“Farnkraut” Nr. 2/2004

Mainfranken war und ist stets ein willkommenes Wanderziel für uns. Besonders interessant war ein solcher Ausflug im Frühjahr 2004. Mit Siegfried Stegner hatten wir einen naturkundlich besonders kompetenten Wanderführer.

Am „brennenden Dornbusch“
 


Hatten wir vor Ostern mit der „Fastenwanderung“ den „Berg Horeb“ bestiegen (siehe „Farnkraut I/2004), so konnte bei der Main-Wanderung im Mai der „brennende Dornbusch“ gesichtet werden. Doch davon später.
Der Bus war so gut wie voll besetzt und fuhr uns über Schweinfurt und das Werntal nach Karlstadt.  Trotz des Temperatursturzes nach dem frühsommerlichen Himmelfahrtstag waren alle bester Stimmung Die Wanderer entstiegen dem Bus im Bereich von Stetten, während die anderen weiter  nach Karlstadt fuhren, um das malerisch-altfränkische Städtchen zu erkunden. Die Wanderführung übernahm nun Siegfried Stegner, während Wilhelm Bauer die „Busgruppe“ betreute.
Der Wanderweg führte uns über 12 km stets am rechten  Steilufer des Mains entlang. Eine echte Überraschung bot die reichhaltige Flora sowohl am Rand der Weinberge, in den lichten Wäldern, vor allem aber auf dem Kalktrockenrasen. Ein unwahrscheinlicher Reichtum an blühenden Wildorchideen bot sich dem Betrachter und auch sonst zahlreiche Blumen, die wir hier im Coburger Land kaum zu Gesicht bekommen. Besonders in dem Abschnitt zwischen der „B 27“ und Gambach hatten wir gelegentlich den Eindruck, eher in einem botanischen Garten zu wandern als in freier Natur. Die Sensation aber war der Diptam (Dictamnus  albus). Es handelt sich um eine Pflanze aus der Familie der Rautengewächse. Sie zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen aus, wobei es tatsächlich unter extremen Bedingungen zur Selbstentzündung kommen kann. Es handelt sich aber nicht um einen „Dornbusch“, sondern um eine mehrjährige, recht hoch wachsende Blumen.
Zu einer  Selbstentzündung war es an diesem Tag aber wohl zu kalt.
Auch sonst gab es viel sehenswertes: der Tiefblick auf die Orte im Maintal zwischen Himmelstadt, Karlstadt und Karlburg, den „Kalvarienberg“ und das Klettergelände am Kalbenstein, vom „Edelweiß-Symbol“ des Alpenvereins gekrönt. Im Gambach bestieg die Wandergruppe wiederum den Bus, der sie zur Burgruine Homburg (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort am Untermain an der südöstlichen Kante des „Mainvierecks“. Dort gab es die – zeitlich etwas verzögerte – Mittagseinkehr.
Dann fuhr der Bus weiter und entließ die Wanderer nochmals zu einer kurzen Tour über den „Sodenberg“. Die Bergkuppe liegt nördlich der „B 27“ und südlich der Fränkischen Saale und bietet einen unwahrscheinlichen Fernblick auf die Rhön im Norden und das nahe Hammelburg, wie in einem Panoramabild. Beim Abstieg überraschte uns noch ein Regenschauer, von heftigen Windböen begleitet. Die “Nicht-Wanderer” erkundeten derweil die Burg Saaleck ob Hammelburg.

Die Schlusseinkehr in dem Weinort Ramsthal, in einem urigen Winzerkeller, war die würdige Krönung dieses unwahrscheinlich schönen Wandertages.   Den Wanderführern Siegfried Stegner und Wilhelm Bauer gebührt unser aller Dank für die Vorbereitung und Ausführung dieses erfüllten Tages.
-hdb-
 

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Oben: am “Kalbenstein”

unten: Burgruine Homburg

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