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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1965
Frühlingssehnen – Osterfreuden
Unsere fränkische Heimat ist noch Hort altüberlieferten Brauchtums
Allenthalben sind die Menschen jetzt erfüllt von der Sehnsucht nach dem Frühling, nach dem Wiedererwachen der Natur. Dieses Sehnen schließt ein die Vorfreude auf Ostern, das älteste und ursprünglich einzige christliche Fest. Es wird auch heuer wieder begleitet sein von jenem altüberlieferten Brauchtum, das kaum sonst wo eine so konsequente Pflegestätte gefunden hat wie in unserer fränkischen Heimat. Schon der Gründonnerstag wird hierzulande mit allerlei Bräuchen eingeleitet. An diesem Tage schneidet man in ländlichen Gegenden grünen Salat auf den Feldern, vornehmlich Rapunzel, allerlei Kressen und Frühlingsspinat, und bringt ihn auf den Mittagstisch. Die Kinder sammeln häufig die am Gründonnerstag gelegten Eier, von denen es heißt, daß sie ein ganzes Jahr frisch bleiben, und mancher Bauer pflügt solch ein Ei in die erste Furche seines Ackers. In der christlichen Kirche ist der Gründonnerstag der „Dies viridum" — Tag der Grünlinge, an dem die Grünlinge, die Büßer, losgesprochen werden. Am Karfreitag herrschen in vielen ländlichen Gegenden bestimmte Arbeitsverbote, die Näh- und Flickarbeiten, Wäschetrocknen und Hausreinigung einschließen. Zuweilen überbringt der Pate noch nachts ungesehen ein Geschenk, das aus einer bestimmten Zahl von Eiern besteht. Auch den am Karfreitag gelegten Eiern werden besondere Segenswirkungen zugeschrieben. In der Nacht zum Ostersonntag flammen in vielen Gegenden Deutschlands Osterfeuer auf den Bergen auf, ein ursprünglich heidnischer Brauch, den die christliche Kirche übernommen hat. Sie deutet ihn als Freudenfeuer für Christi Wiederauferstehung. Nach dem letzten Krieg ist den Osterfeuern noch ein Verbundenheitsmotiv zugekommen. Entlang der unseligen Zonengrenze zündet man überall zwischen Hof und Lübeck Feuer an, die weithin in das deutsche Nachbarland und damit auch zu unseren Thüringer Freunden leuchten und von ihnen als Symbol der Zusammengehörigkeit empfunden werden. Zu den am lebendigsten gebliebenen Osterbräuchen gehört vor allem die Sitte, sich am Morgen des Ostersonntags — mancherorts auch schon am Gründonnerstag — kunterbunt gefärbte Ostereier als Symbol des keimenden Lebens zu schenken. Für die Kinder versteckt sie natürlich der Osterhase. Besonders in unserer fränkischen Heimat verwendet man viel Mühe auf das Bemalen dieser Ostereier, die mit Hilfe getrockneter Krauter und Verzierungen aus bunter Wolle oder gar eingeätzter Ornamente nicht selten zu wahren Kunstwerken werden. Das Produkt dieser schwierigen Arbeit nennt man „gequälte Eier". Gequält werden aber nicht nur die Eier, sondern auch die Familienangehörigen und vor allem die Mütter der zumeist jungen Künstler, zumal wenn diese für ihre Schöpfungen gleich dutzendweise Eier auspusten, so daß dann wochenlang Rührei serviert werden muß. Für solches Opfer entschädigen in unserer fränkischen Heimat und hier vor allem in der Fränkischen Schweiz die von der Schuljugend mit Fichtengirlanden eingerahmten Dorfbrunnen, denen die Kinder zur Osterzeit Fichtenbäumchen mit überreichem buntem Bänder- und Eierschmuck aufsetzen. Dieser Brauch geht zurück auf die Verehrung, die man seit altersher den Quellen, Zisternen und Brunnen in unserer Heimat entgegenbringt. Sie hängt zusammen mit der hierzulande wiederholt empfindlich gewordenen Wassernot ebenso wie mit dem Offenbarungsverlangen österlicher Freude an der Erneuerung der Natur und damit unserer Lebenskräfte. Dieser dankbaren Freude ist auch der im Frankenland noch weit verbreitete Brauch des Schöpfens von Osterwasser und des Osterbades gewidmet, dem besonders junge Mädchen in der Osternacht zwischen zwölf und ein Uhr oder am Ostersonntag bei Sonnenaufgang huldigen. Dem so gewonnenen oder genossenen Wasser werden wundertätige Kräfte zugesprochen. Es erhält jung, verleiht Schönheit und bringt ein ganzes Jahr lang Gesundheit — und einen treuen Freund obendrein. Letztlich aber gibt das Oster-Brauchtum Zeugnis von tiefer Verbundenheit mit unserer traditions-gefestigten geliebten Heimat, die der rheinische Dichter und Dramatiker Karl Immermann als „die deutscheste aller deutschen Landschaften" bezeichnet hat. W. U. („Werner Ungelenk“)
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