Bundespräsident Lübke wünscht unserem Verein vollen Erfolg



Das lebhafte Interesse, das Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke der deutschen Wanderbewegung wiederholt ausdrücklich bekundet hat, spricht auch aus dem Schreiben des Bonner Präsidialamtes vom 19. Februar 1963 an den Thüringerwald-Verein Coburg. Dieser Brief ist die Reaktion auf die Nachricht, daß unser Verein die kulturhistorische Aufgabe der „Thüringer Monatsblätter", des einstigen Sprachrohrs unserer heimatverbundenen Gemeinschaft, in seiner neuen Zeitschrift „Das Farnkraut" wieder aufnimmt.

 — Dr. Lübke hat „mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen", daß sich unsere Wanderfamilie solch traditionsverpflichtenden Auftrag aus eigener Initiative stellt. Er begrüßt es außerordentlich, „daß sich der Thüringerwald-Verein insbesondere auch der Nachbarschaftspflege über den Eisernen Vorhang hinweg widmet und wünscht dieser Aufgabe vollen Erfolg!"

Der Brief aus dem Bundespräsidialamt schließt mit einer Rückerinnerung an das Wandertagserlebnis des vorigen Jahres und bekräftigt noch einmal die von Dr. L ü b k e in Osnabrück getroffenen Feststellungen:

„Mit Euch, den deutschen Wanderern, bin auch ich von dem Anliegen erfüllt, den Menschen unserer Zeit, der in eine technisierte Umwelt eingezwängt ist, der Natur wieder näher zu bringen, um zu erreichen, daß er wieder natürlich denkt, natürlich handelt und somit natürlich lebt. Viele Errungenschaften unseres Jahrhunderts sind sicherlich ebenso wichtige wie unentbehrliche Begleiterscheinungen unseres täglichen Lebens geworden.

Sie sollten nur nicht dazu führen, daß sich die Menschen von der Technik beherrschen lassen und daß ihr Denken und Trachten ausschließlich von der Sucht nach mehr Bequemlichkeit und mehr Wohlstand bestimmt wird. Gegen solche Entwicklungstendenzen, die die natürliche Einstellung zum Leben hemmen, im Geistigen einen negativen Einfluß ausüben und gleichzeitig auch die Leitlinien einer gesunden Lebensweise verletzen, sollten vor allem die Wanderfreunde energisch angehen.

Von jeher ist das Wandern als ein wertvoller vorbeugender Dienst an der Gesundheit angesehen worden. Vom Wandern geht eine wahrhaft heilende Wirkung aus. Die in der allgemeinen Hast und Unruhe unserer Zeit dringend notwendige Entspannung und Besinnung vermag uns vor allem das Wandern in der freien Natur zu vermitteln. Hier lernen die Menschen auch die vielfach verlorengegangene Kunst, sich ganz einfach wundern oder ,verwundern' zu können. Die Verwunderung aber ist die Mutter alles Schönen."

Erfreut über den entscheidenden Anteil der Jugendlichen an den steigenden Mitgliederzahlen in den deutschen Wandervereinen fährt Dr. Lübke fort:

„Der Jugend muß immer wieder gezeigt werden, daß der Mensch auch heute noch zufriedener und fröhlicher wird durch eine Fußwanderung als durch eine Kilometerjagd mit Auto und Moped. In einer mehrtägigen Wanderung kann sich der Jugendliche auch oft zum ersten Male in seinem Leben vor die Notwendigkeit gestellt sehen, seine Fähigkeiten zu erproben und seine Kräfte einzuteilen. Auch die freiwillige Einordnung in eine Gemeinschaft lernen die jungen Menschen   im   gemeinsamen   Wandern ganz von selbst. Daher messe ich der Pflege des Jugendwanderns — auch des Schulwanderns — eine große Bedeutung bei." Die besondere Situation des Thüringerwald-Vereins   spricht   der Bundespräsident mit folgenden Worten an:  „Sie erfüllen im weitesten Sinn des Wortes auch einen politischen Auftrag. Von jeher ist Ihr Wirken der Stärkung   eines   lebendigen   Heimatgefühls zugute gekommen, auf das sich wiederum   ein   achtes   staatsbürgerliches Bewußtsein   und   ein   gesundes Nationalgefühl gründen müssen.  Ihre Mitglieder sollen daher nicht nur ihre engere Heimat kennen-  und  lieben lernen,  sondern  auch  als verantwortungsbewußte   deutsche   Staatsbürger zum Ausdruck bringen,  daß  sich  in  der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts die Liebe zum Vaterland und der Wunsch nach immer umfassenderen  Gemeinschaften freier Völker sinnvoll ergänzen."
 

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