Nach dem erfolgreichen Wandertag 1963 sowie der Wimpelwanderung ein Jahr später sah sich der Thüringerwald-Verein in vieler Hinsicht auf einem Höhepunkt - Mitgliederzuwachs, öffentliche Wahrnehmung. Bemerkenswert ist der für einen Traditionsverein hohe Bestand bei der Jugend von 60 Mitgliedern. Er war szt. auch Mitglied im Kreisjugendring und hatte Zugang zu zusätzlichen Angeboten, die ein einzelner Verein so nicht bieten kann (Ski-Freizeiten, Gitarrenkursw usw.).

 

Weiter bergauf mit bewährter Mannschaft

 


Vereinsvorstand hat fleißig gearbeitet / Einmütiger Vertrauensbeweis

Die Jahreshauptversammlung des Thüringerwald-Vereins hat die Berechtigung der Zuversicht bestätigt, mit der Franz Geßlein vor Jahresfrist sein Amt als 1. Vorsitzender auf Ernst Eckerlein übertragen hat: Dass es mit dem Verein und seiner in breitester Öffentlichkeit dankbar anerkannten Arbeit zum Wohle der Wandersache, zum Schutze der Natur und zur Pflege unserer geliebten Heimat weiterhin bergauf gehen werde. Die Mitglieder haben diese erfreuliche Tatsache honoriert durch einmütige Entlastung des Vorstandes und uneingeschränktes Vertrauen zu der unverändert im Amt bleibenden Mannschaft.
Aus den Rechenschaftsberichten, die die einzelnen Vorstandsmitglieder in dem von Ernst Eckerlein gegebenen Rahmen prägnant kurz erstatteten, ergibt sich als Extrakt:
Nunmehr weit über 700 Mitglieder
Von 660 auf 729 — darunter 60 Jugendliche — hat sich die Zahl der Mitglieder 1965 um reichlich zehn Prozent erhöht. Der Thüringerwald-Verein zählt damit zu den stärksten Ortsvereinen im Verbandsbereich.
In Dankbarkeit widmete die Hauptversammlung eine Gedenkminute den vier Vereins- und heimattreuen Mitgliedern, die 1965 zu ihrer letzten Wanderung aufgebrochen sind: Wilhelm Rexhäuser, Ernst Lorenz, Klara Schleicher, August Schnetter.

Keine Kilometerfresser
Primäraufgabe des Vereins war auch im Regen-Rekordjahr 1965 die Pflege des Wanderns sowie die Erschließung und Betreuung von Wanderwegen. Insgesamt wurden vom Hauptverein außer der verbandsoffenen Ferienwanderung 44 Wanderungen durchgeführt, darunter l Acht- und 2 Zweitageswanderungen, sowie je eine Nacht-, Morgen-, Stern- und Bildersuchwanderung. 1459 Wanderer — durchschnittlich 33 bei jeder Wanderung wie im Vorjahr — haben dabei 1255 km (22 km im Durchschnitt) zu Fuß zurückgelegt. Eckerlein: „Das beweist, dass wir Thüringerwald-Vereinler keine Kilometerfresser sind."

Wanderführer haben sich bewährt

Alle Wanderungen zeichneten sich durch sorgfältige Planungs- und Vorbereitungsarbeit der Wanderführer ebenso aus wie durch ihre sichere und interessant-lehrreiche Wegweisung. Es führten: Ernst Eckerlein (10 Wanderungen). Franz Reinhardt, Klaus Ehrlicher (je 5), August Dötsch, Max Schwämmlein, Arno Völk, Franz Geßlein (je 3), Walter Renner, Dr. Fritz Schumann, Werner Ungelenk (je 2), Carl Escher, Ernst Köhler, Heinrich Sorge, Karl Arnold, Erich Bauer (je 1). Außerdem standen verschiedene Wanderführer bei der Ferienwanderung, am vereinsoffenen „Wandertag für jedermann" und bei einer Naturschutz-Exkursion im „Sondereinsatz".
Nicht vorenthalten sei unseren Lesern die humorige Charakterisierung einiger Wanderführer, die Wanderwart Klaus Ehrlicher mit folgendem Verslein in den Jahresbericht einblendete:
 

Wollt  Ihr gut geführet sein,
wendet Euch an Eckerlein;
soll's schneller und auch weiter sein,
schaltet Ehrlicher Ihr ein;
gemütlich geht's den Berg hinan,
schreitet Reinhardts Franz voran;
wer rund um Rodach sich will quälen,
muß August Dötsch zum „Führer" wählen;
für zwei-drei Tage Frankenwald
nimmt den Franz Geßlein man sich halt;
und soll'n es gute Klöße sein,
dann schaltet man Max Schwämmlein ein.

