Werner Ungelenk lag der Rennsteigverein ebenso am Herzen wie der Thüringerwald-Verein. Daher ließ er es sich nicht nehmen, die nachstehende Chronik für das Jubiläumsheft 1/1971 zu verfassen. Leider sind die in diesem Heft abgedruckten Abbildungen weniger zur Reproduktion geeignet.

 

Streifzug durch die 75jährige Geschichte des Rennsteigvereins
 

Unser Rennsteigverein blickt heuer nicht einfach terminbedingt auf sein 75jähriges Bestehen zurück, in das sich am Rande das „goldene Jubiläum" seines Vereinsabzeichens einfügt. Mit diesem Gedenkanlass verbindet sich zugleich die Erinnerung an den vor genau 180 Jahren (am 9. Februar) geborenen Gothaer Oberst Julius von Plänckner aus Penig bei Altenburg, der als erster die große Rennsteigwanderung von Hörschel bei Eisenach bis Blankenstein/Saale (168,3 km) im Zusammenhang unternommen hat. Jene unvergleichlich vielseitige Kammwanderung, die der „Thüringer Wandersmann" August Trinius wiederholt nacherlebte, um durch sein „Rennsteig"-Werk zu weiterer Erschließung des einzigartigen Bergpfades anzuregen. Julius von Plänckner war es auch, der vor 150 Jahren das wissenschaftliche Fundament zu den später von August Trinius intensivierten Forschungen über den Rennsteig des Thüringer- und Frankenwaldes gelegt hat. Aus ihnen entwickelte Dr. Julius Kober den heute unvermindert gültigen erweiterten Forschungsauftrag, durch den mehr als 220 Rennsteige, Rennwege und Altstraßen im gesamten deutschen Sprachraum nachgewiesen sind.
Die nachwirkende Trauer um den Ende Juli vorigen Jahres zu seiner letzten Wanderung abberufenen verdienstvollen Fürsteher Dr. Kober macht den Verzicht auf eine konventionelle Jubelfeier verständlich. Umso mehr entspricht ein Wandertag zum Rennsteig der traditionsbewussten Verbundenheit der Rennergemeinde mit dem Thüringer Wald, in dem ihr Verein seine organisatorische und geistige Wurzel hat. So wird das Waldhaus „Weidmannsheil" bei Steinbach a. W., in dem der Rennsteigverein zu Pfingsten 1896 gegründet wurde, am kommenden 23. Mai Ziel zweier Wanderungen des Rennsteig- und des Thüringerwald-Vereins sein, die sich dort zu gemeinsamer Feierstunde treffen werden. Ihr Hauptanliegen ist die Enthüllung eines Gedenksteins für den in seinem Lebenswerk fortwirkenden Thüringer Wanderer, Dichter, Schriftsteller, Volkskundler und Heimatforscher Dr. Julius Kober. Ihm verdanken wir die lückenlose Überlieferung der Vereinsgeschichte, die er in mehr als fünf Jahrzehnten als Chronist erarbeitet, an der er durch seine 33jährige Fürsteher-Mission prägenden Anteil hat.
Am Anfang dieser Geschichte steht der im Waldhaus-Gästebuch der Jahre 1876 bis 1897 nachgewiesene Aufruf Dr. Ludwig Hertels zur Gründung eines Rennsteigvereins (Siehe Wiedergabe auf nebenstehender Seite Anmerkung: oben abgebildet). Er legt als Vereinszweck u. a. nahe:
Völligere Erschließung des Rennsteigs durch Kenntlichmachung des ganzen Weges; Aufforderungen in diesem Sinne an benachbarte Touristenvereine in Thüringen und Franken; Anlegung eines goldenen Rennsteigbuches zur Eintragung von literarischen Beiträgen über Verlauf des Bergpfades . . .; Sammlung aller auf den Rennsteig bezüglichen Schriftwerke, Bilder usw.
Ordentliches Mitglied kann nur ein echter Renner werden, der die Absicht hat, den Weg in seiner ganzen Ausdehnung von Werra bis Saale in zusammenhängender Fahrt abzurennen . . ."
Der Erfolg dieser Initiative findet sich bestätigt in der am 24. Mai 1896 von 11 Mitgliedern vollzogenen Vereinsgründung. Dr. Ludwig Hertel (Greiz/Hildburghausen) wurde zum Fürsteher gewählt, Carl Bauer (Erfurt) zum Schriftführer, Max tom Dieck (Arnstadt) zum Säckelwart. Im gleichen Jahr erfolgte Herausgabe einer „Routenkarte des Thüringer Waldes" von Dr. Johannes Bühring und des grundlegenden Werkes „Der Rennsteig des Thüringer Waldes" von Bühring und Hertel.
