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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1969; Artikel unsigniert, vermutlich Verfasser Werner Ungelenk
Laudatio auf einen Naturtempel
Zum 60. Jahrestag der Einweihung des Herzogsbrunnens an der „Hohen Schwenge“
Bänke erneuern, Stufen befestigen, Einzäunung ausbessern, Abfluss in Ordnung bringen, Gelände laubfrei machen — so etwa lautet das Arbeitspensum, das sich Max Schwämmlein am Herzogsbrunnen gestellt hat. Bereits 1968 hat er das beliebte Wanderziel hinter der Lauterburg, das er seit Jahren betreut, um eine Ruhebank bereichert. Heuer will er die Gesamtanlage „jubiläumsreif“ machen. Zu Pfingsten nämlich hat der Herzogsbrunnen 60. Geburtstag. Deshalb auch wird er im Juni Ziel einer Sternwanderung des Thüringerwald-Vereins sein, der diesen idealen Waldrastplatz an der Hohen Schwenge am Pfingstfest 1909 seiner Bestimmung übergeben und in Obhut genommen hat.
Seitdem obliegt unserem Thüringerwald-Verein die Ehrenpflicht, diese „Erholungsanlage für den nach Natur schmachtenden Städter" zu erhalten, die seinerzeit auf Veranlassung der Forstverwaltung (unter dem damaligen Taimbacher Oberförster Flohrschütz) geschaffen wurde von den Coburger Heimatfreunden Stadtbaurat Max Böhme, Bildhauer Otto Poertzel und Eisengießerei-Besitzer Langenstein. Ihnen ist es zu verdanken, daß jener Ort für das Allgemeinwohl erschlossen wurde, „aus dem freudig und froh die Herzogsquelle kraftvoll zutage tritt". Also heißt es im Bericht von der Einweihungsfeier, in dem unser Vereinsgründer Emil Rädlein feststellt: „Einst mußte diese Quelle die Bewohner und das Vieh der Lauterburg mit ihrem klaren Wasser tränken. Seit Jahrzehnten diente ihr frisches Wasser der Vogel- und Tierwelt des herrlichen Buchenwaldes, dem Holzhauer bei der Arbeit, dem durstigen Jäger und dem Wanderer zur Labe." Ausführlich schildert Rädlein den Verlauf der Feier, an der viele hundert Gäste teilgenommen haben. Sie wurde von einem Doppel-Quartett des Thüringerwald-Vereins Rodach mit dem Lied „Das ist der Tag des Herrn" eingeleitet. In seiner Festansprache widmete Emil Rädlein der gesegneten Landschaft folgende Laudatio: „Als ich vor einigen Tagen an einem Maiabend zum ersten Male hier diesen Platz betrat, stand ich still, wie festgebannt von dem tiefen Eindruck, den dieser Raum auf mich ausübte. Ich glaubte mich versetzt in einen Naturtempel, in welchem der Quellennymphe ein Altar errichtet ist, von dessen Stufen leise die Wasser herabrieseln. Als ich meine Augen erhob, kamen mir unwillkürlich Scheffels Verse in den Sinn, in denen er den Erholungsplatz der Mönche von Banz schildert: Seht die Halle, wie stolz sie sich hebt, stolz zu der Bläue des Himmels aufstrebt. Riesige Buchen, mit Tannen gepaart, stehen als Säulen der edelsten Art, und als ein Kuppeldach, luftig und weit, wölbt sich der Wipfel laubgrünendes Kleid. Heil Dir, o Platz, der Erholung geweiht, buchenumfriedete Einsamkeit. Ja, dieser Platz ist ein rechter Platz der Erholung. Wem wäre sie nicht nötig? Wer sehnte sich nicht nach Ruhe? Aber wo ein Plätzchen finden? Auf diese Frage antwortet der Dichter mit dem Spruch, der die Tafel unserer Quelle ziert: Was du gesucht, als deines Hauses Schwelle du überschritten, hier ist es dir beschieden: Die reine Luft, ein Trunk aus kühler Quelle — und tiefe Ruh im stillen Waldesfrieden. In Erz gegossen sollen die Dichterworte auch späteren Geschlechtern Zeugnis geben von dem Zweck dieses Platzes und davon, daß ein kunstsinniger, naturliebender Fürst im Verein mit gleichdenkenden, opferfreudigen Menschen ein Werk geschaffen hat, das der Allgemeinheit zugutekommt und in dem sich Natur und Kunst paart. Zur dauernden Erinnerung und im dankbaren Gedenken an Seine Königliche Hoheit Herzog Carl Eduard soll dieser Brunnen den Namen „Herzogsbrunnen" führen". Daß der Thüringerwald-Verein diese Gedankengänge seines Vereinsgründers als verpflichtend heute noch beherzigt und im Interesse der Allgemeinheit keine Mühen und Opfer scheut, auch den Herzogsbrunnen als Walderholungsstätte zu erhalten, muß anlässlich der bevorstehenden Sternwanderung und Gedenkfeier mit Freude und Dankbarkeit bestätigt werden.
Nachtrag: Für mich war es doch etwas überraschend, welchen Anteil der Thüringerwald-Verein Coburg an diesem bekannten und beliebten Denkmal hatte. Natürlich sind die Worte Emil Rädleins vom damals typischen Pathos gekennzeichnet. Von Poertzel sind auch die Bronzefiguren am Alexandrinenbad, an der Gestaltung war Max Böhme ebenfalls beteiligt; siehe den internen link
Ernst- Alexandrinen-Volkbad
Alexandrinenbrunnen
Jugendstil
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