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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 1/1967
Eines der ganz frühen Beispiele, in welchen sich der Thüringerwald-Verein Coburg zu öffentlich-rechtlichen Erschließungsmaßnahmen geäußert hat. Dabei ging es um ein Projekt in verhältnismäßig großer Entfernung; nämlich im Bereich des Landkreises Rhön-Grabfeld. Die Erschliessung von landschaftlich bevorzugten Gebieten im Außenbereich der Gemeinden war damals sehr aktuell und auch umstritten.
Reutsee-Erholungslandschaft in Gefahr
Protestschritt gegen Zweckentfremdung zum „Wochenendparadies"
Schlechte Beispiele verderben gute Sitten. Mit dem schlechten Beispiel meinen wir den Elfershäuser See, mit dem wir uns im „Farnkraut"-Sonderheft Dezember 1964 zu befassen Anlass hatten. Ultimativ hatte sich damals Bayerns Rechnungshof einschalten müssen, weil dieser Stausee, mit erheblichen Bundes- und Landesmitteln — sprich Steuergeldern — geschaffen, um in Trockenzeiten landschaftliche Nutzfläche von rd. 1000 Hektar zu bewässern und die floristisch ergiebige Waldlandschaft ringsum anzureichern, zu einem „Wochenendparadies" für Leute mit zu viel Zeit und Geld zweckentfremdet worden war. Ein ähnliches Schicksal droht jetzt der idyllischen Reutsee-Landschaft bei Sulzdorf a. d. Lederhecke. Es ist geplant, diesen größten natürlichen See Unterfrankens zur Ansiedlung von Wochenendhäusern freizugeben, für die Allgemeinheit damit also unzugänglich zu machen. Unter Hinweis auf die Entwicklung am Elfershäuser See zu einer „Ferienkolonie" mit komfortablen Wochenendhäusern und dementsprechend fragwürdiger Freizeitgestaltung zu Wasser und zu Land hat der Vorstand des Thüringerwald-Vereins dem zuständigen Landrat in Königshofen seine Bedenken gegen das Reutsee-Projekt dargelegt. Er hat vor allem darauf hingewiesen, dass der Plan im Widerspruch steht zu allen Bestimmungen des Natur- und Landschaftsschutzes und den Bestrebungen der „Aktion ortsnahe Erholungsgebiete". Ebenso unvereinbar ist er mit Artikel 141 der Bayerischen Verfassung, nach dem nicht nur Natur- und Landschaftsschutzgebiete, sondern die gesamte freie Landschaft primär der Erholung des Volkes in seiner Gesamtheit zu dienen hat. Die Auslegungsbestimmung des bayerischen Innenministeriums zu diesem Artikel besagt eindeutig, dass bauliche Anlagen und landschaftliche Veränderungen unzulässig sind, welche die natürliche Eigenart der Landschaft beeinträchtigen und damit die Volksgesundheit nachteilig beeinflussen. Der Thüringerwald-Verein hat gleichzeitig darauf hingewiesen, dass der Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine eine Verlegung seines West-Ost-Wanderweges „Saar-Schlesien" in die Wege geleitet hat, um die durch die Zonengrenze entstandene Lücke wieder zu schließen. Dieser im Dienst grenzenloser menschlicher Begegnung bedeutsame Wanderweg soll im Raum Königshofen nach Süden gezogen und um die Zonengrenze herumgeführt werden, so dass er künftig Rhön, Haßberge, das Coburger Land und den Frankenwald miteinander verbindet. Außer dem neuen Bayern-Turm bei Königshofen wird der West-Ost-Wanderweg damit auch die Reutsee-Landschaft berühren. Der Thüringerwald-Verein ist an der Unberührtheit dieser Erholungslandschaft interessiert, weil Haßberge und Grabfeld zu seinen bevorzugten Wandergebieten außerhalb der Coburger Kreisgrenzen gehören. Er sieht aber auch sein Vorhaben beeinträchtigt, auf Wunsch der befreundeten Stadt Königsberg von dem künftigen West-Ost-Wanderweg aus dem Reutsee-Bereich heraus einen Nebenwanderweg nach Königsberg zu markieren und damit die dortige Landschaft als floristisch wertvolle Wander- und Erholungslandschaft noch intensiver erschließen zu helfen. Wir hoffen sehr, dass der Landrat von Königshofen, der für die Anliegen des Wanderns, der Heimatpflege und des Naturschutzes stets ein offenes Ohr zeigt, auch im Falle des Reutsee-Projektes den ihm dargelegten Argumenten gegen eine Landschaftsentwertung zustimmen wird.
Nachtrag: die „Feriensiedlung Reutsee“ wurde aber doch realisiert. Ich kenne sie allerdings nur von der „digitalen“ Karte. Der bebaute Raum befindet sich allerdings nicht direkt an diesem See; der anscheinend doch noch zugänglich geblieben ist:.
Zitat aus einem Wanderführer, herausgegeben vom Naturpark Haßberge e. V. , Internet; downl. 01/12 …Wir fahren durch die Siedlung Richtung Reutsee, einem flächenhaften Naturdenkmal und dem einzig echten Binnensee Unterfrankens. Er ist zur Zugzeit Rastplatz seltener Wasservögel. Wir begleiten das Seeufer, bis die Wasserfläche unter Bäumen verschwindet ….. Diese Wanderführer, welche von den Naturpark-Organisationen herausgegeben werden sind doch relativ aufwändig gestaltet und sind zumindest im Internet-download kostenlos.
und wie ging es weiter (interner link) nochmals Reutsee
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