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Aus “Das Farnkraut” Nr. 2/1965
Beim “Fa-Wa” kochte die Volksseele.
Dass sich der Thüringerwald-Verein Coburg selbst nicht immer ganz ernst nahm, beweist der folgende Bericht über einen “Faschings-Waldabend” 1965. Übrigens, die Jugend hatte ihre eigene Veranstaltung! Es gab übrigens um diese Zeit bei fast jedem Verein einen Faschingsball oder zumindest “Kappenabend”. Bei uns ist letztlich die “Faschings-Wanderung” geblieben, auch wieder 2012
Der gelungene Schnappschuß vom Faschings-Waldabend bedarf ebenso wenig der Worte ... Oh-je! Wo sind wir bloß hingeraten? Manche Besucher des März-Waldabends stellten sich diese Frage, als sie der Wanderer keine, der Clowns, Halbweltdamen, Gigolos und sonstiger Narren umsomehr entdeckten. Nur des Vorstands korrekter Wanderanzug bremste ihre Umkehrabsicht und überzeugte sie, daß sie sich doch im richtigen Lokal befanden. Die Kostümierung entsprach also lediglich dem Charakter des Faschingsdienstags; anscheinend aber auch einem gewissen Protesthunger dagegen, daß der Thüringerwald-Verein in den beiden Vorjahren „keinen gescheiten Fasching" geboten habe. Das Durcheinander wurde durch solche Erkenntnis freilich nicht gedämpft; es steigerte sich vielmehr noch, als der Vorstand den Waldabend mit „unzeitgemäßer" Rede zu eröffnen versuchte. Man erwartete offenbar nichts von seinem Vornamen Ernst, umso mehr aber von seiner zum Humor verpflichtenden „Schursch" - Abstammung. So wurden denn seine geradezu revolutionären Neuerer-Ideen und Rationalisierungspläne rücksichtslos niedergezischt. Er entwickelte aber auch zu dicke „Rosinen", als da sind: Postkarten-Waldabende, bei denen die Urlaubsgrüße bündelweise verlesen werden sollten; eine von den Mitgliedern zu finanzierende Markierungsmaschine zur Wegebezeichnung; Verzicht auf das Wandern („das überlassen wir den Autofahrern") zugunsten weltweiter Fahrten im vereinseigenen Omnibus; Beitragserhöhung und Sonderbeiträge obendrein! Das war zuviel für die Volksseele! Sie kochte über in dem Prorestschrei: „Der Mann bringt uns an den Rand des Ruins!" Nach den weiteren Vorschlägen, Waldabend-Protokolle zu Werbezwecken in Fremdsprachen (einschl. Suaheli) drucken zu lassen, die Abstinenz wegen Korporativ-Mitgliedschaft einer Brauerei aufzugeben und Ferienwanderer aus Indien zuzulassen, war der Vorstand reif zur Abdankung. Unter Abdullah-Franz (Reinhardts) Zepter sah die leicht monarchistische Gegenregierung mit Kaiser Wilhelm, Peter dem Großen (Reingruber) und Märchenprinzessin Hedwig (Volk) ihre Stunde gekommen. Zu Wort kam sie allerdings kaum, denn die inzwischen aus tiefem Schnee gebuddelten Musiker und ihre Narren-Gefolgschaft waren lautkräftiger und setzten sich mit dem Recht der Tanzhungrigen schwungvoll durch. Im temperamentvollen „Humba-täterä" gingen alle Ansätze wohlformulierter Reden und geordneter Programme vernichtend unter. Um so stärker behaupteten sich die mitreißend stimmungsfördern-den Hedwigs-Faschingslieder (Reinhardt u. Volk), zwerchfellerschütternde Tischgespräche und eine Wandertags-Reminiszenz. Die Indiskretion aus Lieses und Trudes Denzlinger Doppelzimmer hatte Hedwig Volk in Mundart-Reime gesetzt. Hier die Pointe aus dem nächtlichen Zwiegespräch der Schlaflosen. Das Wort hat zunächst Liese:
Ich weiß doch, daß ich furchtbar schnarch', wollt dir halt mach' kein Kummer; denn weil mei Schnarch'n gar zu arg, hätt' ich ja g'stört dein Schlummer. Heftpflaster holt ich drum im Nu, so könnt' ich aa net red', und pappt' damit mei Gusch'n zu, deß se net offensteht. Des Trudla ganz gerührt jetz is' und fletscht ball in ihr'n Bett: Wenn des kei Kameradschaft is', dann weiß ich wirklich net!
Nach solcher Offenbarung spricht man bereits von Anträgen, rücksichtsvollen Wanderfreunden künftig Heftpflaster kostenlos zur Verfügung zu stellen, da für Einzelzimmer bei Wanderfahrten kaum garantiert werden kann. An Humor und Offenherzigkeit also hat es dem Faschings-Waldabend kaum gemangelt, an Reimfreude übrigens auch nicht. Gustav Resch krönte sie in der vom Aschermittwoch gesetzten Abschiedsstunde auf gut Coburgisch mit dem Resümee allgemeiner Zufriedenheit, das in der Feststellung gipfelte: Vergange sen die frohen Stunden zu schnell für alle Leut. Es war a prima Fastnachtsrunden beim Co-Ho-Fa-Wa heut!
Anmerkung: der Vorsitzende war damals Ernst Eckerlein, Sohn des humorbegabten Mundartdichters Georg “Schursch” Eckerlein
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