Nie vergaßen wir Thüringen, auch und gerade nicht während der Zeit der Teilung. Dies beweist folgender Beitrag aus dem 2. Sonderheft der Zeitschrift „Das Farnkraut“ von 1965, der sich mit der berühmten Klosterkirche von Paulinzella befasst. Man muss hierbei bedenken, dass zur damaligen Zeit die deutsche Teilung ihren Tiefpunkt und die Ost –West – Konfrontation ihren Höhepunkt erreicht hatten und dass äußerst ungewiss war, ob einer der „Farnkraut“-Leser Paulinzella jemals würde besuchen können.
 

Wolradus – der Mönch von Paulinzella
 

Erschütternde Episode aus der Geschichte des unvergessenen Thüringer Klosters
Unseren Blick in das unvergessene Thüringen richten wir diesmal zu einem der eindrucksvollsten Abstecher-Ziele zwischen den Hauptwanderwegen 7 (Themar - Weimar) und 8 (Römhild -Jena) des Thüringerwald-Vereins: Zur Kirchenruine Paulinzella im Rottenbachtal am Nordhang des Thüringer Waldes, zu Füßen der vielbesungenen Gänsetanne nordwestlich des Schwarzatales.

Wanderfreund Ludwig B e r g h o f , dem wir die Anregung zu diesem Blickpunkt verdanken, weist zurecht darauf hin, dass der Name Paulinzella für dieses Kleinod edelsten romanischen Stils nicht ganz korrekt ist; denn die Kirchenruine ist nicht identisch mit dem von Paulina, der Tochter des thüringischen Grafen Moricho (Truchsess am Hofe Kaiser Heinrichs IV.), nach dem Tode ihres Gatten Udalrich gestifteten und mit ihrem gesamten Hab und Gut bedachten Zisterzienser-Nonnenkloster Mariazella. Vielmehr ist diese wohl besterhaltene Kirchenruine im deutschen Raum altehrwürdiger Überrest der kreuzförmigen Säulenbasilika des Klosters, die der kunstsinnige erste Klosterabt Gerung von Buchau vor nunmehr 850 Jahren hat errichten lassen. Zu ihrer Linken dürfte auf den guterhaltenen Grundmauern, die heute den stattlichen Fachwerkbau des Forsthauses tragen, das Nonnenkloster gestanden haben, und zu ihrer Rechten das gleichaltrige Benediktiner-Mönchskloster, das Paulinas Sohn Werner gestiftet haben soll. Im Bauernkrieg (1525) wurde die gesamte Klosteranlage schwer angeschlagen und ausgeplündert und schließlich durch Blitzschlag vollends zerstört.

Die Weihe der Klosterkirche, in deren Ruine ihr Name bis auf den heutigen Tag fortlebt, hat Paulina nicht mehr erlebt. Auf dem Rückweg von Rom, wo sie im Jahre 1112 von Papst Paschalis II. Bestätigung und apostolischen Segen für das Kloster erbeten und erhalten hatte, starb sie an den Folgen eines Sturzes vom Pferde im Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg. Ihre sterbliche Hülle wurde von frommen Wallern nach Mariazella gebracht und dort später unter dem Hauptaltar der Klosterkirche beigesetzt, in deren Ruinenbezirk noch heute der Wolradusstein die Erinnerung an eine erschütternde Episode in der Klostergeschichte wachhält. Ludwig Berghof übermittelt sie uns in der nachstehend im Auszug wiedergegebenen Plauderei.

Auf die Wiedergabe wird verzichtet, denn der Autor ist nicht erreichbar.

Im gleichen Heft nachstehend wird Thüringen nochmals thematisiert: :
Anmerkung: die Bedeutung des ehem. Klosters Paulinzella ergibt sich auch aus der recht umfangreichen Darstellung im Handbuch “Dehio”. Dort ist erwähnt, dass der Name “Paulinzella” erst nach 1122 eingeführt wurde, als der Leichnam in der damals neu errichteten romanischen Kirche beigesetzt wurde.

Wissenswertes aus Thüringen
 

Wie wir dem Gruß eines alten Thüringer Freundes aus dem Bereich der Plothener Seen unweit der Saaletalsperre entnehmen, wurde dort unlängst ein mächtiger Seeadler beobachtet. Dieser vom Aussterben bedrohte seltene Großraubvogel hatte sich das wald- und wasserreiche ostthüringische Gebiet zum Jagdrevier erkoren.
Eine der größten vorgeschichtlichen Eisenschmelzstätten vermuten Geraer Prähistoriker mit dem Fund zahlreicher germanischer Schmelzöfen bei Ausgrabungsarbeiten in T i n z (Ostthüringen) entdeckt zu haben. So manchem unserer alten Wanderfreunde wird das fürstl.-reußische Schlösschen zu Tinz mit seiner anziehenden Parkanlage noch in guter Erinnerung sein.
Der Kreis der alten Heimatfreunde in Eisenach ist nach wie vor aktiv und einflussreich. Ihm ist es zu verdanken, dass nach der Landgrafenschlucht im Wartburgbereich weitere einst vom Thüringerwald-Verein erschlossene und vielbewanderte Ausflugsgebiete - darunter die Elfen- und die Luisengrotte, die Ludwigsklamm, der Ochsenstall und die Steinböcke - wieder unter Naturschutz gestellt worden sind.
 

[home]
[home] [Wegweiser 1] [Urheberrecht]