Aus “Das Farnkraut” Nr. 3/2005

 

Fahrt mit den Senioren

 

Seit einigen Jahrzehnten schon gehört es im Thüringerwald-Verein zur guten Tradition, dass sich im Herbst des Jahres die älteren Vereinsmitglieder auf eine Tagesreise begeben. Das war auch für dieses Jahr angesagt. Die Fahrt mit den Senioren musste aus technischen Gründen auf Dienstag, den 27. September 2005 vorverlegt werden. Zahlreiche Wanderfreunde hatten sich am Landestheater Coburg zur Omnibusfahrt eingefunden. Leider meinte es der Wettergott nicht so gut mit ihnen. Aber am Zielort Memmelsdorf bei Bamberg hatte der anfängliche Regen aufgehört. Dem Schloss Seehof Bamberg mit seinen vier wuchtigen Ecktürme galt der Besuch. Es zählt zu den eindrucksvollsten Schlössern des Frühbarock. Bei einem kleinen Spaziergang durch den Park wurden zunächst die Kaskaden mit ihren Wasserspielen besucht. In dem kunstvoll angelegten Garten standen einst über vierhundert Figuren der griechischen Götterwelt. Die Führung durch den ersten Stock des Schlosses unter fachlicher Leitung zeigte die sehr wertvoll (Tapeten!) ausgestatteten Räume.
Schloss Seehof wurde von dem italienischen Kirchenbaumeister Antonio Petrini erbaut. Bauherr war der Bamberger Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683 - 1693), aus einer angesehenen schwäbischen Adelsfamilie stammend. Das Schloss trägt dem Vornamen des Fürstbischofs entsprechend auch den Namen Marquardsburg.
Die Reise führte anschließend nach Röbersdorf. Im Gasthof Weber wurde das Mittagessen eingenommen. Besonders die ausgezeichnet schmeckenden Karpfen hatten es den Teilnehmern angetan. Weiter ging es über Schlüsselfeld hinein in den Steigerwald. Der Naturpark Steigerwald gehört mit seinen Hohen bis zu 500 Metern zu den deutschen Mittelgebirgen. Er hat eine Größe von 1300 Quadratkilometern und zeichnet sich vorwiegend durch seinen Bestand an Buchen - und Eichenwäldern aus.
Über die Steigerwald-Höhenstraße wurde schließlich Ebrach erreicht Die ehemalige, 1127 gegründete Zisterzienser-Abtei ist heute Jugend-Justizvollzugsanstalt.
Nahezu alle Mitreisenden besuchten die 1285 erbaute Kirche, die als großartigster frühgotischer Bau Frankens gilt. Besonders das 7,6 Meter breite bunte Rosenfenster galten dem Augenmerk der Besucher. Das Gotteshaus wird derzeit vollkommen restauriert. Die Arbeiten dauern schon viele Jahre.
Nach einer Kaffeepause wurde weiter gefahren. Über Fabrikschleichach, dort wo einst die Flachglasfabrik von Balthasar Neumann stand, fuhr man zur Schlusseinkehr nach Sand am Main. Die Einkehr im Gasthof und Weingut Goger brachte einen guten Ausklang. Auf der Heimfahrt waren wohl alle überzeugt davon, dass man wieder einmal einen schönen Ausflugstag genießen konnte.

Nachtrag d. Red.