Alsbald wurde im Kreis dieser Männer der ersten Stunde aus dem Vermächtnis von August Trinius (er trat 1899 dem Rennsteigverein bei) ein weitgreifendes Forschungsanliegen entwickelt. Dr. Bühring nahm es noch im Gründungsjahr zum Anlaß, an 282 Geschichts- und Touristenvereine Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und der russischen Ostseeprovinzen (Anm.: vermutlich die baltischen Staaten, die damals dem russischen Kaiserreich angegliedert waren; siehe u. a.: Diercke/Gabler, Schulatlas, Braunschweig 1883) jenen denkwürdigen „Rennsteigfragebogen" zu senden, durch den rund 70 Rennsteige, Rennwege und Rennpfade im gesamten deutschen Sprachraum erfasst werden konnten.
Die damit für das heimatbewusste Wirken des Rennsteigvereins gesetzten Akzente leiteten eine Erfolgsentwicklung ein, die sich in den interessantesten Aufzeichnungen seiner Chronik wie folgt widerspiegelt:
1897   erscheint   erstmals   die   Vereinszeitschrift „Mareile", so benannt nach dem Töchterlein des ehrenwerten Waldhaus-Förster-Ehepaares Sauer zu „Waidmannsheil". Im gleichen Jahr: Einführung und erstmalige Verleihung des Rennsteig-Ehrenschildes  (für Wanderungen über den  Gesamtrennsteig).
 

1898   stiftete  Kommerzienrat Anton  Wiede , Gotha, den hölzernen Rennsteig-Wanderer (“Rennsteigmönch”)  in Blankenstein.  Für  Oberst Julius von Plänckner wurde auf dem Großen Beerberg eine Gedächtnistafel eingeweiht.
1899  zur 3. Jahreshauptversammlung auf dem Inselsberg    (250jähriges    Hausjubiläum)    bereits über 100 (genau 116) Mitglieder.
1900  Rennsteig-Gruß „Gut Runst!" eingeführt.
1902  Einweihung  des  ersten  RV-Aussichtsturmes auf dem Wetzstein.
1903 Kommerzienrat Anton Wiede stiftet den Blankensteiner Sandstein „Rennsteig-Wanderer".
1906   Erste  Rennsteig-Skiwanderung.  Reinhold Jubelt wird Rennewart für nunmehr 349 Mitglieder.
1907   Herausgabe des ersten Rennsteig-Liederbuches.
1908  12. Hauptversammlung auf dem Inselsberg verzeichnet 516 Mitglieder.
1910 stirbt Ehrenmitglied Dr. Ludwig Hertel. Als Nachfolger übernimmt Dr. Johannes Bühring das Fürsteher-Amt.
1913  Renner Raebel vollbringt Rekordmarsch Blankenstein—Hörschel in 42 Stunden und 21 Minuten  (reine  Marschzeit:  32 3/4  Stunden). — Zur Jahreswende erste offizielle Rennsteig-Skirunst.
1914 Gründung der Rennsteig-Skiabteilung (erste Wander-Skigruppe im DSV).
1915   Herausgabe   der   fünfteiligen   Karte   des Rennsteigs mit geologischem Profil.(Anmerkung: diese wurde im Jahre 1990 als Nachdruck herausgegeben)
1918 Dr. Julius Kober wird Mitglied des Rennsteigvereins (z. Z. noch Soldat).
1919: August Trinius gestorben. — Dr. Kober Beisitzer im Vorstand.
1921    Stiftung   des   Vereinsabzeichens    („R“   im Kreis)  und des Rennsteig-Ski-Ehrenschildes aus Anlaß  der  Einweihung  des  Wintersport-Ehrenmales bei Ernstthal.
1922  Weihe des Rennsteig-Ehrenmales auf dem Glöckner   bei   Ruhla   (21   gefallene   Renner).   — Kriegsbedingt   reduzierte  Mitgliederzahl  wieder angewachsen auf 678.
1923 Inflations-Jahresbeitrag: 6000,— Mark (!!!), dann   infolge   fortschreitender   Geldentwertung festgesetzt auf „dreifache Gebühr eines einfachen Fernbriefes".
