Das Farnkraut“, Zeitschrift des Thüringerwald-Verein Coburg Nr. 3/1963

Von Anfang behielt unsere Zeitschrift das „drüben“ im Auge. Der Schriftleiter Werner Ungelenk verstand es immer wieder, kompetente Beiträge zu Themen aus dem damals so weit entfernten Thüringen zu publizieren, so wie die nachstehende, historisch verbürgte Episode aus dem „Schmalkaldischen Krieg.“ Der Aufsatz ist lediglich mit „P“ signiert, wohnte damals vielleicht in der DDR und sollte nicht identifiziert werden. Ich darf aber von dem Einverständnis zur Nach-Publikation ausgehen. Im Gegensatz zum Erscheinungsjahr können wir heute jederzeit die Schauplätze der Handlung aufsuchen.  An die Geschichte erinnert eine Grabplatte in der St.-Andreas-Kirche in Rudolstadt. Friedrich von Schiller wurde zu einer Erzählung „Katharina die Heldenmütige“ inspieriert (Quelle: www.rudolstadt.de).
Der Herzog von Alba: „Fernando Alvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba“ ist historisch auch bekannt geworden durch sein Schreckensregiment in den Niederlanden (Quelle: WIKIPEDIA; downl. 01/12)

 



Katharina, die mutige Hennebergerin

 

Schwarzburger Gräfin brachte den fürchterlichen Herzog Alba zum Zittern

Wie die Henne - an sich kein Sinnbild für Mut und Kraft - beim Angriff des Habichts ihre Kinder mit dem Einsatz des eigenen Lebens verteidigt, so verhalf die verwitwete Gräfin Katharina von Schwarzburg, eine geborene Fürstin von Henneberg, ihrem Wappen zu hohem Ansehen, indem sie den gefürchtetsten Mann ihrer Zeit beinahe zum Zittern brachte.
Um der neuen Weltanschauung das Wasser vollends abzugraben, hatte der Kaiser Truppen aus Spanien und Italien über die Alpen geholt, die mit großer Rücksichtslosigkeit auftraten und überall Angst und Schrecken verbreiteten. In berechtigter Sorge und kluger Voraussicht, dass man ihre Witwenschaft und Ohnmacht dazu missbrauchen würde, sich besonders freizügig zu gebärden, hatte die Hennebergerin von Karl V. einen Freibrief mit kaiserlichem Siegel erbeten und auch erhalten, wonach ihre Untertanen von den fremden Soldaten nichts zu leiden haben sollten.
Mittlerweile näherte sich der fürchterliche spanische Herzog von Alba dem Schlosse von Rudolstadt, begleitet von Herzog Heinrich von Braunschweig und dessen Söhnen. Alba ließ sich durch einen vorausgesandten Boten auf dem Schlosse anmelden und um ein Frühstück bitten. Ein so bescheidenes Begehren konnte nicht gut abgeschlagen werden. Kaum hatten sich die Gäste an der gut bestellten Tafel im Festsaal der Heidecksburg niedergesetzt, als ein Eilbote der Gräfin meldete, dass sich die spanische Armee wenig um den Freibrief kümmere und den Bauern das Vieh wegtreibe, nach üblicher Gepflogenheit, „der Krieg habe den Krieg zu ernähren".
Über die Wortbrüchigkeit entrüstet, befahl die Hennebergerin ihrer Dienerschaft, sich schnell und in aller Stille zu bewaffnen und die Türen des Schlosses zu verriegeln. Sie selber begab sich wieder in den Saal und klagte in bewegten Worten, wie schlecht man das Kaiserwort gehalten habe. Man erwiderte ihr unter lautem Lachen, dass dies eben Kriegsbrauch sei und dass solche kleinen Ausschreitungen nicht zu vermeiden seien.
„Das wollen wir doch sehen", antwortete die Gräfin aufgebracht. „Meinen Untertanen muß ihr Eigentum wieder erstattet werden, oder bei Gott" - indem sie drohend ihre Stimme erhob -„Fürstenblut für Ochsenblut!" Mit dieser bündigen Erklärung verließ sie den Saal, der in wenigen Minuten von Bewaffneten angefüllt war, die sich mit dem Schwert in der Hand hinter den Stühlen der Gäste aufpflanzten.
Beim Anblick dieser kampflustigen Schar veränderte der Herzog von Alba die Farbe; stumm und betreten schauten die hohen Herren einander an. Abgeschnitten von der Armee, von einer handfesten Menge umgeben, blieb ihnen weiter nichts übrig, als um schönes Wetter zu bitten und die beleidigte Hennebergerin durch einen Befehl an die Armee zu versöhnen, sich jeglicher Plünderungen zu enthalten und das geraubte Vieh unverzüglich den Eigentümern zurückzugeben. P.
 

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