Julabend 1997
 


Die Wanderfamilie blickte wieder voller Erwartung dem Julabend entgegen. Gerüchteweise verlautete, es werde diesmal wieder an einem Auftritt der Laienspielgruppe gearbeitet, und diesmal sei auch Alt- und Ehrenvorsitzender Franz Geßlein mit dabei.

Der „Bausenberg"-Saal füllte sich nur zögernd. Wie weit sind wir von jenen Zeiten weg, als um freie Plätze gerangelt wurde? Als manche schon zwei Stunden zuvor Einlaß begehrten.

Am gebotenen Programm kann es nicht gelegen haben. Verantwortlich hierfür zeichnete wiederum Kulturwartin Annemarie Kaschny, Laienspielleiter Wilhelm Bauer und nicht zuletzt 1. Vorsitzender Wolfgang Süße, der Überraschungsgäste engagiert hatte.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte Willy Oberender.
Eingangs erklärte Wolfgang Süße die Bedeutung des Julfestes als das Lichterfest zur Wintersonnenwende.

Dann gehörte die Bühne den Kindern. Es war ja genau der Nikolaustag, und das Spiel der Kleinen rankte um den gerade bei ihnen so beliebten (und manchmal auch gefürchteten?) Heiligen.

Es gibt da eine alte Überlieferung um St. Nikolaus, Bischof von Myra in Kleinasien. Er hat demnach die Besatzung eines Getreideschiffes durch Traumgesichte veranlaßt, ihre Ladung nach der Hafenstadt Myra zu bringen, um die dortige Hungersnot zu lindern. Dieser Stoff wurde in dem Spiel verarbeitet.

Ihre Rollen mit dem doch recht langen Text spielten mit viel Eifer und Begeisterung Franziska, Martin und Dorothee Ganderath und Ina, Lara und Lars Dose.

Anschließend hatte der Heilige höchstselbst Gelegenheit, sich bei den kleinen Darstellern für die Würdigung zu bedanken. Wie immer, holte er für alle Kinder ein Geschenk aus dem großen Sack. Eine besondere Freude für den Nikolaus und alle anderen war das schöne Lied „Drunt‘ in der grünen Au....", das Dorothee und Martin Ganderath bravourös vortrugen.

Voller Spannung blickten nun die Wanderer den Ehrungen und der Wanderpreisverteilung entgegen. Wie immer wurde die „Siegerliste" durch Wfr. Wilhelm Bauer von hinten nach vorne vorgetragen, wodurch natürlich die Spannung stieg.

Das Ergebnis:
Jugend:   Ina,   Lara  und  Lars  Dose
punktgleich auf Platz 1

1. und Wanderkönigin 1997: Hildegard Döbrich
2. Franz Geßlein, 3. Hilmar Lesch, 4. Gisela Büttner, 5. Gerhard Schwämmlein und Waltraud Wenk, 6. Hertha Hillmert, Elfriede   Bätz   und   Renate   Haenel, 7. Anne-Marie Kaschny, Günter und Waltraut Peter,   8. Ingrid Schwämmlein, 9. Alfred Kreile,  Edwin Lösch, Reiner Probst und Kurt Reißenweber, 10. Rosel Habermann und Lotte Oehrl.


Zwei oder mehrere Personen auf dem gleichen Platz bedeutet, daß diese die gleiche Punktzahl erreicht hatten.

Der Höhepunkt der Ehrungen galt diesmal Wfr. Hans Biehl. Volle sechs Jahrzehnte, 60 Jahre also, hatte er unserem Verein die Treue gehalten; ein wahrhaft seltenes Ereignis, das es besonders zu würdigen galt. Der Jubilar nimmt noch lebhaft an dem Vereinsleben teil.

Eine Attraktion an dem Julabend ist immer die Tombola. Viele fleißige Helfer waren am Werk, um die Lose an den Mann bzw. die Frau zu bringen und, vor allem, die Gewinne auszuhändigen.

Unterdessen stieg die Spannung vor und hinter dem Vorhang, denn heuer gab nach einer Pause wieder die Laienspielgruppe etwas zum Besten.
„Eine schöne Bescherung" hieß das Stück; dargeboten von Franz Geßlein, Renate Volk, Moni Scharf, Günther Völk, Peter Kohles und Christa Speer. Regie führte Wilhelm Bauer, als Souffleuse wirkte Evi Bauer, die Bühnentechnik besorgte Günter Kachel.

Thematisch ging es um den Weihnachtsabend, und zwar um einen leicht ungeplanten Ablauf. Ein älteres Ehepaar (Franz Geßlein und Renate Völk) erwartet - oder befürchtet - einen ruhigen, ungestörten Heiligen Abend. Aber es kommt, wie es nach den ehernen dramaturgischen Regeln des Schwankes entspricht, ganz anders, die Kinder und Schwiegerkinder (Günter Volk, Moni Scharf, Christa Speer und Peter Kohles) tauchen nacheinander auf. Sie tragen indes keineswegs zur Harmonie bei; ganz im Gegenteil. Streit und schwere Anschuldigungen liegen unheilvoll in der Luft. Jedoch nach heftigen Turbulenzen löst sich alles wieder in Wohlgefallen auf. Ein angeblicher Liebesbrief erweist sich als „falsche Fährte", um der neugierigen Ehefrau das Schnüffeln abzugewöhnen. Nach allgemeiner Versöhnung steht einem besinnlichen Weihnachtsfest nichts mehr im Wege.
Lebhafter Beifall lohnte die eifrigen Akteure, die sich viele Wochen auf ihren Auftritt vorbereitet hatten. Als zusätzliche Anerkennung erhielten sie vom Vorstand ein kleines Präsent.
Der Abend sollte aber noch eine Überraschung, noch einen Glanzpunkt erhalten. Dem 1..Vorsitzenden Wolfgang Süße war es gelungen, professionelle Künstler für den Abend zu engagieren. Es waren dies Bernhard Maxara, langjähriger Tenor-Buffo am Landestheater mit Soubrette Elfie und einem Pianisten.

Sie boten nun nicht etwa klassische Weihnachtslieder. Das muß auch nicht sein, denn damit werden wir ja in diesen Wochen hinreichend bedient.
Auf dem Programm stand vielmehr die heitere Muse, bekannte Wiener Couplets von Otto Reuther, so z.B. der bekannte „Überzieher", der im Kaffeehaus weg zu sein droht, wenn man vom Fleck weg geht oder die vergeblichen Versuche, eine Torte zuzubereiten. Eine wirklich gelungene Überraschung.

Diese Einlage verlieh den versammelten Wanderfreunden doch offensichtlich einiges an Schwung, denn im Gegensatz zum Vorjahr fanden sich doch etliche zum abschließenden Tänzchen ein.
Den Heimkehrern bot sich nach Verlassen des Lokals noch eine Überraschung: schneebedeckte Straßen, Gärten und Dächer....
Der erste Schnee in diesem Winter -und für längere Zeit auch der letzte.
Alle bemühen sich nach Kräften, aber nicht alles gelingt.

-hdb-
 

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