1924  Totalverlust des Vereinsvermögens durch Inflation. Neuer Jahresbeitrag: 3 Goldmark.
1925  Höchster Mitgliederstand: 966. — Kassenbarbestand bereits wieder 2127,77 Mark.
1926 Trachtenbuch des RV-Mitgliedes Luise Gerbing, Schnepfenthal, herausgegeben durch Thüringische Vereinigung für Wohlfahrts- und Heimatpflege.
1928 Beitritt zum Verband Deutscher Gebirgs-und Wandervereine. — Reinhold Jubelt wird Fürsteher-Stellvertreter.
1929   erscheint   Dr.   Bührings   bedeutsames Buch „Des Rennsteigs steinerne Chronik".
1930  Intensivierte Vorgeschichtsforschungen über die Rennsteige.
1931   Erschließung eines  durchgehenden  Wanderweges von Thüringen zum Rhein.
1932    erscheint    Bericht    „Vom    Thüringischen Rennsteig   über   den   Hessischen   Rennweg  zum Rhein" von Medizinalrat Prof. Dr. Sommer. — Prof.    Dr.    Bühring    (jetzt   Elberfeld)   wird Ehrenvorsitzender, Paul Clingestein (Zeitz) geschäftsführender Fürsteher. Dr. Julius Kober übernimmt Schriftleitung des „Mareile", Arnold Franz das Amt des Rennewarts.
1933 auf Anregung  Dr.  Kobers  durch 42. Deutschen Wandertag in Frankfurt/Main offizieller Auftrag an den Rennsteigverein, alle Rennsteige und Rennwege im deutschen Sprachgebiet zu erwandern und zu erforschen.
1934   Dr.   Kober  wird  Fürsteher-Stellvertreter und veranlaßt Eingabe des Rennsteigvereins an damaligen Reichskanzler betr. Schutz und dauernde  Erhaltung  des Rennsteigs.
 — Reinhold Jubelt  (25 Jahre Rennewart)  gestorben. Einweihung des Jubelt-Gedenksteins  und  der Jubelt-Tanne am Waldhaus „Waidmannsheil" (21. Mai).
 — Im Rahmen intensivierter Schutzmaßnahmen für Grenzsteine   von   historischer   Bedeutung   durch Rennerin  Elisabeth  Streller,  Eisenach,  1315 Steine nach Standort, Kompassrichtung, Wappen, Inschriften und Zustand erfasst.
1935  Amtsanwalt Theodor Linnarz,  Suhl, übernimmt Fürsteher-Amt von Erkranktem Paul Clingestein (im gleichen Jahr verstorben).
— Dr. Kober wird Leiter der Skiabteilung des Rennsteigvereins.
— Einführung des silbernen “R” für Jugendliche (gleichbedeutend mit dem Rennsteig-Ehrenschild   für   Erwachsene).  
—   Stiftung   des Rennsteig-Wanderwimpels, der seine Weihe beim 44.   Deutschen  Wandertag  vor   dem   Freiburger Münster erhält.
— Erste amtliche Herbstrunst.
1936  Nach Jubiläums-Pfingstrunst 40-Jahr-Feier des Rennsteigvereins in Masserberg. — Silberne Verbandsehrennadel für Dr. Julius Kober beim 45. Deutschen Wandertag in Eisenach.
1937  41. Hauptversammlung auf dem Inselsberg (13. Mai) beruft Dr. Julius Kober auf Vorschlag des  erkrankten  Theodor  Linnarz in  das Amt des Fürstehers (einmütiges Votum).
— Initiativantrag   zugunsten   verbindlicher   Landschaftsschutzbestimmungen für den Rennsteig und den Landschaftsgürtel   beiderseits   bis   zu   300  Meter Tiefe.
— RV  übernimmt Markierung der  Teilstrecke Allzunah—Brennersgrün des neuen Ver-bands-Wanderweges   Saar—Schlesien.
 —  Weihe des Clingestein-Gedenksteins bei Masserberg.
Daß die Fürsteher-Wahl 1937 vom letzten Punkt der Tagesordnung an den Anfang der Hauptversammlung vorgezogen wurde, mutet heute fast wie eine Vorahnung dessen an, was existenzbedrohlich auf den Rennsteigverein zukommen sollte: Herabwürdigung seiner Idealvorstellungen von gemeinnützigem Wirken und substanzzehrende Kriegsfolgeerscheinungen. Vorahnung klang auch aus Dr. Kobers Worten, wie er seiner Rennergemeinde als neuer Fürsteher die pflegliche Erhaltung des Rennsteigs nicht nur seiner Schönheit, sondern vor allem auch seines kulturgeschichtlichen Charakters wegen ans Herz legte, sie dazu ermunterte, durch forschendes Wandern die Heimat immer wieder neu zu erleben und sich ihrem Fortbestand dienstbar zu erweisen im tatkräftigen Behüten ihrer natürlichen Werte. Aus solcher Sicht erneuerte Dr. Kober weitblickend das Forschungsanliegen seines Vereins als eine gesamtdeutsche Aufgabe.
