Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3/1971

 

Viel vorgenommen hatten sich die Thüringerwaldvereinler damals mit ihrer „Heimatkundlichen Wanderfahrt“. Das Haus Andechs-Meranien und seine Rolle im heutigen Oberfranken gehört zu den verwickeltsten Kapiteln der Geschichte. Sie gelten als die Begründer der Veste Coburg (siehe unter Walter Schneier: „Coburg im Spiegel der Geschichte“, Coburg 1985, S. 42. Noch heute ist ein Gymnasium in Lichtenfels nach ihnen benannt. Ursprünglich am Ammersee ansässig (Dießen-Andechs) vergrößerten sie ihren Besitz rasch, unter anderem auch im heutigen Oberfranken. Nach Ansicht vieler Historiker begann der Niedergang mit einem Mordfall in Bamberg: am 12. Juni 1208 ermordete Pfalzgraf Otto VIII in der bischöflichen Residenz zu Bamberg König Philipp von Schwaben. Der Bischof war Eckbert von Andechs-Meranien und geriet in Verdacht der Mitwisserschaft.

 Die „Ebnether Keller“ waren schon für Emil Rädlein ein Wanderziel. Heute sind sie als Geotop geschützt. Der Kemnitzenstein bei Kümmersreuth (Stadt Bad Staffelstein) ist eine der spekakulärsten Felsformationen der Frankenalb. Wir sind schon öfters vorbeigewandert. Ähnliches gilt für den „Hohlen Stein“ bei Schwabthal. Wie aus einer Publikation der Uni Würzburg hervorgeht, wurden dort im Sommer 2008 Lehr- und Forschungsgrabungen durchgeführt.

 Heimatkundliche Wanderfahrt mit dem Kleinen Wanderkreis

 

Sonniger Himmel überstrahlte die heimatkundliche Wanderfahrt des Kleinen Wanderkreises durch die so manchem noch kaum bekannte nordfränkische Alb. Der Ausflug — von Rudolf Schulz liebevoll vorbereitet und umsichtig geleitet — brachte die frohgestimmten Teilnehmer zunächst über Burgkunstadt zum Felsenlabyrinth im Ebnether Wald. Weiter ging's dann über Weismain in das landschaftsprächtige Krassachtal.

 Auf vorgeschobener Bergnase stand dort einst die Felsenburg Niesten. Für den Steilanstieg zum Ruinenfeld entschädigte herrlicher Ausblick auf benachbarte Jurahöhen und ins Maintal. Die Gedanken der Wanderschar eilten zurück in die Vergangenheit, als die Burg die Straße Bamberg — Scheßlitz — Burgkunstadt beherrschte. Sie entstand (vermutlich aus einer vorchristlichen Wallburg) als Sitz der Edelherren von Niesten etwa um 1142, ging 1209 auf den Herzog Berthold von Meranien über und 1234 auf dessen Sohn Otto II., der, erst 30jährig, als Letzter seines Stammes am 19. Juni 1248 starb. Der Sage nach soll er von seinem Hofmeister und Nebenbuhler, einem fränkischen Ritter namens Hager, ermordet worden sein. Bekanntlich waren die Herzöge von Meranien und Andechs auch die Herren der Veste Coburg, die nach dem Tode Ottos II. an den verwandten Grafen von Henneberg überging. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg Niesten zerstört, dann wieder aufgebaut. Auch der 30jährige Krieg ging nicht spurlos an ihr vorüber. Nach einem orkanartigen Sturm wurde die dem Verfall preisgegebene Burg 1747 auf bischöfliches Geheiß abgebrochen. Was vor 100 Jahren noch eine weithin sichtbare Ruine war, ist heute nur noch ein Schutthügel.

 Von Niesten aus setzte sich die Fahrt fort durch das Weismaintal zur Weihersmühle und von dort über Wattendorf hinauf zum Kemitzenstein und zum Hohlen Stein, einem geheimnisvolle Anziehungskraft ausstrahlenden Naturdenkmal. Ein höhlenartiger Durchgang gab dem etwa 23 Meter langen und rund 11 Meter hohen Felsen seinen Namen. Der Volksmund berichtet, hier habe einmal ein Schloß gestanden; seinem Besitzer habe auch die benachbarte „Steinerne Stadt" auf dem Kemitzenstein gehört; Schloß und Stadt seien durch eine Verwünschung kläglich untergegangen und in Stein erstarrt. Nach anderer Deutung soll es sich beim Hohlen Stein um eine vorchristliche Opferstätte handeln. Aus Ausgrabungsfunden könne man schließen, daß um 3500 v. Chr. hier eine große Siedlung der Jungsteinzeit bestand.

 Nach fast einstündiger Wanderung durch das felsige „Tiefe Tal" gen Schwabthal brachte der Bus die dankbar-zufriedene Wanderschar zur Abendeinkehr nach Trieb und danach zurück in die Heimat.                                                        AuMa