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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3/1964
Nie vergaßen die Thüringerwald-Vereinler ihren Ursprung jenseits der Grenze, auch und gerade während der Zeit der Teilung nicht. Nur ein Beispiel unter vielen war sei dieser Wanderbericht aus dem Jahre 1964. Gerade die Heldburg ist von verschiedenen Stellen im Coburger Land sehr gut zu sehen; während der Teilung aber so gut wie unerreichbar, weil eben im “Sperrgebiet” belegen.
Der Heldburg greifbar nahe
Der „Rodacher Winkel“ birgt selbst für Ortskundige noch manch unentdeckte — vor allem floristische — Reize. Das hat sich den 35 Wanderern offenbart, die am ersten Julisonntag bei idealem Panorama- und Laufwetter August Dötschs Spuren rund um Georgenberg und Jägersruh folgten. Mit einem heimatkundlich erläuterten Rundblick von der Höhe über der Hirschmühle bis Coburg, zu den Langen Bergen und über die thüringischen Nachbarorte hinaus zu Gleichbergen und Straufhain begann der erlebnisreiche Tag. Dann ging es kreuz und quer durch den Dürrberg und über eine gelbleuchtende Färberginsterwiese, deren tückische Wespennester drei Opfer forderten, zum ersten der sieben im Programm stehenden Teiche. Die Frührast am verschlammten Schafteich brachte Aufschluss darüber, dass die Wollspender hier einst zwecks Säuberung und Lockerung des Felles durch das seichte Gewässer getrieben wurden, um dabei geschoren zu werden. Vorbei am unteren Schafteich, den forellenhungrige Russen kurz nach Kriegsende mit kühnem Durchstich trockengelegt haben, sowie am Saarbachsteich, dessen Existenz nur noch Schilfgrasbestände nachweisen, ging es weiter zu dem vom unvergessenen Rodacher Bürgermeister Dr. Rudolf Brückner errichteten Waldpavillon mit seinem einzigartigen Heldburg-Blick. Grenzer führten dann über einen Waldpfad entlang der Demarkationslinie zum Holzhausener Schlagbaum am Fuße der greifbar nahen Heldburg. Die Stille um den kaum fünfhundert Meter entfernten Ort, dessen Umland nur zur werktäglichen Feldbestellung unter Vopo-Bewachung betreten werden darf, ließ die Tragik des Schicksals unserer gespaltenen Heimat beklemmend fühlbar werden. Die Waldwanderung wurde nach Osten fortgesetzt zur Bratwursteiche, die ihr Torsodasein trotz des ihr gewährten Naturschutzes aus Sicherheitsgründen bald wird aufgeben müssen, und zur versteckten Tippachquelle, von der aus der Grabenweg direkt zur Mittagseinkehr im kinderfestfrohen Gauerstadt führte. Bei der Nachmittagswanderung zurück in den Forst weckten Spanierteich und Spanierkopf Erinnerungen an den Dreißigjährigen Krieg, ehe querwaldein vorbei am vertümpelnden Ratsteich, am froschreichen Pöppelteich und am Stöcken-brunnen, der den Stöckenteich (das Rodacher Waldbad) speist, der Georgenberg von Südosten her erstiegen wurde. Nach wohlverdienter Kaffeepause genossen hier wie zuvor bereits am Schweden-Kopf unsere Wanderer eine selten klare Sicht zur Alexandrinenhütte und auf den Thüringerwald bis zu Kapellen-, Adlers-, Simmers- und Bleßberg. Dem beschwingten Abstieg nach Rodach schloss sich ein Schützenfest-Blitzbesuch an.
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