Was immer Julius Kober anpackte und erarbeitete, um stets es auch zu vollenden — er tat's für sein Thüringen, dem er als Sohn des Suhler Mundartdichters Friedrich Wilhelm Kober sein ganzes Erdendasein widmete. Geprägt war seine Lebensaufgabe vom speziellen Interesse für die Sprache der Heimat, ihre Kunstgeschichte, ihre Literatur. Ehe er sich solchen Studien widmen konnte, mußte sich der Oberrealschulabsolvent die Voraussetzungen dazu selbst erarbeiten: Als Behördenvolontär und Angestellter im Finanzdienst zwischen daheim und dem fernen Pommernland. Erste Studienansätze unterbrach der Weltkrieg, in dem Julius Kober im Osten und Westen gekämpft, aus dem er als Artillerie-Reserveoffizier mit beiden Eisernen Kreuzen heimkehrte, um seine Literatur-, Kunstgeschichte-und Philosophiestudien in Berlin sogleich wieder aufzunehmen und in Marburg zu beschließen. Er tat es vor genau 50 Jahren (1921) mit der seine Liebe zur Muttersprache beweisenden Doktorarbeit über „Die Mundart der Stadt Suhl und die wortgeographischen Grenzen ihrer Umgebung".
Dr. Kobers Mundartforschung war Bestandteil seiner intensiven Heimat- und Volkskundearbeit. Er betrieb sie auf eigene Art, indem er sich sein Thüringer Land erwanderte, um Wesen und Daseinsgewohnheiten der Waldmenschen in ihren Heimen und Werkstätten an Ort und Stelle zu erleben. Diesen volksnahen Studien verdanken wir eine Vielzahl volkstümlicher Schriften, die aufzuzählen den Rahmen dieser Würdigung seines Lebenswerkes sprengen würde. Weit gespannt ist die literarische Produktivität des forschenden Wanderers und rastlosen Gelehrten vom Kriegsroman „Rolf Henneberg" über die Anekdotenschilderungen aus dem „Fröhlichen Thüringen" und den Roman „Sturz von den Sternen" bis hin zu den vielen Volksstücken, mit denen Dr. Kober für die Pflege des Laienspiels in Thüringen ebenso Pionierarbeit geleistet hat wie mit seiner Initiative zugunsten des Suhler Waldtheaters.
Uns Wanderer ermutigt er insbesondere und immer wieder in seinen „Wald- und Wandersprüchen", in seinen Beiträgen zum „Thüringer Heimatkalender" und zur „Thüringer Heimatbücherei", als deren geistiger Vater er uns das Bemühen überantwortete, die Erinnerung an das Kulturland Thüringen im Herzen Deutschlands nie erlahmen zu lassen. Im Rahmen dieser Buchreihe spricht uns Kobers „Zauberhafte Rennsteigfahrt" besonders eindringlich an nicht nur wegen unserer alljährlichen Besuche auf dem Rennsteig und des damit verbundenen Erinnerns an die unvergänglichen Runsterlebnisse der Vergangenheit. Sie ist uns geradezu wegweisender Bestandteil des Rennsteig-Schrifttums, das wissenschaftlich-archivarisch gepflegt und bewahrt zu haben Dr. Kobers Verdienst ist. An Bedeutung gewinnt es für uns noch durch seine letzte große Arbeit: Eine Synthese aller bisherigen Rennsteigtheorien, durch die Kober wesentliche neue Akzente für die fortwirkende Vereinsarbeit gesetzt hat.
Wir wissen von Dr. Kobers erster verantwortlicher Führungsaufgabe in der vom Vater gegründeten Suhler Joelgemeinde, die sich der Pflege guter Volkskunst verschrieben hatte. Daß aus dem Schulzen dieser Heimatgemeinde schließlich der Fürsteher nicht nur unseres Rennsteigvereins, sondern des großen Bundes aller thüringischen Berg-, Burg- und Waldgemeinden wurde, kann nicht verwundern. Denn wer — wie die Menschen dieser Gemeinschaft — das Leben mit ausgewogenem Ernst und Humor meisterte, wer vom Geist und vom Gemüt her den natürlichen Werten der Heimat zugetan war, um sie bewahren und mehren zu helfen, der konnte Dr. Julius Kobers Beistand gewiss sein.
