Giechburg 50er Jahre

Giechburg bei Scheßlitz, Landkreis Bamberg in den 50er Jahren.

 

Aus „Das Farnkraut“ Nr. 4/1965

Schon der Gründer Emil Rädlein schränkte sich keineswegs in seinen Unternehmen auf das Coburger Land ein. Wie aus seinen Wanderbeschreibungen ersichtlich, zog es ihn mächtig nach dem Staffelberg und Vierzehnheiligen.

Nicht anders seine Nachfolger. Bereits 1949 unternahmen sie zur Sonnenwende eine 2Tageswanderung in das Bamberger Land, auf die Giechburg. Schon damals bestanden offensichtlich enge Beziehungen auch zu Dr. Kober, der in Zapfendorf eine neue Heimat gefunden hatte. Zapfendorf war denn auch Ausgangspunkt.
Der Kommentator selbst ist in Bamberg aufgewachsen, natürlich war und ist die Giechburg für die Bamberger eines der beliebtesten Wander- und Ausflugsziele. Die Giechburg ist weithin sichtbar, von den Hügeln der Stadt Bamberg, darüber hinaus auch von  östlichen Steigerwaldhöhen.
 

Geisterspuk in der 1000jährigen Giechburg

 

Die diesjährige Sonnenwendwanderung, der er wegen einer Verletzung fernbleiben mußte, hat unseren Ehrenwegemeister Karl Köhler angeregt, in seinem Tagebuch zurückzublättern bis zu jenem Mitt-Juni-Sonntag anno 1949, an dem nach zehnjähriger kriegsbedingter Unterbrechung endlich wieder an die Tradition der Sonnenwendwanderungen angeknüpft werden konnte.

Zusammen mit dem unvergessenen Georg Geißel führte Köhler Karl diese Wochenend-Unternehmung, zu der sich um den damals stets (warum eigentlich heute nicht mehr?) mitziehenden Vereinswimpel 26 Wanderfreunde geschart hatten; unter ihnen Dr. Julius K o b e r , dem zuliebe in dem kaum von seinen Kriegswunden genesenen Zapfendorf - seiner neuen Heimat - das „Frischauf“-Start-Signal gegeben wurde. Durch die üppigen Wiesengründe rund um das Kirchdörflein Lauf ging es zur Sassendorfer Höhe, von der aus ein prächtiger Rundblick das Tagesziel - die Burgruine Giech - bereits erkennen ließ. Einem stillen Waldspaziergang durch das Grümbacher Holz und einem Rundgang durch die winkligen Gäßchen des schmucken Städtchens Scheßlitz mit seinen altehrwürdigen Fachwerkbauten folgte der sommerlich-strapaziöse Aufstieg zum 532 Meter hohen Bergkegel.
Nach der wohlverdienten Abend-Atzung im Burghof widmeten sich die Sonnenwendwanderer beim Gang um die Schlossruine der Geschichte der rund 1000jährigen Giechburg. Als Giecheborg finden wir sie beim Ungarnzug 933 erstmals erwähnt. 200 Jahre später ist mit Reginboto der erste Graf von Giech als Burgherr ausgewiesen, dessen einzige Tochter Cunizza anno 1137 dem Grafen Poppo von Blassenberg, Andechs und Meran die stolze Besitzung auf ehelich-ehrlichem Wege zubrachte. Das ersparte ihr die Scheidung nach nur zweijährigem Liebesglück ebensowenig wie dem Poppo-Grafen den Verlust der gewichtigen Mitgift - sehr zur Freude des Bistums Bamberg, dem die untröstliche Cunizza all ihr Hab und Gut vermachte. In der Mitte des 12. Jahrhunderts traten die Grafen von Andechs als Burgherren in Erscheinung. Für sie hatte Berthold III. die Giechburg vom Bischof Eberhard erworben. Nachdem
Graf Otto II. von Andechs 1234 auf Burg Niesten bei Weismain durch Mordanschlag tragisch geendet hatte, erbte seine Schwester Margaretha, die Gräfin von Truhendingen, Giech samt der nahen Felsenkapelle St. Gügel. Im Laufe des 14. Jahrhunderts mussten die in Armut geratenen Truhendinger ihre Besitzungen an Bamberg verpfänden und schließlich verkaufen. Bischof Anton erschien das Besitztum, das die Hussiten 1430 gebrandschatzt hatten, trotzdem noch so wertvoll, dass er die Burg 1435 wieder aufbaute. Neun Jahrzehnte hielt sie allen Stürmen stand, bis der Bauernkrieg 1525 ihr Schicksal besiegelte und die Brandenburger 1552 das, was an ihr noch brauchbar war, plünderten.

So wie wir Burg Giech heute kennen, wurde sie 1600 von Bischof Johann Philipp (von Gebsattel, Anm. d. Webm.) restauriert und seit 1805 zunächst vom Staate Bayern, anschließend von den Thurnauer Reichsgrafen von Giech, die 1819 „ihren" Besitz vom Staat zurückkauften, und seit 1932 bis auf den heutigen Tag durch den jetzigen bürgerlichen Burgherrn, den Bamberger Postbeamten Schmaus, als geschichtsträchtige Stammburg eines fränkischen Uradelsgeschlechtes erhalten und als kulturhistorische Sehenswürdigkeit inmitten reizvoller Landschaft gepflegt.
Die Burggeschichte gab den Coburger Gästen beim abendlichen Erker-Colloquium, zu dem Dr. Kober Vorträge aus seinem heimatverbundenen Schaffen beisteuerte, reichlich Gesprächsstoff. Erst ein historiengetreuer „Geisterspuk" vermochte die nächtliche Unterhaltung zu beenden.
Nach dem „Morgenappell", bei dem der damalige 1. Vorsitzende Carl Escher den Vereinswimpel um ein Erinnerungsband bereicherte, und nach einem andächtigen Besuch am heiligen Grab von St. Gügel galt es anderntags, einen letzten Rundblick über das Juraland zu genießen und dann nach Punzendorf hinabzusteigen, um vorbei am Forsthaus Stammberg und durch den Hauptsmoorwald Bamberg als Endziel anzustreben.

Anm.:
Erwähnung lt. Dehio estmals 1125, 1130 an das Haus Andechs-Meranien, 1390 erstmals beim Hochstift Bamberg, Zerstörungen 1430 (?) , 1525 (Bauernkrieg) und 1553 (Markgrafenkrieg). Wiederaufbau als Landsitz der Fürstbischöfe.

Die Bezeichnung „St. Gügel“ ist nicht ganz richtig. Vielmehr handelt es sich um die Wallfahrtskirche St. Pankratius auf dem Gügel. Lt. Dehio hier ursprünglich eine Burg (naheliegend anhand der Topographie), dann Kirchenbau übrigens durch den auch in Coburg bekannten Baumeister Giovanni Bonalino).

Ich weiß nicht genau, wie es 1949 auf der Giechburg ausgesehen hat. In den 50er Jahren jedenfalls gab es dort keine Gastronomie. Offenbar aber eine einfache Übernachtungsmöglichkeit. Dagegen war bei der benachbarten Wallfahrtskirche „St. Pankratius“ auf dem Gügel schon längere Zeit eine Gaststätte.

Die Giechburg wurde 1971 vom Landkreis Bamberg erworben und zunächst baulich in ihrem Bestand gesichert. Auch die heute bekannte Gastwirtschaft wurde szt. Eingerichtet.
 

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