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Aus „Das Farnkraut“ Nr. 2/1968
Zu Anfang 1967 erhob erstmals der Thüringerwald-Verein Protest gegen ein öffentliches Erschließungsprojekt. Projekte dieser Art wurden damals noch nicht als Bedrohung der Lebensgrundlage angesehen, selbst Flugplätze und Straßen (noch) nicht. Nun hatte ja die Landschaftszerstörung noch längst nicht das Ausmaß angenommen das heute der Fall ist. Noch hatten sich nicht Supermarkt-Gewerbegebiete nicht in die Landschaft hineingefressen, von Massenmotorisierung konnte nur ansatzweise die Rede sein. Die „friedliche Nutzung der Kernenergie“ wurde damals kaum hinterfragt. Nun war der Staffelberg, wie bereits mehrfach berichtet - siehe den internen link Chronik - zwar schon zu Rädleins Zeiten ein vielbesuchtes Ziel, “vor der Haustür” liegt er nicht, unmittelbare Wohn-Betroffenheit ist nicht im Spiel. Es handelte sich, wie schon berichtet, um das Vorhaben, auf dem Staffelberg einen Sendemast, einen sog. Umsetzer für die damals neuen Programme zu errichten. Und nicht nur den Mast selbst, sondern auch ein Betriebsgebäude und eine Zufahrtsstraße, siehe Farnkraut Nr. 2/1967 Staffelberg. Diese Sache schien damals mächtig “Staub aufgewirbelt” zu haben, wie die Liste der Gegner aufweist. Dies ist um so bemerkenswerter, als damals Maßnahmen des Staates nicht hinterfragt wurden, zumindest nicht von der ländlich-konservativ gestimmten Bevölkerung des Obermaintales.
Nochmals zum Thema „Staffelberg“
Bundespost sagt „völlige Neuplanung" zu / Bundespostminister reagiert ebenfalls
Zu Tausenden haben die Heimatfreunde aus dem Raum Staffelstein/Lichtenfels/Coburg durch eine Unterschriftenaktion an den Bundespostminister und an Bayerns Regierungschef die Bitte gerichtet, die Bemühungen um einen Alternativ-Standort für den Fernseh-Umsetzer zu unterstützen, den die Bundespost auf den Staffelberg setzen will. Das Anliegen ist begründet mit der Befürchtung, das Vorhaben der Bundespost könne das schutzwürdige oberfränkische Naturdenkmal beeinträchtigen und »eine Stätte mit 6OOOjähriger europäischer Geschichte zunichte machen". Die bayerische Regierung teilt die Bedenken der dem Natur- und Landschaftsschutz verpflichteten Behörden, Organisationen und Vereinigungen. Die Reaktion des Bundespostministers hingegen läßt — wenn sie auch noch nicht alle Hoffnungen zerstört — fraglich erscheinen, ob die Bemühungen um einer Alternativlösung zum Erfolg führen. Allerdings hat die Oberpostdirektion Nürnberg soeben eine „völlige Neuplanung" unter Berücksichtigung erneuter Alternativ-Anregungen zugesichert. Ohne die verständlichen Versorgungsansprüche der Fernsehteilnehmer beschneiden zu wollen, haben sich für die Erhaltung des schutzwürdigen Naturdenkmals Staffelberg nicht nur die behördlichen und kirchlichen Spitzengremien insbesondere im Raum Staffelstein/Lichtenfels eingesetzt, sondern auch die durch die Bürger- und Heimatvereine der beiden Kreise, durch den Alpenverein, den Touristenverein „Die Naturfreunde" und natürlich auch durch den Thüringerwald-Verein mit großer Mehrheit repräsentierten mainfränkischen Bevölkerungskreise. Darüber hinaus haben sich an der Unterschriftaktion auch viele Heimatfreunde außerhalb der unmittelbar betroffenen Gebiete beteiligt: so z. B. aus