 

Reges Leben beim Kleinen Wanderkreis
Reges Wanderleben entfaltete auch der Kleine Wanderkreis. Bei 9 Tages-, 56 Halbtages- und l Mondscheinwanderung legten 703 Teilnehmer insgesamt 678 km zurück. Außerdem unternahmen Mitglieder des Kleinen Wanderkreises eine acht-
tägige Ferienwanderfahrt über 150 km durch das Allgäu sowie eine Wanderung zur Alexandrinen-hütte, um dort in freiwilligem Arbeitseinsatz mit Pinsel und Farbe wieder einmal Bänke und Tische aufzufrischen. Wie immer hat August Marr die Wanderungen durch heimatkundliche Beiträge bereichert.

Geselligkeitspflege großgeschrieben
 

Die Geselligkeitspflege im Verein beschränkte sich nicht auf die 11 Waldabende, bei denen insgesamt 1100 Besuchern hochwertige Lichtbilder-vorträge aus Heimat- und Naturkunde sowie über Wandererlebnisse geboten wurden. Im Rahmen der Ferienwanderwoche gab es eine öffentliche Sonderveranstaltung mit 600 Besuchern im großen Hofbräu-Saal, die Dr. Julius Kobers Vortrag über das „Unvergessene Thüringen" zu einem starken Erlebnis machte. Vergnügungswart Franz Reinhardt und seine Ausschuss Mitarbeiter sorgten außerdem für eindrucksvolles Gelingen des Faschings-Waldabends, der erstmals mit einer Sternwanderung verbundenen Stiftungsfeier in Ebersdorf sowie der Adventsfeier und des Jul-abends.
 

Vielseitige Tätigkeit des Naturschutzwartes
Wertvolle Arbeit leistete Franz Reinhardt auch als Naturschutzwart, als der er seit fünf Jahren zugleich in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Naturschutzinspektor des Landkreises Coburg tätig ist. Sie beschränkte sich nicht darauf, bei Wanderungen auf besondere Naturdenkmale, auf Schönheiten und Unschönheiten in der Landschaft und auf die Schutzwürdigkeit besonderer Gebiete sowie der Tiere und Pflanzen hinzuweisen. Im Zusammenwirken mit den Bürgermeistern, den Ortsbeauftragten für Naturschutz, sowie den Forstbediensteten und den Jägern leistete Reinhardt Woche für Woche fleißige Kontakt- und Gutachterarbeit zur Förderung des Naturschutzgedankens und der Anliegen des Landschaftsschutzes. Sammel- und Sicherungsaufgaben für die Grundlagenforschung im Coburger Raum gehörten ebenso zu seinen Obliegenheiten wie die Beobachtung von Erdarbeiten zwecks möglicher geologischer Wahrnehmungen. Seine Studienbesuche in Schutzgebieten und Naturparken des In- und Auslandes kommen dieser verantwortungsvollen Arbeit zugute, bei der er der Mithilfe aller Vereinsfreunde bedarf, zumal wenn er sich dem Anliegen von Landschaftsschutzgebieten im heimischen Raum zuwenden wird.
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09 Arbeitsstunden für die Wanderwege
Ein hartes Arbeitsjahr war 1965 für den neuen Wegemeister Otto Treuter und seine eifrigen Helfer. 90 Prozent der vom Verein erschlossenen und angelegten Wanderwege (ihre Arbeitsstrecke beträgt 312 km) wurden überholt. Die Zahl der hierbei in Farbe und Abziehbildern aufgefrischten oder neu angebrachten Wegzeichen geht in  die Hunderte. Außerdem wurden 83 Hinweisschilder,   die   Ehrenwegemeister   Karl   Köhler in l 166 freiwilligen Arbeitsstunden  angefertigt hat, l angebracht, wobei 19 Pfähle gesetzt werden müssten. Neu angelegt wurde der Rundwanderweg 6 am Muppberg.  Sämtliche Rundwanderwege er-1 halten   nunmehr   Orientierungstafeln.   In  einem l Sondereinsatz erfolgte die Wiederherstellung der', mutwillig zerstörten Eichbrunnen-Anlage, an der} im neuen Jahr weitergearbeitet wird.  Auch zu ihr führt jetzt von Neukirchen her ein markierter Weg. Insgesamt wurden 509 Arbeitsstunden un-1 entgeltlich geleistet, wobei sich Siegfried Vetter mit seinem Pkw allein für 18 Arbeitstage zur Verfügung gestellt hat. Mit dem Wegemeister und   seinen   Markierungshelfern   dienen   die 12 Paten, die unsere Wanderwege betreuen, nicht nur dem Verein, sondern der Allgemeinheit, die unsere Wanderwege dankbar und — das ist für uns sehr wertvoll — anregend kritisch annimmt.
 

