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In der “np” vom 30. Dezember 211, Rubrik “Landkreis Coburg” wurde das Thema “Grünes Band” wieder einmal behandelt. Im Schatten der innerdeutschen Grenze hatte sich ein Naturschutzgebiet ganz spezieller Art entwickeln können, wenn dies auch ganz sicher nicht die Absicht derjenigen war, welche für die Grenzanlagen verantwortlich waren. Nach Fall der Grenze gab es sofort Bestrebungen, dieses Naturerbe zu erhalten, es kam zum Begriff  “Grünes Band”. Konflikte blieben naturgemäss nicht aus, viel an Überzeugungsarbeit war zu leisten. Aber inzwischen ist dies als Staatsaufgabe wahrgenommen worden, staatliche Stellen sind tätig geworden. In einem demokratisch verfassten Staatswesen geht aber uns alle dieses an.

Der erwähnte “np”-Artikel beruht wohl auch auf einer Pressemitteilung des Zweckverbandes “Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal” vom 15. Dezember 2011, das im Folgenden wiedergegeben werden soll. Offensichtlich handelt es sich noch um einen grossen Umfang an naturschutzfachlicher Fein- und Kleinarbeit, die Bestandsaufnahme.

 

Zweckverband Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal, c/o Landratsamt Coburg, Lautererstr. 60, 96450 Coburg,

RESSEMITTEILUNG

Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal":

Erste Zwischenergebnisse der zoologischen und botanischen Bestandserfassungen sowie der sozio-ökonomischen Analyse

Seit Frühjahr 2011 haben die beauftragten Planer und Biologen der Firma IVL aus Hemhofen sehr detailliert die naturschutzfachliche Ausstattung des 316 km2 großen Projektgebietes für den Pflege-und Entwicklungsplan erfasst und bewertet. Die Biotopausstattung, die Vorkommen gefährdeter Arten und deren Lebensräume wurden vor Ort aufgenommen und in ein geografisches Informationssystem übertragen. Außerdem wurden vom Partnerbüro abraxas Tourismus- und Regionalberatung aus Weimar die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen der verschiedenen Nutzer- und Interessengruppen erhoben und ausgewertet.

Am 13. und 15.12.2011 wurden nun von den Büros IVL und abraxas die ersten Zwischenergebnisse anläßlich der Sitzungen der Naturschutzgroßprojekt-Arbeitskreise „Offenland / Gewässer" und „Wald / Jagd" vorgestellt. Den beiden Arbeitskreisen gehören Vertreter der Verbände und Behörden der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, der Jagd und der Fischerei aus der Region an. Unter Anleitung der externen Moderation sollen in diesen Arbeitskreisen bis Sommer 2012 gemeinsam Ziele und Maßnahmen für die 2. Phase des Naturschutzgroßprojektes erarbeitet werden.

Im gesamten Projektgebiet fand eine flächendeckende Nutzungskartierung statt. Im 108 km2 großen Kerngebiet wurde zusätzlich eine flächendeckende Biotopkartierung sowohl im Wald als auch im Offenland durchgeführt. Außerdem wurden 37 sogenannte Leit- und Zielarten aus 10 verschiedenen Artengruppen erfasst, die für die Ableitung der naturschutzfachlichen Ziele und Maßnahmen wichtig sind.

Bei der Offenlandkartierung konnten 60 bzw. 89 verschiedene Biotoptypen in Bayern bzw. Thüringen festgestellt werden. Mit 772 ha Biotopflächen weist Thüringen mehr biotopkartierte Flächen im Offenland als Bayern (471 ha) auf. Im Thüringer Teil des Projektgebietes wurden ca. 508 ha Flächen kartiert, die als FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Lebensraumtypen anzusprechen sind. Dazu zählen z.B. die mageren Flachland-Mähwiesen, Kalkmagerrasen, trockene Heiden sowie Fließgewässer mit flutender Wasservegetation. Auf bayerischer Seite waren außerdem noch nährstoffreiche und saure Stillgewässer sowie Übergangsmoore besonders erwähnenswerte FFH-Lebensraumtypen.

Bei der Waldbiotopkartierung, die noch nicht ganz abgeschlossen ist, weist dagegen der bayerische Projektteil die naturschutzfachlich wertvolleren Wälder auf. 1.458 ha wertvolle FFH-Waldlebensraumtypen wurden in Bayern, dagegen bisher nur 349 ha FFH-Waldlebensraumtypen in Thüringen erfasst. Der häufigste FFH-Lebensraumtyp ist der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald und der Waldmeister-Buchenwald. In geringerem Umfang kommen außerdem noch Weichholzauwälder mit Erlen, Esche und Weiden vor.

Erfreulich sind zwei gesicherte Nachweise der Wildkatze in den naturnahen Waldgebieten zwischen Bad Rodach und den Langen Bergen. Neben den schon bekannten Vorkommen des Frauenschuhs konnte erstmals auch das für naturnahe Laubwälder typische Grüne Besenmoos in einem Wald bei Bad Rodach entdeckt werden, das bisher nur vom Straufhain bekannt war. Überraschend war auch das häufige Auftreten des für Streuobstwiesen typischen Wendehalses und des Mittelspechts, der in den Laubwäldern des Projektgebietes weit verbreitet ist. Die alten Laubwälder beherbergen nicht nur seltene Fledermausarten wie Bechstein- und Mopsfledermaus. Sie sind auch von überregionaler Bedeutung für 73 Holzkäferarten der deutschen Roten Liste. Bei der Erfassung der Holzkäfer gelangen sogar zwei Neufunde für Bayern bzw. Thüringen!