Nürnberg, München, Freising, Regensburg, Passau, Cham. Würzburg und Kitzingen, aus den außerbayerischen Orten Bremen, Bremervörde, Berlin, Gifhorn, Köln, Dortmund, Bochum, Bonn, Karlsruhe, Freiburg i. Br., und sogar aus der Schweiz. Zu den solchermaßen eindeutig untermauerten Alternativvorschlägen schreibt Bundespostminister Dr. Dollinger, genaue Messungen hätten ergeben, „daß das Obermaingebiet zwischen Schney und Unterleiterbach und das Lauterbachtal nur von einem Frequenzumsetzer auf dem Hochplateau des Staffelberges ausreichend mit dem 2. und 3. Fernsehprogramm versorgt werden können. Für das genannte Gebiet kann auch nur ein einziger Umsetzer errichtet werden, weil für die Ausstrahlung beider Programme jeweils nur eine Frequenz zur Verfügung steht. Ein einigermaßen brauchbarer Alternativstandort wäre eine 70 m tiefer gelegene Hangstufe des Staffelberges nördlich der Felskuppe, aber auch von dort könnten 3300 Einwohner fernsehmäßig nicht versorgt werden". Dr. Dollinger — übrigens selbst ein Oberfranke (Anm. hier irrte der Verfasser, Dollinger war in Neustadt/Aisch zuhause und somit Mittelfranke; schon im Kabinett Adenauer vertreten, übernahm er in der „Großen Koalition“ 1966 das Amt des Bundespostministers bis 1969, um dann nochmals unter Kohl ein Ministeramt zu erhalten, diesmal Verkehrsminister bis 1987) — läßt allerdings sein heimatverbundenes Herz sprechen, wenn er sich zu der „Selbstverständlichkeit" bekennt, „alles zu tun, um unsere schöne fränkische Heimat zu erhalten" — soweit das die Verpflichtung gestatte, alle Menschen in den Genuß des technischen Fortschritts kommen zu lassen, was nach seiner Ansicht „manchmal ohne Eingriff in die Landschaft nicht möglich ist". In diesem Sinne hat Präsident Wiesemeyer von der Oberpostdirektion Nürnberg soeben nach einem Streitgespräch mit Vertretern des Landtags, der staatlichen, kommunalen und kirchlichen Behörden sowie der Heimatvereine in Staffelstein eine „völlige Neuplanung" unter Berücksichtigung aller Argumentationen zum Schutz des Staffelberges zugesichert. Zuvor hatte ihn unser Wanderfreund Ungelenk unter Berufung auf die vorjährige Denkschrift des Thüringerwald-Vereins (siehe „Farnkraut"-Aus-gabe 2/1967) und auf ein Gutachten des Deutschen Rates für Landespflege auf Folgendes hingewiesen: Der Staffelberg steht unter dem Schutz der §§ 5 und 10 des Naturschutzgesetzes. Er gehört erst recht zu den Kulturdenkmälern, für die Artikel 141 der Bayerischen Verfassung und die ministeriellen Ausführungsbestimmungen hierzu „jede landschaftliche Veränderung untersagen". Eine Mißachtung dieser gesetzlichen Verbindlichkeiten würde einen gefährlichen Präzedenzfall heraufbeschwören. Beweis: Gerüchte, nach denen dem „Fall Staffelberg" ein „Fall Walberla" zu folgen droht. Ungelenk bat eindringlich, unsere Jura-Heimat vor einem solchermaßen „gefährlichen Präzedenzfall Staffelberg" zu bewahren und die enormen Opfer zu respektieren, die unsere Heimatvereine für Schutz und Erschließung der heimischen Landschaft und für die Erhaltung ihrer Kulturwerte bringen. W. U.
Nachtrag: Einen Fernsehumsetzer auf dem Staffelberg hat es tatsächlich nie gegeben. Vielleicht findet sich in den späteren “Farnkraut” - Ausgaben ein Hinweis, wie die Sache ausging.
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