Zu Titel-Schlagzeilen-Ehren in der Lokalpresse hat es der Thüringerwald-Verein Coburg lange nicht mehr gebracht. Am Donnerstag, 10. Sept. 2009 war es so weit, wobei sich auf S. 1 noch verhältnismässig harmlos liest: “Alexandrinenhütte braucht eine neue Abwasserreinigung”. Auf Seite 7 Klartext, in großer Aufmachung: “Kanalanschluss bedroht Existenz”. Auf diese Art von Publicity hätten wir eigentlich gerne verzichtet.

Zur Vorgeschichte:

An einem Samstagmorgen im April 2005 trafen sich an die 20 Aktive vom Thüringerwald-Verein auf der Hütte zum Arbeitseinsatz. Nach dem Neubau der Wasser- Strom- und Telefonversorgung im Vorjahr galt es nun, die Abwasserentsorgung neu zu schaffen. Seit Menschengedenken waren die Abwässer durch Pumpwägen abgeholt worden, das ging nun nicht mehr. Aber den gesetzlichen Vorschriften entsprach auch das System mit Dreikammergrube und anschliessendem Rieselfeld. Besonders beim Bau des Rieselfeldes waren viele fleissige Hände gefordert, denn mehrere Lastwagenladeungen an Filterkies mussten per Schubkarren in die Grube gebracht werden.

Es waren standen halt damals noch genügend Arbeitskräfte zur Verfügung, der Verfasser dieser Zeilen war dabei.

Wandern ist “in” wie fast nie zuvor, in den hiesigen Tageszeitungen war erst neulich ein mehrseitiger Farbprospekt mit Wander- und “Outdoor”-Artikeln beigelegt, also handelt es sich um ein Massengeschäft. Nur: im Verein wollen nur wenige mitwandern. Müssen sie auch nicht, nur sollten mehr Interessierte begreifen, dass auch sie auf die freiwillige Arbeit der Wandervereine angewiesen sind. Die markierten Wege würden ohne sie verfallen, und wegfallen würde leider möglicherweise die Alexandrinenhütte. Unser neuestes Problem ist im folgenden Artikel aus “NEUE PRESSE” v. 10.09.2009 wiedergegeben:

 

Kanalanschluss bedroht Existenz

Verein: Kein Geld für Leitungsbau

Coburg/Meeder –

Die Alexandrinenhütte auf der Sennigshöhe muss bis 2015 an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sein oder die Abwässer müssen dann biologisch nachgereinigt werden. Eine Abwasserleitung bis ins etwa 900 Meter entfernte Mirsdorf würde geschätzte 30 000 bis 40 000 Euro kosten. Wesentlich kostengünstiger sind ein Klärteich oder die abschließende Abwasserreinigung in einem Pflanzenbeet. Baukosten und Wartung könnten den Thüringerwald-Verein, der die Alexandrinenhütte bewirtschaftet, finanziell überfordern. „Im schlimmsten Fall müssten wir die Hütte eben schließen", sagt Vorsitzender Wolfgang Süße.

Seit rund 15 Jahren werden die Abwässer aus Küche und den Toiletten des Wanderheimes auf der Senningshöhe in einer Drei-Kammer-Klärgrube entsorgt. Das Restwasser versickert etwa 50 Meter hinter der Hütte in drei unterirdischen Rieselrohren im Wald.

Seit 2002 fordert der Gesetzgeber, dass Einzelkläranlagen und damit auch Klärgruben eine biologische Nachreinigung ab dem Jahr 2015 haben müssen. Diese kann durch technische Anlagen geschehen, was

aber wegen der ausschließlichen Sommer-Öffnungszeiten der Alexandrinenhütte einen unverhältnismäßig hohen Aufwand bedeuten würde. Ein Klärteich oder Pflanzenbeet wären zwei weitere Alternativen, die etwa 40 Quadratmeter Fläche haben müssten. Beide jedoch bedürfen der Pflege und Wartung, was bei der Mitgliederentwicklung und Alterstruktur des Thüringerwald-Vereins Coburg auf lange Sicht problematisch werden könnte. Weiter braucht ein Klärteich auch eine ständige Wasserversorgung, die auf dem höchsten Punkt des Landkreises Coburg nur aus der Wasserleitung gesichert werden könnte. Denn der Brunnen an der Hütte ist seit dem Bau der A 73, wenige hundert Meter entfernt, trocken gefallen.

Das Optimum wäre der Anschluss der Alexandrinenhütte an das öffentliche Kanalnetz. Zurzeit wird der rund 900 Meter von der Alexandrinenhütte entfernte Meederer Gemeindeteil Mirsdorf an die Kläranlage angeschlossen. Eine Rohrleitung dorthin käme auf geschätzte Kosten von 30 000 bis 40000 Euro - Geld, das der Verein nicht hat. Da die Hütte, sie wurde 1954 vom Landkreis Coburg dem Thüringerwald-Verein geschenkt, auf dem Gemeindegebiet von Meeder liegt, müsste diese nach Ansicht des Vereins die Kosten übernehmen oder sich zumindest daran beteiligen.

Aber im Rathaus von Meeder steht man dem mehr als skeptisch gegenüber. Vor wenigen Tagen gab es bereits zwischen Landrat Michel Busch und der Führung des Thüringerwald-Vereins ein erstes Gespräch. Weitere Verhandlungen zwischen Landrat, Gemeinde und dem Verein sollen folgen. „Wir streiten uns gar nicht", stellte Vorsitzender Wolfgang Süße am Mittwoch beim Ortstermin mit dem Wasserwirtschaftsund dem Landratsamt auf der Sennigshöhe fest. „Aber wir haben das Geld einfach nicht. Im schlimmsten Fall müssten wir den Laden dichtmachen." Alle Beteiligten wollen das beliebte Ausflugsziel erhalten. . cw

Auszug „NEUE PRESSE“ v. 10. 09. 2009

 

Bauarbeiten April 1985

grube161n
grube162n
rieselfeld

Hier können wir in etwa die Dimensionen der Sickergrube ausmachen, die etliche LKW-Ladungen an Filterkies aufgenommen hat. Es wurde professionell vorgegangen. Dafür verbürgte sich der verantwortliche Bauleiter, der leider früh verstorbene Wfr. Bauing. Helmut Gunsenheimer, der ebenso selbst mit Hand anlegte wie 1. Vors. Wolfgang Süße.

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