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Geschichte des bergischen Landes P. Jos. Heinrichs, Köln 1890, Reprint Wuppertal 1984
Das Büchlein kann wissenschaftlichen Anforderungen nicht genügen, vor allem, weil auf Quellenangaben gänzlich verzichtet wird. Es ist aber selbst ein Zeitdokument für die Epoche nach 1871. Zumindest in den „gebildeten Ständen“ war das Interesse an der Vergangenheit erwacht. Es war dies die Epoche, in welcher überall längst verlassene und verfallene Burgen und Schlösser wieder errichtet worden sind, so auch Schloss Burg an der Wupper. Dies war Folge romantisierender Vorstellungen vom Mittelalter und dem ritterlichen Leben auf Burgen und Schlössern. Unter der preußischen Oberhoheit entwickelte sich das bergische Land zu einem der wirtschaftlich führenden im deutschen Reich. Es gab genügend reich gewordene Fabrikanten und Kaufleute, die für den Wiederaufbau des Stammschlosses spendeten. Auch auf der Veste Coburg wurden um diese Zeit umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt, Bauherr war Herzog Carl Eduard. Erst um diese Zeit, teils auch noch nach 1918 erhielt die Veste die Gestalt, welche wir heute kennen. Der letzte regierende Herzog hatte nichts Geringeres im Sinne, seinen Wohnsitz auf die Veste (zurück) zu verlegen. Wohl am interessantesten in dem Büchlein ist der Anhang. Beim Wiederaufbau von Schloss Burg wurde u.a. ein „Ahnensaal“ eingerichtet, wohl ein unverzichtbarer Bestandteil derartiger Gebäude. Der Düsseldorfer Maler Adolf Schill dekorierte den Ahnensaal mit einem gemalten Stammbaum, der von Adam und Eva anfängt und bei Kaiser Wilhelm II. endet. Zu den hier zu sehenden Personendarstellungen und Wappen verfasste Heinrichs Erläuterungen.
Natürlich widmet Heinrichs auch zum Erbfolgestreit ein Kapital. Auffällig aus coburger Sicht: die von Herzog Johann Casimir erhobenen Ansprüche werden überhaupt nicht erwähnt. Dafür „das Haus Sachsen, vertreten durch den Kurfürsten Christian II“. Dieser Christian II (1583 – 1611) aber ist Albertiner, regierte in Dresden von 1591 – 1611, wenn auch zunächst unter Vormund- bzw. Regentschaft. Christian II wird allgemein als nicht gerade sehr befähigter Regent geschildert, der überwiegend unter Einfluss von Beratern etc. regiert hat. Im Übrigen werden von Heinrichs als Erbanwärter benannt: · Johann Sigismund, Kurfürst von Brandenburg · Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf von Neuenburg u. Herzog „in“ Bayern Diese beiden haben sich im Ergebnis letztlich durchgesetzt · Johann, Pfalzgraf von Zweibrücken · Carl, Markgraf von Burgau · der Herzog von Nevers · der Herzog von Bouillon Erst an siebenter Stelle steht, wie oben erwähnt, „das Haus Sachsen“. Relativ ausführlich schildert Heinrichs die nun folgenden Ereignisse: Bevollmächtigte aus Brandenburg und aus Pfalz-Neuburg versuchten, Fakten zu schaffen durch förmliche Inbesitznahme. In einem Vergleich v. 31.05.1609 einigten sich beide Parteien – im wesentlichen Ergebnis – auf gemeinschaftliche Verwaltung bis zur Entscheidung eines Schiedsgerichts. Faktisch waren hier bereits die übrigen Erbanwärter ausgeschlossen. Diese Parteien wurden künftig auch „die possidierenden“ genannt, d. h. die gemeinsam Besitz ausübenden. Im übrigen ist die Darstellung Heinrichs doch recht lückenhaft. Die Haltung des kaiserlichen (habsburgischen) Hofes wird nur am Rande erwähnt, gar nicht die Besetzung von Jülich durch Erzherzog Leopold und die Rückeroberung durch die „Possidierenden“ im Aug. 1610. Die wichtige „Zusammenkunft in Xanten“ mit Vertrag wird durch Heinrichs nicht datiert, es war der 12. Nov. 1614. Im wesentlichen wurde bereits hier die Teilung beschlossen (Ollmann-Kösling). Genauer geht Heinrichs erst wieder auf den Vertrag von Düsseldorf vom 10. Mai 1624 ein, wo die Teilung nochmals bestätigt wurde: Cleve und Mark gingen an Brandenburg (später Preußen), Jülich und Berg an Pfalz-Neuenburg, also die Wittelsbacher. Ravensberg sollte gemeinschaftlich verwaltet werden. Die übrigen Prätendenten wurden mit Stillschweigen übergangen, also auch die Wettiner. Heinrichs behandelt im Folgenden die weitere Geschichte des bergischen Landes unter den Wittelsbachern bis zu Maximilian Joseph, dem ersten König von Bayern. Dieser trat seine niederrheinischen Besitzungen an Napoleon ab. Er erhielt dafür u. a. große Gebiete in Franken, zunächst die Reichsstädte und die Fürstbistümer sowie zahlreiche bisher reichsunmittelbare Herrschaften, später auch die Hohenzollern-Fürstentümer Ansbach und Bayreuth. Der letzte wittelsbachische Statthalter, Herzog Wilhelm in Bayern (1752-1837) zog von Düsseldorf in die Bamberger Residenz um, später nach „Schloss“ Banz.
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