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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 3-4/1966
Vor 145 Jahren fiel Schloss Waldsachsen
Einen kurzen, aber aufschlussreichen Streifzug durch die Ortsgeschichte von Waldsachsen bot eine der heimatkundlichen Unternehmungen des Kleinen Wanderkreises, bei der unlängst die Frage nach dem Ursprung des Ortsnamens auftauchte. August Marrs Bericht zufolge ist der Ort urkundlich zwar erst im Neustadter Erbbuch von 1317 nachgewiesen; tatsächlich muß er als Siedlung aber schon vor mehr als 1000 Jahren existiert haben. Wie aus vergilbten Blättern hervorgeht, lag Waldsachsen damals an einer der bedeutendsten „Reichsstraßen Karls des Großen", einer Verkehrsader mitten durch Deutschland, die von gefangenen und in den heimischen Wäldern angesiedelten Sachsen instandgehalten werden mußte. So lässt sich auch der Name des Ortes deuten, den besagtes Erbbuch als Besitz der Grafen von Henneberg ausweist.
(Anmerkung hierzu: Walter Schneier: „Das Coburger Land“, Coburg 1983 vermerkt nur kurz 1317 als erste urk. Erwähnung, „Sassen“ = Bewohner; bei einer früheren Erwähnung sei fraglich, ob dieses Waldsachsen gemeint sei; es gibt noch gleichnamige Orte in Ufr., Gemeinde Schonungen, Sachsen, Gemeinde Meerane sowie Waldsassen/Obpf., Namensherkunft vermutlich identisch)
Eine Sonnefelder Urkunde von 1321, die einen Kaplan von Waldsachsen namens Carolus erwähnt, bestätigt, dass es zu jener Zeit auch ein Schloss mit Schlosskapelle in Waldsachsen gegeben hat, das durch Dietrich von Coburg (1346 erwähnt) in den Besitz eines Freundes von Dr. Martin Luther und Albrecht Dürers mit Namen Degenhardt Pfäffinger gelangt ist. Pfäffingers Neffe (und wohl auch Erbe) wurde von Luther in Wittenberg im Lateinischen, Griechischen und Hebräischen unterrichtet. In der Reihe der Ortsherren taucht dann u. a. der Name von Selbitz auf; zuletzt 1512 Adam von Selbitz und sein Sohn Eucharius, von dessen Bruder Hans, einem Freund Götz von Berlichingens, geschrieben steht, dass er wegen eines Überfalls auf ein Nürnberger Kaufmannsgeleit in die Reichsacht erklärt und damit erbunwürdig war. Das Waldsachsener Schloss gibt es nicht mehr seit 1821. Damals hat es ein Großbrand, in dem zwei Menschen umkamen, zur Ruine gemacht, und die verbleibenden Überreste wurden von der Herzogl. Coburg-Saalfelder Artillerie, die wohl nur aus zwei oder drei Kanonen bestand, in einer kriegsmäßigen Übung zusammengeschossen. Nur noch der Burghügel und zwei Buntzeichnungen (heute im Besitz der Coburger Festungssammlungen und des Neustadter Heimatmuseums) erinnern an das einst so stattliche Schloss Waldsachsen.
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