Alle Kommentare geben ausschliesslich die Meinung und Einschätzung des Verfassers wieder, nicht eine Stellungnahme des Thüringerwald-Vereins Coburg.

[home]

Lärmbelastungen auch in Buch am Forst

Auch aus dem Lichtenfelser Stadtteil Buch am Forst kommen  Klagen über Lärmbelastungen von der „A 73“

Folgender Artikel ist der „np“ v. 10. April entnommen.

Von Andreas Welz

Buch/F - Die Einwohner von Buch am Forst fühlen sich durch schlagartige Geräusche gestört, die von der großen Nestelgrabenbrücke der Autobahn A 73 stammen. Insbesondere bei Südwestwind erklingt ein Stakkato scharfer Töne, die beim Überrollen des Fahrbahnübergangs an der Brücke entstehen. Durch die für die Autobahn frei geschlagene Schneise im Lichtenfelser Forst wird das „Klack-Klack", gleich dem Trichter eines riesigen Hörrohres, sogar noch verstärkt.

Urheber der ungeliebten Töne ist die so genannte Fahrbahnübergangskonstruktion (ÜKO). Temperaturschwankungen und die Verkehrsbelastung können an größeren Brücken zu Längenänderungen von mehreren Zentimetern führen. Deshalb wird jeweils am Brückenende ein Übergang eingebaut, der sich auseinander- und zusammenschieben kann. Die Bewegung der Nestelgrabenbrücke beträgt etwa zehn bis 15 Zentimeter, erläuterte der Obermeister der Bauinnung Lichtenfels und Brückenspezialist Wolfgang Schubert-Raab aus Ebensfeld unserer Zeitung.

Eine Eindämmung des Lärms nach unten wird durch die so genannte Einhausung des Übergangs erreicht, wie sie in die Brücke über die neue Bundesstraße B 289 erfolgreich eingebaut wurde. Dort hatte das staatliche Bauamt Bamberg bereits im Februar vergangenen Jahres Dämmmatten installiert. Bei einer Ortsbegehung machte der neue Bereichsleiter Straßenbau des Staatlichen Bauamtes Bamberg Andreas Eisgruber deutlich, dass Schallschutz nach unten und eine erheblich leichtere Zugänglichkeit für die Wartung, die entscheidenden Verbesserungen der neuen Schallschutzeinrichtungen für Dehnfugen seien (Die NP berichtete).

Entwickelt wurde die einfache Konstruktion von Maurer Söhne in München. Im Vergleich zu den bisherigen Schallschutzunterbauten werde die Lärmminderung um 20 Prozent verbessert, ist auf der Internetseite des Unternehmens zu lesen. Die Schallwellen oberhalb der bergangskonstruktion können sich allerdings weiterhin ausdehnen und belästigen besonders die Anwohner in Tiefenroth.

Kein Waschbretteffekt

Für die Lärmminderung nach oben bieten sich zum Beispiel das Aufschweißen von Rauten oder Fingerübergänge an, die aber im nachhinein nicht möglich sind, erklärte Schubert-Raab. Ein gutes Beispiel für eine moderne, geräuscharme Fahrbahnübergangskonstruktion sei die Itztalbrücke der A 73 bei Rödental. Die rautenförmige Verzahnung biete nur geringe Spaltbreiten, die keine schlagartigen Geräusche hervorrufen. Da die Profile im Zickzack ausgebildet seien und damit den Reifen eine durchgehende Fläche vortäuschen, bleibe der Waschbretteffekt aus.

Ähnliche Konstruktionen wurden für die Maintalbrücke bei Lichtenfels verwendet. Die 1987 errichtete Leiterbachtalbrücke zwischen Ebensfeld und

Zapfendorf wird derzeit saniert. Auch dort werden die Übergänge mit dem Zickzackprofil versehen. Die Arbeiten an der Fahrbahn in Richtung Bamberg sind abgeschlossen. Die Sanierung der Fahrbahn in Richtung Lichtenfels wird derzeit vorbereitet.

