Aus „Das Farnkraut“ „Sonderheft“ 1964
 

Die Fürther restaurieren ihren Burgberg
 

Am Fürther Berg im Osten des „Coburger Gebirges" tut sich was. Das Bergplateau mit dem Trümmerfeld der Ruine, die vor vier Jahren aus sehr umstrittenen „Sicherheitsgründen" gesprengt wurde, soll wieder zu einem anlockenden Ausflugs- und Wanderziel werden. Zu diesem Zweck wollen die 400 Einwohner der Zonengrenz-Gemeinde Fürth a. B. die Steinwüste in ein 35 x 18 Meter großes (und damit dem ursprünglichen Umfang der vermutlich dreistöckigen Burg entsprechendes) mauerumfriedetes Oval verwandeln, die Hochfläche mit Rastplatz und Naturbühne ausstatten, schattenspendende Bäume und Sträucher anpflanzen, einen Spielplatz anlegen, auf dem sich Kinder verkehrsfern und damit gefahrlos die Zeit vertreiben können sowie schließlich einen Aussichtsturm als Blickpunkt hinter den Eisernen Vorhang errichten. Den Initiatoren des Vorhabens geht es darum, durch die Wiederherstellung dieser kulturhistorischen Stätte das Andenken an die einst als Wehr- und Schutzanlage an der „Viurt" erbaute Burg wachzuhalten und künftigen Generationen zu überliefern.

Dieser Zielsetzung hat der heimatverbundene Ingenieur Richard Gerlicher nicht nur das Studium geschichtlicher Unterlagen gewidmet, sondern auch sein Bemühen um eine Rekonstruktion der einstigen Burganlage an der „Hohe Straße" genannten ehemaligen Handelsstraße von Nürnberg — Bamberg über den Rennsteig nach Saalfeld — Leipzig. Dem Rekonstruktionsergebnis zufolge glich die „Viurtenburg" — später „Schloß Furthenberg" genannt — mehr einem geschützten Schloß als einer wehrhaften Burg. Ihr Alter läßt sich nur vermuten auf Grund der Tatsache, daß der Ort Fürth am Berg bereits anno 1071 als „mehrere Jahrhunderte alt" nachweisbar ist. Dafür, daß es sich um eine Zoll-Schutzburg gehandelt hat, sprechen u. a. die Berichte über heftige Streitigkeiten, die um sie wegen der hier reichlich von den durchziehenden Kaufmannskarawanen zu entrichtenden Zölle entbrannten.

Einer Urkunde aus dem Jahre 1528 zufolge haben die Bauernkriege der Burganlage erstmals schwer zugesetzt. Sie erwies sich jedoch ebenso wie später im Dreißigjährigen Krieg als uneinnehmbar. An Bedeutung verlor sie allerdings im 17. Jahrhundert, als drei Talstraßen vorangetrieben und u. a. eine direkte Straße von Coburg über Neustadt nach Sonneberg angelegt wurde. Im napoleonischen Zeitalter kamen „Ort und Schloß Fürthenberg" in den Besitz der bayerischen Krone, der Schloß und Schloßberg auch verblieben, nachdem der Ort durch Vertrag vom 21. August 1811 dem Hause Sachsen-Coburg zugeeignet war.

Gerlichers Rekonstruktions-Studien zufolge war die Furthenburg früher so etwas wie eine Kombination zwischen Burg und Schloß. Die geschützte südwestliche Sonnenseite war das mit Herrschaftsräumen reichlich ausgestattete Schloß, während die sonnenlose Nordseite, deren meterdicke Mauern sich bis zuletzt erhalten hatten, Burgcharakter trug und in Krisenzeiten nicht selten Burgherren und Edlen aus der Umgebung als Zuflucht diente. Heute noch erhaltene Kellergewölbe lassen vermuten, daß sich im Turmgrund ein gefängnisartiges Verließ befand, dessen Tiefe das elf Meter unterhalb des Burgplateaus verlaufene Grabenniveau nur ahnen läßt.

Ein Wiederaufbau der rekonstruierten Fürther Burg ist natürlich Zukunftsmusik. Hierzu fehlen der Gemeinde ganz einfach die materiellen und finanziellen Mittel. Umso intensiver ist sie bemüht, die einstige Burg als Erinnerungsplatz wieder anziehend zu machen und eine Anlage zu schaffen, die ein erholsames Ausflugsziel mit lohnenden Ausblicken nach allen Himmelsrichtungen und vor allem hinüber zum Thüringer Land zu bieten vermag. Schon haben sich rund 50 Ortsfamilien zur freiwilligen Arbeitsleistung bereitgefunden. Die übrige Dorfgemeinschaft wird es an tatkräftiger Mithilfe nicht fehlen lassen, nachdem die Gemeindeverwaltung das Ruinengelände bereits in langfristige Pacht genommen und sich das Vorkaufsrecht auf den historischen Platz gesichert hat. Schon ist man am Werk, das durch aufgeschossenes Unterholz und Dornengestrüpp unwegsam gewordene Gelände mehr und mehr freizulegen. In den Sommermonaten sollen die Arbeiten forciert werden.

Nachtrag: lt. Walter Schneier: „Das Coburger Land“  bestand Lehnsherrschaft der Bamberger Fürstbischöfe. Erst durch Vertrag von 1811, wie auch oben erwähnt, an das Herzogtum Coburg. Damals wurden zwischen dem Königreich Bayern und dem Herzogtum Coburg grenzbereinigende Gebietsaustausche vorgenommen. Inwieweit die Ziele des Jahres 1964 realisiert wurden, ist mir nicht bekannt.In der Zwischenzeit wurde die damals noch selbständige Gemeinde bekanntlich an die Große Kreisstadt Neustadt bei Coburg angegliedert.
-hdb-
 

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