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“Das Farnkraut” Nr. 2/2004
Zu den Traditionsveranstaltungen beim Thüringerwald-Verein Coburg gehört die “Vogelstimmenwanderung” im Mai. Ursprünglich eingeführt durch den langjährigen Naturschutzwart Waldemar Barnickel, setzt sie sein Nachfolger Frank Reißenweber fort. Über die Vogelbeobachtung hnaus handelt es sich um naturkundliche und umweltschutzfachliche Exkursionen. Etwas besonderes gab es 2004 trotz zunächt ungünstiger Witterungsbedingungen.
Ortolan gesichtet
Der Ortolan, eine Ammernart (Emberiza hortulana) wurde bei uns zuletzt vor Jahrzehnten nachgewiesen. Ihn auf der diesjährigen Vogelstimmenwanderung ausgemacht zu haben, kommt schon einer kleinen Sensation gleich. Dabei hatte dieses Unternehmen alles andere als verheißungsvoll begonnen. Der nächtliche Dauerregen wollte auch beim Treffpunkt nicht aufhören, sodass Frank Reißenweber nur eine verhältnismäßig kleine Wanderschar begrüßen konnte. Ausgangspunkt bei strömendem Regen war der Parkplatz am Lauterberg. Bei schönem Wetter, so der Wanderführer, könne schließlich jeder spazieren gehen. Nur schränken die Singvögel ihre Aktivitäten unter solchen Verhältnissen weitgehend ein, weil die biologische Funktion des Vogelsingens, nämlich die Werbung nach Paarungspartnern und die Abgrenzung des Brutreviers weitgehend wegfällt. Dennoch herrschte während der gesamten Wanderung eine gute Stimmung. Um so erstaunlicher, dass bereits auf den ersten Metern der Wanderung besagte Vogelart ausgemacht wurde. Der Weg ging nun weiter in den Taimbacher Forst. Der Dauerregen hatte die Entwässerungsgräben an den Forststraßen in reißende Bäche verwandelt. Bei Fornbach wurde eine kurze Rast eingelegt. Allmählich ließ dann der Regen doch etwas nach. Vereinzelt wurden nun doch Vogelstimmen ausgemacht. Außerdem erfreute die üppige Vegetation die Wanderer, die Maiglöckchen zeigten erste Blüten und große Bestände an Waldmeister standen am Wegrand. An einer Wegkreuzung konnten die Wanderer verschiedene Wildtaubenarten hören, u. a. die verhältnismäßig seltene Hohltaube. Im Gasthaus „Zur Schnepfe“, Tiefenlauter, wurde eine verhältnismäßig frühe Mittagspause eingelegt. Auf dem Rückweg konnte ein Bestand an Graureihern gesichtet werden, das nun bessere Wetter erlaubte einem Rotmilanpaar ihre Balzflüge. Bald war wieder der Lauterberg erreicht, in einem langen Bogen zogen die Wanderer zum Ausgangspunkt zurück. Immer wieder gab es etwas zu beobachten. Am noch frischen Dung der vor Tagen hier durchgezogenen Schafherde machten sich mehrere Frühlingsmistkäfer zu schaffen. Sie zerlegten den Dung und schafften ihn in unterirdische Höhlungen, wo sie den künftigen Larven als Nahrung dienen. Ein schönes Beispiel für den ökologischen Kreislauf in der Natur, wo sich auch für Abfallstoffe eine sinnvolle Verwertung findet. Die Sonne schien, als die Wanderer sich am Ausgangspunkt voneinander verabschiedeten. Ihr Dank galt Wanderführer und Naturschutzwart Frank Reißenweber für die Ausgestaltung dieses Tages. -hdb-
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