Alle Kommentare geben ausschliesslich die Meinung und Einschätzung des Verfassers wieder, nicht eine Stellungnahme des Thüringerwald-Vereins Coburg.

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In der Woche ab dem 22. November wurde die Frage „Stadtmuseum“ verstärkt kontrovers diskutiert. Ein lebhaftes Echo löste der Leserbrief von Herrn Dr. B. aus, der vorgeschlagen hatte, anstelle des Stadtmuseums lieber seniorengerechte Wohnungen in dem betreffenden Grundstück einzurichten. Die Eignung hierfür wurde in Frage gestellt, insbesondere auf angeblich fehlende Einkaufsmöglichkeiten hingewiesen. Auch wenn ich selbst das Stadtmuseum für eine gute Sache halte, kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass es sehr wohl möglich ist, in der Coburger Innenstadt Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen, insbesondere wenn man das ambulante Angebot der Märkte einbezieht. Und was „in zehn Jahren“ ist, weiß sowieso niemand. Ob es dann nur noch Großmetzgereien mit Vekaufsstätten am Standrand gibt, ist wohl reine Spekulation.

Auch hinsichtlich einer Rentabilität in betriebswirtschaftlicher Betrachtung wäre ich nicht ganz so optimistisch. Es mag ja sein, dass die Gästeführer für einen neuen oder zusätzlichen Anlaufpunkt dankbar wären, aber zusätzliche Gäste würde eine solche Einrichtung eher nicht bringen.

Keine Frage: die Stadt Coburg ist Standort bedeutender Museen und Sammlungen. Grundlage war und ist die Sammler-Tätigkeit der einstigen Landesfürsten. Aber auch die Bürger, die Kaufleute, Handwerker und Gewerbetreibenden, die Arbeiter und Bediensteten haben ihre eigene Geschichte. Immerhin ist das Alltagsleben der Landbevölkerung gut in Ahorn dokumentiert.

 

Nachfolgend Zitat aus der „np“ vom 23.11.2010

Investition in die Bildung

Initiative macht sich für den Bau eines Stadtmuseums stark. Zum geplanten Technologiepark soll keine Gegenposition aufgebaut werden.

 

tmrg - „Ein Technologiezentrum wäre ein starker Motor für die Entwicklung der Wissenschaft und der Wirtschaft im Allgemeinen, ein Stadtmuseum ein Magnet für die Innenstadt im Besonderen. Beides hat gleiche Berechtigung." Das erklären R. A., W. B., G. E., Dr. H. H., W. K. und J. S. vom Vorstand der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. zur aktuellen Debatte. Es sei deshalb keine billige Forderung, dass der Stadtrat in dieser Frage ausgewogen, unter differenzierter Berücksichtigung aller Interessen und in ehrlicher Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen entscheidet.

 

In einer Presseerklärung macht der Vorstand deutlich: „Mit dem jüngst vorgebrachten Argument, es handle sich bei dem Bau des Stadtmuseums und dem am Güterbahnhof vorgesehenen „Band für Wissenschaft und Technologie" um eine Frage des Entweder-Oder, hat die nunmehr seit neunzehn Jahren andauernde Debatte um die Einrichtung eines Museums eine neue Wende erhalten. Über die Fairness und Angemessenheit einer solchen Argumentationsführung lässt sich deshalb streiten, weil sie einen Gegensatz konstruiert zwischen einem angeblich technologie- und wissenschaftsfreudigen Fortschrittsgeist und einem engen, vielleicht sogar rückständigen Bildungsbegriff, der - wie es in einem der jüngsten Kommentare in der Tagespresse lautet - nur ein „sehr spezielles Feld der Bildungsarbeit" einbezieht. Der Versuch, zwischen größeren Bau- und Investitionsvorhaben der Stadt Gegenpositionen aufzubauen, ist auch aus dem Grund wenig zielführend, weil solche Projekte von ihrer Art und ihrer Bestimmung dazu viel zu verschieden sind und weil einseitige Schwerpunktsetzungen sich immer zum Schaden der Stadt als Ganzem auswirken müssen. Ganz besonders in Zeiten ungünstiger Steuerprognosen müsste es das Anliegen einer verantwortungsbewussten Stadtpolitik sein, die zur Verfügung stehenden Mittel so einzusetzen, dass nicht nur einzelnen Bereichen, sondern dem Wohl und Gedeihen der Stadt insgesamt gedient ist.

