beispielsweise eine gründliche Auffüllung, der Hausapotheke,[8] aber der Verein schafft vieles in Gemeinschaftshilfe.

Der alte Geist heimattreuer, wanderfroher Gemeinschaft ist in dem Völkchen lebendig, das sich allsonntäglich dort oben trifft. Es wird, so kündigte Carl Escher im letzten Waldabend als zweite Sensation neben der Nachricht von der Hausschenkung des Landkreises an, sechzig Mitglieder zum 53. Deutschen Wandertag vom 4. bis 8. September nach Bad Berneck ins Fichtelgebirge entsenden.   Damit soll vor allem der Jugendgruppe der Wandergeist des „Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e. V."[9], zu dessen 4l Mitgliedsverbänden der Coburger Thüringerwald-Verein zählt, vermittelt werden.    Jener Wandergeist, der „genius loci" in der Alexandrinenhütte auf der Sennigshöhe ist.

Soweit der Text aus dem „Coburger Tageblatt“ vom 18. August 1952

 Anmerkungen:


[1] Dass hier ein trigonometrischer Punkt liegt, war mir neu

[2] Seit 1984 ist die Alexandrinenhütte an die Stromversorgung angeschlossen; natürlich wird diese Energie zur Beleuchtung und auch zum Kochen genutzt.

[3] Inzwischen nutzt der Hüttendienst natürlich i. d. R.  Kraftfahrzeuge

[4] Inzwischen aus dem Nebengebäude, dem Blockhaus.

[5] Längst nicht nur „manchmal“, sondern regelmässig!

[6] Kachelofen inzwischen erneuert!

[7] Auch diese wurde inzwischen vollständig ersetzt; dennoch kommt das Trink- und Brauchwasser aus der öffentlichen Versorgung. Trotz neuem Brunnen ist das Wasser weitgehend versiegt.

[8] Längst erledigt!

[9] Heute: „Deutscher Wanderverband“

 

Interessant sind noch die Inserate – im Orginal leider nicht wiederzugeben;

Fotokopie ist zu schlecht
 
Gasthof „Halber Mond“ – damals Vereinslokal!
Gasthaus „Zur Sennigshöhe“ – A. Bräutigam
Diese Gaststätte bestand bis in die 90er Jahre in Mirsdorf. Auch die Thüringerwaldvereinler suchten es gerne auf.

Gasthaus „Zur Strandung“ – Rögen
An die Existenz dieser Gaststätte in der Löbelsteiner Straße in Rögen erinnern sich heute nur noch wenige. Nicht einmal das ansonsten ausgezeichnete Büchlein “Coburg und seine früheren Gaststätten und Hotels” aus dem Hause Rossteutscher, Coburg etwa 1990 enthält einen Hinweis.

Brauerei Meyer -Rottenbach