Am Nestelgraben wurde dagegen eine Lamellenkonstruktion eingebaut. Der Spalt zwischen den Stegen misst mehrere Zentimeter. Genau hier entsteht beim Überfahren das berüchtigte „Klack-Klack", erst durch die Räder der Vorderachse und dann der Hinterachse. Je schneller ein Fahrzeug darüber fährt, je kürzer sind zwar die Intervalle, dafür ist das Geräusch aber intensiver. Ab einer Geschwindigkeit von über 120 Kilometer in der Stunde schwillt das Geräusch je nach Fahrzeug und Bereifung immer mehr an, das belegen Untersuchungen der Bundesanstalt für das Straßenwesen: Am lautesten sind die 3,5 Tonnen schweren Kleintransporter, die oft mehr als 160 „Sachen" drauf haben.

Anmerkung: dies ist auch meine Erfahrung

Langsam fahrende Fahrzeuge wie Busse oder Lkw erzeugen nur sehr geringe dumpfe Geräusche, davon überzeugte sich unsere Zeitung vor Ort.

Die Neue Presse gab die Beschwerden der Bucher Einwohner an die Autobahndirektion Nordbayern weiter. Von Diana Schmidt, Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern, gab es folgende Stellungnahme: „In der Nestelgrabenbrücke sind normale Übergangskonstruktionen (ÜKO) nach dem Stand der Technik eingebaut. Diese ÜKO's weisen keine Beschädigungen auf. Nach dem Ergebnis des Planfeststellungsverfahrens waren im Bereich der Nestelgrabenbrücke keine Lärmschutzmaßnahmen und auch keine lärmmindernde Übergangskonstruktionen erforderlich."

Anmerkung: Es ist immer das gleiche: im Planfeststellungsverfahren werden für den Lärmschutz der Anlieger doch immer nur theoretische Berechnungen zugrundegelegt. Geht ja auch zunächst nicht anders. In der Praxis stellt sich aber immer wieder heraus, dass diese Berechnungen nicht das gesamte Spektrum der Realität abdecken!

Denkbar sei, so die Behörde, analog zur Nestelgrabenbrücke an der B 289 neu, Lärmdämmmatten nachzurüsten, um diese Klackgeräusche zu dämpfen. Der Kostenaufwand hiefür würde rund 100 000 Büro betragen.

Schmaler Schlitz

Ob diese Matten an der Autobahnbrücke sinnvoll sind, ist fraglich. Die Übergangskonstruktion verschwindet unterhalb der Fahrbahn meterweit im Brückenlager. Durch den schmälen Schlitz, der den Brückenträger aufnimmt, dringen nur dumpfe gongartige Schläge, die nach ein paar hundert Metern nicht mehr zu hören sind. Nach oben zur Fahrbahndecke werden die Schläge lauter und greller, bis sie schließlich in eine Höhe von etwa 1,80 Meter unerträglich werden.

Das Austauschen der Übergangskonstruktionen durch geräuscharme Konstruktionen ist heute nicht ungewöhnlich. Allerdings werden in der Regel nur vorhandene alte Stahlkonstruktionen gegen moderne Bauteile ausgetauscht, die besonders lärmmindernd konstruiert sind. Dadurch werden die von dem Bauwerk ausgehenden Lärmemissionen deutlich verringert.

In den vergangenen Jahren erhielt der aktive Schallschutz eine immer größere Bedeutung. Die Menschen nehmen nicht mehr Lärmbelästigungen hin, die vermeidbar sein können. Gerade beim Straßenbau sind

innovative Lösungen gefragt. Zum Bespiel geräuscharme Fahrbahnbeläge, wie sie derzeit von der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) getestet werden.

Der Obermeister der Bauinnung Lichtenfels, Diplom-Ingenieur Wolfgang Schubert-Raab, der unsere Zeitung bei der Recherche unterstützte, bestätigte diesen Trend. Er gibt allerdings zu bedenken, dass geräuscharme Übergangskonstruktionen teurer als herkömmliche seien. Er stimme mit der Autobahndirektion überein, dass Lärmdämmmatten auch an der großen Nestelgrabenbrücke vorstellbar seien. „Eine andere Möglichkeit gibt es nicht", sagt der Spezialist für Brückenbau und Ingenieurwesen

 

Kontakt   Impressum

Zur Gesamt-Übersicht der Website: sitemap