Aus “Das Farnkraut” Nr. 3/1996, Text H.D. Bürger

Grundstein auf dem Bleß
 


Zum 6. Male bereits wurde heuer ( d. h. 1996) das Bleßbergfest des Thüringerwald-Vereins Saargrund gefeiert. Dieser 4. August 1996 aber hatte eine besonders herausragende Bedeutung. Trotz vielfältiger Probleme, Hindernisse und verbreiteter Skepsis war es so weit: feierlich, im Beisein von vielen hundert Wander- und Heimatfreunden und hochrangiger politischer Prominenz wurde der Grundstein für den Neubau eines Aussichtsturms auf dem Bleßberg gelegt. Außerdem wurde ein Gipfelkreuz, das einzige im Bereich des Thüringer Waldes, kirchlich geweiht.
Für einen Mann aber war dieser Tag eine vorläufige Krönung eines Lebenswerkes. Ludwig Wächter hatte erreicht, was viele sicher nicht für möglich gehalten hatten. Die Idee des Neubaus eines Bleßberg-Turmes wird Wirklichkeit! Wie mehrfach in den Medien und auch im „Farnkraut" berichtet, gab es schon einmal einen solchen Aussichtsturm. Ein Aussichtsturm an dieser Stelle ist sinnvoll, weil der Bleß ringsum bewaldet ist und nur an wenigen Stellen die freie Sicht ermöglicht. Der frühere Turm wurde während der Glanzzeit des Thüringerwald-Vereins vor 1914 errichtet. Während der DDR-Zeit aber wurde er von damaligen Regime demontiert.

Es war dies ein sinnloser Zerstörungsakt. Bekanntermaßen war der Gipfel des Bleß während der DDR-Ära ohnehin militärisch besetzt; der Zugang zum Turm stand unter der Kontrolle der Machthaber. Zum Bleßbergfest und zur Grundsteinlegung war auch Wolfgang Süße, 1. Vorsitzender des Thüringerwald-Vereins mit Frau gekommen. Er hatte hierfür eigens einen Kuraufenthalt unterbrochen. Außerdem aus Coburg war der Chronist mit Frau gekommen. Als einer der wenigen an diesem Tage hatten wir den Steilaufstieg ab Saargrund gewählt. Die meisten Besucher waren wohl per Buspendeldienst gekommen, man sah aber auch Wanderer aus Richtung Stelzen und über den „Grenzweg". An einigen Stellen (z.B. „Thüringer Blick") kann der Wanderer erahnen, welches Panorama sich von einem Turm auf dem Gipfel bieten könnte. Ansonsten erfreuten die Wanderer das zahlreiche Vorkommen des Roten Fingerhut, die heuer recht häufigen Schmetterlinge und erste Waldpilze. Auf dem Gipfelplateau herrschte reges Leben und Treiben.
Das Wetter war bereits spätsommerlich, freundlich, aber nicht sehr warm. Gerade schickte man sich zum Feldgottesdienst vor dem neuen Gipfelkreuz an. Die Andacht von Pfarrer Thomas Freyberg, Sachsenbrunn, wurde musikalisch gestaltet vom Posaunenchor und vom Männergesangverein Sachsenbrunn. In seiner Predigt hob der Pfarrer die spirituelle Bedeutung hervor, die ein Bergesgipfel im Christentum wie in vielen anderen Religionen hat.

Unmittelbar danach wandten sich alle der umzäunten Baustelle zu.
Es war schon reichlich Beton eingearbeitet worden. An einer Tribüne hatten sich die Ehrengäste eingefunden, an ihrer Spitze Christine Lieberknecht, Staatsminsterin und Präsidentin des Landesverbands Thüringen der Gebirgs- und Wandervereine. In seinem Grußwort erläuterte Ludwig Wächter nochmals die Problematik dieses Bauvorhabens.
Christine Lieberknecht bezeichnete in ihrer Ansprache diesen Bau als „Geschenk der Einheit". Sie nahm anschließend die offizielle Grundsteinlegung vor. Eine Reihe von Dokumenten wurde in eine Kupferröhre eingeschlossen und anschließend sorgfältig und fachgerecht von Meister Friedrich Roßteutscher verlötet. Die Lötarbeiten wurden zeitlich noch etwas gestreckt, weil sich das Aufnahmeteam des „mdr" erst im letzten Augenblick eingefunden hatte. Diese Röhre wurde dann einbetoniert in den Fundamenten des neu zu errichtenden Turmes. Währenddessen floß im Festzelt bereits das Bier in Strömen und Bratwurstduft ver-
breitete sich über den Platz. Wer dem offiziellen Teil bis zum Ende beigewohnt hatte, bekam im Festzelt zur musikalischen Unterhaltung mit den „Puppenstädtern" Probleme, einen freien Platz zu bekommen. Voll besetzt war auch die feste Unterkunft des Thüringerwald-Vereins Saargrund. Die Kinder bevölkerten derweil voll Begeisterung die Hüpfburg.
Nur wenige Hundert Meter entfernt in den dichten Wäldern auf dem Bleßberg herrschte dagegen tiefe Stille. Es wurde daher noch eine angenehme Rückwanderung. Wir alle sehen nun der Vollendung des Bauwerks voller Erwartung entgegen.

BAUSTEIN-SPENDENAKTION
Nach wie vor sind Spenden gefragt: Gemeinde Sachsenbrunn Raiffeisenbank Hildburghausen
Konto Nr. 0913 979 (BLZ 84064738) Verwendungszweck: „Turmbau Bleß"
Bei Spenden von 1.000 DM bei Privatpersonen und 1.500 DM bei Firmen wird der Name des Spenders auf einem symbolischen Ziegelstein in einer besonderen Wand im Turm „verewigt".

Bauherr ist die Stadt Eisfeld.
Finanzierung: Umwelt- und Wirtschaftsministerium Türingen, Landratsämter Sonneberg und Hildburghausen, Trägergemeinschaft Bleßberg - Städte Eisfeld und Schalkau, Gemeinden Sachsenbrunn, Auergrund/Crock, Bachfeld, Effelder-Rauenstein, Siegmundsburg, Bockstadt/ Herbartswind, Verein Naturpark Türinger Wald.

Betreiber wird der Thüringerwald-Verein Saargrund sein. Voller Erwartung sehen wir nun der Bauvollendung entgegen.
-hdb-
 

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