Max Schwämmlein sorgt für Bänke
Dem im Bericht Treuters als Wanderführer, Hüttendienstler und Wegepaten wegen seines Idealismus besonders hervorgehobenen Wanderfreund Max Schwämmlein widmete Vor-', sitzender Eckerlein ein besonderes Wort des Dankes auch dafür, dass er sich um die Erstellung von Ruhebänken zusätzlich verdient macht. So ist ihm die Aufstellung der Dr.-Julius-Kober-Bank im Bausenberg sowie der Carl-Escher-Bank auf der Sennigshöhe zu verdanken.
 

Hüttendienst im Geiste Carl Eschers
Nach Hilmar Mandlers Hüttenbericht (mit wieder schuldenfreier Bilanz) braucht der Verein „keine Werbetrommel für die Sennigshöhe zu rühren", denn „die Oase der Ruhe dort oben und die Hüttensuppe sind unsere besten Werbemittel". Wir ergänzen: Der Fleiß des Hüttendienstes ist es nicht minder. 3lmal waren die 45 Mitglieder der Hüttengemeinde mit ihren 11 Gruppen (darunter auch die Jugend) im Einsatz zur Betreuung der Gäste, deren Zahl 1965 auf annähernd 4000 zu schätzen ist. Allein 800 weist das Hüttengästebuch aus. Auch an dieser Stelle sei der Dank festgehalten, den der Hüttenwart dem Landratsamt dafür aussprach, dass es die Zufahrtswege zur Hütte für den Kfz-Verkehr gesperrt hat. Sogar die Gegner dieser Maßnahme haben inzwischen den Wert der Sennigshöhe als wirkliche Oase der Ruhe schätzen gelernt, die vor allem unserem Ehrenvorsitzenden Carl Esch er zu verdanken ist, denn die Alexandrinenhütte ist sein Werk.
 

Blockhüttenerweiterung im Frühjahr
Der ergänzenden Mitteilung Eckerleins zufolge wird die geplante Erweiterung des Blockhauses bei der Alexandrinenhütte im Frühjahr erfolgen können
, nachdem die Baugenehmigung endlich vorliegt. Den Kostenaufwand von voraussichtlich 2000 DM rechtfertigt die Notwendigkeit, die Blockhütte „nicht zum Geräteschuppen zu   degradieren",   sondern   als   Aufenthaltsraum zu erhalten.
 

Sparsame Kassenführung
Dass der Vorstand diese Aufgabe „mit gutem Gewissen" anpacken kann, bestätigte der Kassenbericht der Schatzmeisterin, der sie als gewissenhafte und sparsame, trotz beachtlicher Leistungen des Vereins mit einem erfreulichen Kassenbestand abschließende Wirtschafterin auswies. Cläre Leipold wurde das von Otto Hollandt als Kassenprüfer (zugleich im Namen seines „Kollegen" Karl Eger) ebenso bescheinigt wie durch den 1. Vorsitzenden, der nach Bekanntgabe des Haushalts-Voranschlags für 1966 besonders anerkannte, mit welcher Sorgfalt sich Cläre Leipold nach schwerer Krankheit und bei starker beruflicher Inanspruchnahme der ihr zunächst ungewohnten Arbeit angenommen hat. Zu ihrer Entlastung soll die Zahl der Unterkassierer, denen für ihre Mühen ebenfalls zu danken ist, erweitert werden, um dem Mitgliederzuwachs gerecht werden zu können.
 

Lob für Coburger Tageszeitungen
Emil Türks Nachweis einer — wie seither stets — vorbildlichen Inventarordnung folgte abschließend der Arbeitsbericht des Pressewartes, dessen Tätigkeit sich in der Vereinszeitschrift regelmäßig ausweist. Werner Ungelenk nahm die Gelegenheit wahr, das lebhafte Interesse und weitgehende Verständnis dankbar anzuerkennen, das beide Coburger Tageszeitungen dem Wandern, der Heimatpflege sowie dem Natur- und Landschaftsschutz im allgemeinen, der Arbeit des Thüringerwald-Vereins im Besonderen durch ständige redaktionelle Hinweise und Berichterstattungen entgegenbringen. Die Treue der Inserenten, die an der beständigen Aufwärtsentwicklung der Vereinszeitschrift wesentlichen Anteil haben, wurde nicht minder dankbar gewürdigt.

Anmerkung: das hat sich leider geändert. Seit langem bringen die Tageszeitungen keine Berichte über unsere laufenden Veranstaltungen während des Jahres mehr, allenfalls noch vom der Hauptversammlung, vom Stiftungsfest und vom Julabend.
 