 

Betrachtet man beide Vorhaben in diesem Sinne und in diesem Licht, wird man zu folgenden Schlussfolgerungen kommen müssen. Ein Technologiepark wird vor allem die Attraktivität der Stadt als Innovations-und Wirtschaftsstandort stärken, auf der anderen Seite handelt es sich dabei aber um eine erst langfristig wirksame Angelegenheit. Denn es ist ja noch nicht einmal geklärt, welche Summen für die Sanierung des Geländes anfallen, die Planungen haben noch nicht ansatzweise begonnen, und mit Sicherheit wird das Projekt nur in einzelnen Schritten zu verwirklichen sein - ein Weg, der vielleicht auch den Vorteil einer Finanzierung in wohldosierten, haushaltsverträglichen Quanten mit sich bringt.

 

Anders das Stadtmuseum. Der technisch- wirtschaftliche Aspekt soll zwar auch hier nicht unter den Tisch fallen, im Wesentlichen geht es aber um ein nicht minder wichtiges Ziel, nämlich die Vermittlung von Kultur- und Bildungswissen. Die städtischen Sammlungen und das künftige Museum sind das unverzichtbare Gedächtnis der Stadt, und um zu erklären, wie es um Menschen bestellt ist, die kein Erinnerungsvermögen besitzen, braucht es keiner langen Worte: persönliche und politische Orientierungslosigkeit, die Anfälligkeit für rechte Parolen, das Abdriften in Konsum und Medienabhängigkeit, Dialogunfähigkeit, der Mangel an Vorbildern, das Fehlen einer demokratischen Erinnerungskultur, das sind nur einige der Erscheinungen, die daraus resultieren. Wie wir wissen, sind es vermehrt Jugendliche, die davon betroffen sind, junge Leute, welchen auch die Familie und die Schule nicht genügend Rückhalt zu gewähren scheinen. Ein Stadtmuseum gehört - und dessen ist sich die Initiative wohl bewusst - nicht zu den Pflichtaufgaben der Stadt. Aber sind Investitionen in diesem Bereich der Bildungsarbeit nicht ebenso unabdingbar wie die in Zukunftstechnologien? Menschen zu helfen, in der Geschichte Vorbilder, Anregungen, Möglichkeiten der Identifikation, aber auch Anstöße für kritische Fragen finden, um damit besser mit sich selbst und mit ihrer Umwelt zurecht kommen, liegt darin etwa kein Nutzeffekt? Und auszahlen würde sich ein Museum auch ganz konkret in barer Münze: Die Gästeführer suchen dringend nach einem geeigneten Anlaufpunkt für Touristen, eine moderne Konzeption, interessante Wechselausstellungen in Kombination mit schul- und jugendspezifischen Programmen würden mit Bestimmtheit viele neue Besucher nach Coburg bringen und zu einer allgemeinen Belebung der Innenstadt beitragen. Weiterhin könnte der Museumsbau sofort verwirklicht werden, die Planungen liegen fertig vor. Und das alles bei einem Preis, der bei sachgerechter Rechnungsführung das Stadtsäckel nicht in unverantwortlicher Weise belastet: Der Ausbau des Stadtarchivs und die Grundsanierung des Gebäudes Steingasse 7 stehen - unabhängig von einer Entscheidung für oder gegen das Museum - ohnehin auf der Tagesordnung, die zusätzlichen Kosten für den Museumsausbau würden bei etwa 900000 Euro liegen."

Redaktioneller Hinweis: ich vermeide weitgehend Namensnennungen, weil ich den im Netz tätigen Namensammelmaschinen nicht zuarbeiten möchte.

Hans Detlef Bürger

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