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Ein spÀter Protest

 

Es stand in der Zeitung: „Bauern wehren sich vehement gegen ĂŒbermĂ€ĂŸigen FlĂ€chenverbrauch…und fordern den Erhalt landwirtschaftlicher NutzflĂ€che“.

Vieles von dem, was in dem recht ausfĂŒhrlichen Artikel ausgesagt wurde, ist sicher ganz richtig. Nur: das Datum war der 7. Dezember 2009. Und nicht etwa der 7. Dezember 1959, 1969, 1979 oder 1989.

Die UmweltverbĂ€nde weisen seit Jahrzehnten auf den galoppierenden Verbrauch von landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder ĂŒberhaupt NaturflĂ€chen hin. FĂŒr den Bereich Coburg existieren dreidimensionale FlĂ€chenmodelle. Hier wird dargestellt, wie das Coburger Land in einigen Jahren aussehen wird, wenn der FlĂ€chenverbrauch so weitergeht, u.a. waren diese GelĂ€ndemodelle anlĂ€sslich unserer JubilĂ€umsausstellung im Mai 2007 im ÄmtergebĂ€ude Steingasse ausgestellt.

Bei den FlĂ€chen fĂŒr neue Verkehrswege ist der FlĂ€chenverbrauch bereits unumkehrbare Tatsache;die „A 73“ ist bekanntlich fertiggestellt, die Ortsumgehung Rödental im Bau ebenso wie die Eisenbahn-Neubaustrecke „ICE“ Ebensfeld – Erfurt im Bereich des Landkreises Coburg.

Aber das sind nur die heiß und kontrovers diskutierten Projekte. Der schleichende, meist weniger im Blickpunkt stehende FlĂ€chenverbrauch geht auf das Konto immer neuer Wohn- und Gewerbegebiete mehr oder weniger aller Gemeinden im Landkreis und natĂŒrlich auch der Stadt Coburg. Sehr gut lĂ€sst sich dies anhand Ă€lterer topographischer Karten, StadtplĂ€ne oder auch Wanderkarten erkennen, die wir wohl alle im Besitz haben.

Vergleich hierzu unsere Internet- Unterseite Historische Karten undVerbrauchte Landschaften

Was bleibt? Es bleibt in der gegenwÀrtigen Situation nur noch, weiteren Landverbrauch durch Verkehrsprojekte, Wohn- und Gewerbegebiete zu verhindern.

Was Gewerbegebiete angeht, ich halte es nicht fĂŒr nachvollziehbar, dass die NutzungsĂ€nderung fĂŒr das weitrĂ€umige GelĂ€nde des ehemaligen GĂŒterbahnhofes so lange gedauert hat und noch so lange dauert. Überhaupt ist das BahngelĂ€nde in Coburg eine stille GelĂ€ndereserve.

Das gleiche gilt fĂŒr das GelĂ€nde des ehemaligen BGS.

Lobenswert sind dagegen Initiativen in der Stadt Rödental, brachliegendes, bereits erschlossenes GelĂ€nde einer neuen Nutzung zuzufĂŒhren.

Was aber den oft zitierten Gegensatz historische Altstadt und „GrĂŒne Wiese“ angeht, so möchte ich noch folgenden Denkanstoß geben.

Wie ich die Lage einschĂ€tze, so haben VerkaufsflĂ€chen auf der „GrĂŒnen Wiese“ einen heute nicht mehr gerechtfertigten Kostenvorteil gegenĂŒber der Innenstadt. Die Anforderungen an Denkmalschutz und Stadtbild-Gestaltung sind bei Gewerbeobjekten gestiegen – mit Recht, BausĂŒnden, wie es sie in der Vergangenheit auch in Coburg gab, dĂŒrfen sich nicht mehr wiederholen.

Es fehlt an einer Entsprechung fĂŒr die sog. „GrĂŒne Wiese“. Die Architektur ist mit wenigen Ausnahmen, sagen wir einmal, recht schlicht. Dann viel Asphalt auf den ebenerdigen ParkplĂ€tzen, kein GrĂŒn ausser den fĂŒr meine Begriffe eher albernen Mini-Blumenrabatten mit gelegentlichen BĂ€umchen. Wo bleibt der ökologische Ausgleich, wo Ruhezonen, wo Auflagen an landschaftsgerechtes Bauen, Auflagen auf Aufbereitung und RĂŒckfĂŒhrung des anfallenden OberflĂ€chenwassers?

Aber da möchte wohl keine Kommune den Vorreiter spielen, hier ist der Gesetzgeber gefragt.

Hans D. BĂŒrger

 

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