Die Organisatoren der diesjährigen „Seniorenfahrt“ haben gleich zwei Ziele herausgesucht, die auch überregional zu den ganz herausragenden Bau- und Kulturdenkmälern gehören.
Da wäre zum Einen das Schloss „Seehof“ – (Marquardburg) zu nennen. Ein unwahrscheinlich prachtvoller Anblick bietet sich von der Straße Bamberg-Memmelsdorf aus, hinüber von den Torbauten über die monumentale Zufahrtsallee hin zu dem viertürmigen Schloss. Für heutige Besucher steht diese Zufahrt allerdings nicht mehr zur Verfügung, zumindest nicht mit dem Kfz. „Übers Eck“, an der Nordseite der Gesamtanlage, steht ein großer Parkplatz für PKW und Omnibusse zur Verfügung.
Es handelt sich um das einstige Jagd- und Sommerschloss der Fürstbischöfe von Bamberg. Nicht nur der genannte Schenk von Stauffenberg, sondern auch seine Nachfolger; insbesondere Adam Friedrich von Seinsheim, zugleich auch Bischof von Würzburg, haben das Meisterwerk vervollkommnet. Die Bauweise mit vier Flügeln und vier Türmen ist zumindest in Süddeutschland selten, Vorbild war vermutlich das Aschaffenburger Schloss, ähnlich auch noch Schloss Stenberg bei Bad Königshofen. Das wertvollste am Komplex Schloss Seehof aber war der weitläufige Park mit zahllosen Barock-Figuren mit Motiven aus der antiken Mythologie. Eine technische Meisterleistung für die damalige Zeit waren die Wasserspiele, wurden sie doch rein mit Naturkräften (Wasser aus den nahen Bergzügen) betrieben.  Die Fürstbischofe entsprechen nicht unserem heutigen Bild von einem geistlichen „Oberhirten“. Sie waren feudale Landesherren, typische Vertreter des absolutistischen Zeitalters mit entsprechenden Macht- und Repräsentationsansprüchen.
Das Ende kam – in Bayern – mit der „Säkularisation“ ab 1802. Die geistlichen Fürstentümer wurden dem neuen Königreich Bayern angegliedert. Übrigens soll sich auch unser Herzog Ernst I für einen Ortswechsel nach Bamberg oder auch Bayreuth interessiert haben, vorausgesetzt natürlich, er hätte im Zuge der territorialen Neuordnung die Fürstentümer Bamberg oder Bayreuth erhalten. Die zugehörigen Schlösser jedenfalls waren damals noch ziemlich neu und in bestem Zustand.  Bekanntlich kam es anders.   Schloss Seehof beispielsweise kam in private Hände. Die wechselnden Eigentümer konnten und/oder wollten dieses Kulturgut nicht erhalten. Für das Schloss, vor allem aber den Park kam eine Zeit des Niedergangs, die bis nach Ende des 2. Weltkriegs reichte. Insbesondere von der einstigen Ausstattung des Parks mit zahllosen barocken Figuren blieb fast nichts mehr übrig (so noch 1965 ein Kunstführer). Es ist dem Freistaat Bayern zu verdanken, der schließlich Schloss und Park erwarb, dort eine Außenstelle des Landesamts für Denkmalpflege unterbrachte und Renovierung, Restaurierung und Rekonstruktion begann.
Schloss und Park wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den Sommermonaten werden Konzerte und sonstige kulturelle Veranstaltungen angeboten. Die Schlosskapelle ist als Hochzeitskirche beliebt.
Alles in allem ein empfehlendes Ausflugsziel , nicht zuletzt wegen der hervorragenden Gastronomie in Memmelsdorf.
Nicht minder hervorragend ist das ehem. Kloster Ebrach.
Wer das Konventsgebäude nur von der Durchfahrtsstrasse aus betrachtet, der erhält nur einen unvollkommenen Eindruck von den baulichen Dimensionen. Hierzu müssen wir uns in den ehem. Abteigarten abseits der Strasse begeben. Es könnte auch ein fürstlichen Schloss sein, gäbe es nicht die riesige gotische Kirche. Dass dem Orden der Zisterzienser eigentlich eine asketische Lebensweise vorgegeben war, vermag man sich heute kaum vorzustellen. Äußerlich erkennbar ist es bei der Kirche immerhin in dem Verzicht auf die sonst üblichen Türme, stattdessen „nur“ ein Dachreiter, dieser allerdings ist gewaltig!
(Den Dachreiter gibt es beispielsweise auch auf der Kirche in Sonnefeld, ebenfalls einst Zisterzienser(innen)kloster!).
 Es soll sich um das älteste Zisterzienserkloster rechts des Rheins gehandelt haben. Bewusst suchte sich dieser Orden Standorte abseits der Zivilisation aus, das sumpfige Tal der Ebrach beispielsweise.
In dem gewaltigen Kaisersaal, der sich über zwei Geschosse erstreckt, gab es Anfangs der 90er Jahre einen Landesverbandstag der bayer. Gebirgs- und Wandervereine. Nachteil dieser Monumentalität: es war – Anfang Mai – empfindlich kühl, ich erinnere mich noch, dass die Grußworte ungewohnt kurz ausfielen!
An der Stiftskirche wird seit etlichen Jahren renoviert. Grandios ist die gotische Fenster-Rosette über dem westlichen Portal. Hier soll das Straßburger Münster Vorbild gewesen sein.  Das Orginal allerdings befindet sich längst im Bay. Nationalmuseum, München.
 

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oben: Schloss Sehof

rechts:

Abteikirche Ebrach

unten:

Fahrt des ThWV Coburg

im Jahre 1929

Nach Seehof!

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