Neuer Vorstand bestens bewährt
Im Rückblick auf das Gesamtbild, das die Arbeitsberichte vermittelten, brachte Paul Fischer als Sprecher der Vereinsfamilie Dank und Anerkennung mit der Feststellung zum Ausdruck, dass die im Vorjahr unter seiner Leitung vollzogene Vorstandswahl sich als richtig und gut erwiesen habe. Wenn Ernst Eckerlein diesen Dank auch bescheiden an seine Mitarbeiter weitergab, so darf doch auch einmal gesagt werden, dass die von ihm getragene Generalverantwortung und Hauptarbeitslast umso schwerer wiegt, als er durch seinen Beruf und weitere Ehrendienste für die Allgemeinheit bereits weidlich ausgelastet ist. Mag sein Hinweis auf den „künftigen Steuermann nach den Neuwahlen des nächsten Jahres" auch ein begreiflicher Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sein, so leicht kann ihm der Auftrag, in dem er sich vorzüglich bewährt hat, nicht abgenommen werden. Sein Bekenntnis zu der Trinius-Huldigung an das Wandern als diejenige unter den von Gott gegebenen Freuden, die uns mit wirklichem Erlebnisreichtum beglückt, spricht zudem für seine unlösbare Verbundenheit mit dem Auftrag des Thüringerwald-Vereins.

Guter Geist in der Wanderjugend

Die Deutsche Wanderjugend im Thüringerwald-Verein — mit nunmehr 23 Mädeln und 37 Jungen im Alter von 8 bis 18 Jahren ebenso wie der Hauptverein um rund 10 Prozent angewachsen — zeichnet sich durch guten Geist und bei aller Lebensfreude tadellose Disziplin aus. „Tante Mile" Reichardts Jahresrückblick hat das mit voller Berechtigung festgestellt, der Tätigkeitsbericht des Hüttenwarts eindeutig bestätigt. Hat sich doch die Jugend bei ihren vier selbständigen Hüttendiensten im Jahre 1965 hervorragend bewährt und durch ihr Verhalten, ihre Wanderbegeisterung und ihre Heimatliebe außerdem würdig erwiesen, ihr das Wanderheim für einen erlebnisfrohen Hüttenurlaub mit Zeltlager während der großen Ferien anzuvertrauen. In Tante Mile und Cläre Leipold hat unsere Wanderjugend allerdings auch Betreuer, um die uns manch anderer Verein beneiden kann.
Trotz ihrer Schul- und Berufsausbildungspflichten haben sich die „Sperber" freudig an mehreren Unternehmungen des Hauptvereins beteiligt und außerdem für sich allein 13 Tageswanderungen unternommen. Alle 14 Tage mindestens widmeten sie sich in ihren Heimabenden dem Volkstanz, dem Basteln und Singen sowie dem Laienspiel. So schufen sie die Voraussetzungen zu den wertvollen Beiträgen, die sie — teilweise mit den „Spatzen" gemeinsam — zu ihrer Sonnwendfeier, zu Stiftungsfest und Julabend des Hauptvereins sowie zu Veranstaltungen anderer Vereinigungen geleistet haben. Einige „Sperber" nahmen an einem Skilehrgang im Allgäu, an einem Kompaßlehrgang auf dem Seehaus im Fichtelgebirge und an einem Bastellehrgang in Hof teil. Als „Lehrmeister" im Wintersport, als Wanderführer-Aspiranten und als Praktiker in der Emailleschmelzerei stehen sie mit ihren „Erfahrungen" bei der übrigen Wanderjugend nunmehr umso höher im Kurs. Mit Freuden zu profitieren hoffen sie auch von einem Gitarrelehrgang des Kreisjugendringes. Sie bedauern jedoch, dass der KJR-Vorsitzende Günter Palte Coburg verlässt, zumal er deshalb den Jugendleiterlehrgang nicht zu Ende führen kann, von dem die beteiligten „Sperber" hell begeistert sind.

Die „Spatzen" haben ihr Wanderjahr wieder mit der Ausgestaltung ihrer Feierstunde zum „Tag des Baumes" begonnen. Bei 15 eigenen Tageswanderungen (durchschnittlich 21 km und zwölf Teilnehmer) sowie bei den Stern- und Bildersuchwanderungen des Hauptvereins haben sie sich als vielversprechende Wanderer erwiesen. Ihre 40 Heimabende waren außer mit Licht-bildervorträgen ausgefüllt mit Bastelfreuden, dem sehr beliebten, weil außerordentlich lehrreichen Heimatquiz, zahlreichen Spielen und gegen Jahresende natürlich mit den Proben zum Weihnachtsmärchen.

 

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