In den Feucht- und Nasswiesen im westlichen Projektgebiet konnten typische Wiesenbrüter wie Braunkehlchen und die in Deutschland „vom Aussterben bedrohte" Bekassine gefunden werden. Weitere charakteristische Arten der Feucht- und Nasswiesen sind Trollblume, Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling und Sumpfschrecke. Die Vorkommen der beiden letzeren Arten sind von überregionaler bis landesweiter Bedeutung. Die trockene Kalkmagerrasen weisen gute Bestände seltener Heuschrecken- und Schmetterlingsarten (z.B. Rotflügelige Schnarrschrecke, Thymian-Ameisenbläuling, Esparsetten-Widderchen) auf. Hier kommt auch die Heidelerche vor, die außerdem auch in den Zwergstrauchheiden des Grünen Bandes gefunden wurde. Nur noch wenige Funde gelangen von seltenen Fließgewässerarten wie Bachmuschel und der Libellenart Grüne Keiljungfer. Etwas häufiger wurde dagegen das Bachneunauge nachgewiesen. Regional bedeutsam sind Funde des Kammmolchs an 11 Gewässern.

Bei der sozio-ökonomischen Analyse wurden 40 Landwirtschaftsbetriebe, darunter 3 Schäfereien, sowie 4 Forstbetriebe, darunter 2 Waldkorporationen, untersucht. Schwerpunkte der Analyse waren Fragen zur Betriebsstruktur, Flächennutzung, Eigentums-/ Pachtverhältnisse, Erwerbszweige, Absatz, Vermarktung der Produkte, Arbeitsplatz- und Einkommenssituation, Verpflichtungen Naturschutz, Interesse an Vertragsnaturschutzprogramm und Landschaftspflege sowie die Position zum Naturschutzgroßprojekt.

Die befragten landwirtschaftlichen Betriebe in Thüringen sind mit ca. 2.500 ha Betriebsfläche rund 22mal größer als die Betriebe in Bayern. Die Grünlandnutzung ist mit 40 % in Thüringen verbreiteter als in Bayern (23 %). Während in Thüringen nur knapp 10% der Betriebsflächen im Kerngebiet liegen, sind es in Bayern im Mittel 30 % der Betriebsflächen der ausgewählten Betriebe. Fast alle befragten landwirtschaftlichen Betriebe nutzen derzeit die bestehenden Programme KULAP und Vertragsnaturschutzprogramm. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe und die Schäfereibetriebe stehen dem Naturschutzgroßprojekt deutlich offener und optimistischer gegenüber als die konventionellen Betriebe. Chancen werden beispielsweise im Ausbau der Landschaftspflege, in der Pflege von nicht landwirtschaftlichen Nutzflächen im Grünen Band und im Ausbau der Bewirtschaftungsflächen für die Schafbeweidung sowie im Tourismus gesehen. Während bei den befragten Thüringer Betrieben kein Interesse am Flächenverkauf besteht, äußerten 31% der bayerischen Betriebe Interesse am Flächenverkauf. Die Bereitschaft zum Flächentausch ist sowohl in Thüringen als auch in Bayern mit 31% bzw. 67% deutlich höher. Die landwirtschaftlichen Betriebe wünschen unter anderem keinen Verlust von Ackerland und keine Extensivierungsmaßnahmen auf wertvollen Futterflächen.

Die befragten Forstbetriebe nehmen z.T. am Vertragsnaturschutzprogramm teil (Erhalt von Biotopbäumen, Schaffung lichter Strukturen/ Mittelwaldbewirtschaftung) und an Maßnahmen zum Waldumbau. Zwei von vier Betrieben haben ihr Interesse am Flächenverkauf und drei Betriebe am Flächentausch erklärt.

 

Auf der bereits erwähnten Fundstelle in der “np” vom 30. Dez. 2011 findet sich zudem ein Interview dem Projektmanager. Hier geht es vor allem darum, auf die Situtation der betroffenen Grundbesitzer und mögliche Bedenken einzugehen.

 

Abschließen einige eigene Gedanken. Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen und heute (Mit)eigentümer einiger landw. Flächen, in einer der fränkisch-typischen ewigen Erbengemeinschaften. Vieles von dem, was heute als Schutzmaßnahme propagiert wird, war in der Kindheit der 50er Jahre Realität, ganz normale Wirtschaftsweise. Wiesen beispielsweise wurden zwei Mal im Jahr abgeerntet, auch bei kleinen und kleinsten Flächen ein Großeinsatz der gesamten Verwandtschaft, denn alles musste noch von Hand gemacht werden, das Heu mit Kuh-Gespann heimgebracht. Vielleicht wurde ab und zu vorher einiges an Futter mit der Sense geschnitten und auf dem Fahrrad-Anhänger heimgefahren. Die Wiesen aber sahen noch etwas anders aus als heutzutag.

H.D.Bürger

 

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