Die Erlebnisse und Folgeerscheinungen des letzten Krieges, aus dem er als Luftwaffen-Hauptmann heimkehrte, haben den in unerschütterlicher Heimattreue wurzelnden weltoffenen Geist Dr. Kobers nicht resignieren lassen, nicht entmutigen können. Der Dienst am „unvergessenen Thüringen" ging ihm über alles. Das erweist sich nicht zuletzt in seinem Entschluss, vom Waldhaus „Waidmannsheil" aus die Wiederbelebung des Rennsteigvereins zu betreiben und ihm im oberfränkischen Zapfendorf, Kobers heimatfernem Nachkriegsdomizil, einen den Fortbestand der Rennergemeinde sichernden Standort zu geben. Mit Unterstützung seines langjährigen Fürsteher-Stellvertreters, Regierungsrat Walter Escher , gelang es ihm, seinem Vorhaben alte Freunde zurückzugewinnen und ihrem bewährten Kreis neue Freunde zuzuführen.
Folgerichtig entwickelte sich vor rund 25 Jahren die heute nahezu 130 Mitglieder zählende Ortsgruppe Zapfendorf. Hier hat nicht nur der Verein, sondern der gesamte wissenschaftliche Nachlass Dr. Kobers eine neue Heimstatt gefunden. Hier ist man sich der Bedeutung des Auftrags bewusst, ständigen Kontakt zu pflegen zu der uns verbliebenen Rennsteigbrücke zwischen Thüringer- und Frankenwald im oberfränkischen Grenzraum. Hier hat man den Wert des Forschungsanliegens erkannt, dem sich der Verein mit hingebender Initiative seit Jahren schon im Bereich der Rennwege und Altstraßen über die Haßberge, im Bamberger Hauptsmoorwald und im Landkreis Schwabach widmet. Hier wurde sowohl der Wanderaktivität unserer Rennergemeinde, als auch ihrer heimatbewussten und überkommenes Brauchtum bewahrenden Volkstumsarbeit eine neue Pflegestätte erschlossen. Von hier aus betreut der Rennsteigverein nunmehr wieder über 260 Mitglieder, die überall in der Bundesrepublik, ja sogar im fernen Amerika ansässig, der Heimat aber in Treue verbunden geblieben sind.
Der von Dr. Julius Kober überkommene Führungsauftrag ist zweifellos in bester Hand bei dem neuen Fürsteher Michael 0tt und seinen engsten Mitarbeitern Hans Porzner, Georg Gunzelmann und Karl Erhard. In dem bisherigen Fürsteher-Stellvertreter Walter Escher und dem langjährigen Säckelwart Franz Reinhardt, zwei heimatbewussten Thüringern, haben sie gute Berater und bereitwillige Helfer. Und sie haben in ihrer Ortsgruppe eine verlässliche Wandergemeinschaft hinter sich, zu der sich im weiten Raum von Bamberg bis Coburg ein getreuer Freundeskreis gesellt.
Das gibt uns die beglückende Gewissheit, daß der Kober-Gedenkstein, der zum 75. Geburtstag des Rennsteigvereins an dessen Gründungsstätte enthüllt wird, nicht Schlussstein einer geschichtlichen Epoche sein wird, sondern ermutigender Markstein auf verheißungsvollem Weg in einen neuen Abschnitt der Vereinsgeschichte, in dem es zu wahren und zu mehren gilt, was Dr. Julius Kober über 40 mitunter unsäglich schwere Jahre hinweggerettet hat. Markstein auf einem Wanderweg in die Zukunft, auf dem eine im
Geiste Julius Kobers verschworene Gemeinschaft „in natürlicher Fröhlichkeit und unerschütterlicher Treue zur Heimat über alles Leid obsiegen" wird. Im Geiste eines Mannes, den die Zugehörigkeit zur Akademie gemeinnütziger Wissenschaften (Erfurt/Erlangen) und zum Kreis der Träger des goldenen Ehrenzeichens unseres Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine als den „in tiefster Seele treuen, rastlosen Gelehrten und Heimatfreund" von außergewöhnlicher Persönlichkeits-Ausstrahlung auszeichnet.            

 W. U.
 (Werner Ungelenk)