Aus „Das Farnkraut“, Sonderheft Dezember 1966
Zu keiner Zeit vergaß man beim Thüringerwald-Verein Coburg den Ursprung jenseits der Landes- und zwischenzeitlich Zonengrenze. Gerne griff die Redaktion, insbesondere der unvergessliche Werner Ungelenk, Beiträge über das “Drüben” auf.

Ein Gruß von der Wachsenburg
Hirten- und Schäfermuseum aus alt-coburg-gothaischen Sammlungen
 

Ein erinnerungsträchtiger Treuegruß ist uns aus dem gothaischen Bereich unseres einstigen Herzogtums zugegangen: Von der Wachsenburg bei Arnstadt. Der Gruß weiß von Restaurierungsplänen .... zu berichten, die für uns Coburger von Interesse sind. Danach soll die Burg ein „Hirten- und Schäfermuseum" erhalten und damit zugleich einen würdigen Rahmen für die Restbestände der Sammlungen des einst vom Thüringerwald-Verein getragenen Wachsenburg-Komitees.
Neben historischen Stücken aus dem früheren herzoglichen Zeughaus gehört dazu auch - soweit noch vorhanden - die Ethnographische Sammlung aus den ehemals deutschen Schutzgebieten des Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha, der als Nachfolger seines 1893 kinderlos verstorbenen Onkels Herzog Ernst II. bis 1900 regierender Landesfürst und als solcher Vorgänger des letzten Coburger Herzogs, seines Neffen Carl Eduard, gewesen ist. Herzog Alfred war der zweite Sohn der Queen Victoria und des Prinzgemahls Albert aus dem Hause Coburg.
Unauslöschliche Erinnerungen verknüpfen sich für die alten Thüringerwald-Vereinler mit der Wachsenburg, der „Tausendjährigen" unter den „Drei Gleichen". Ihre „verzauberten Schwestern" in ehemals preußischer Nachbarschaft sind die sagenumwobene Ruine Gleichen mit ihrem vom Thüringerwald-Verein rekonstruierten und zur Klause der Gleichen-Burggemeinde ausgebauten Bergfried sowie die durch Gustav Freytags „Ahnen" als „Nest der Zaunkönige" bekannt gewordene malerische Mühlburg.
Die Wachsenburg war stets und ist geblieben das bekannteste und meistbesuchte der drei Bergschlösser. Das verdankt sie dem weiten Rundblick, den ihr Hohenloheturm bietet, ebenso wie ihrem 100 m tiefen Ziehbrunnen, den in die Burg eingemauerten romanischen und gotischen Zeugnissen von baugeschichtlichem Wert aus dem 12. und 13. Jahrhundert, den eingangs erwähnten Sammlungen, unter denen alte Trachten und Bauern-geräte stets eine bedeutende Rolle gespielt haben; nicht zuletzt den Wandgemälden aus der Gleichensage im Rittersaal und seinen Nebenräumen.
Unmittelbar von diesem Sagenschatz angesprochen wurden die Thüringerwald-Wanderer bereits, wenn sie die Drei Gleichen vom Hauptwanderweg „5“ des Thüringerwald-Vereins (Erfurt — Wandersieben — Ohrdruf — Tambach-Dietharz — Steinbach-Hallenberg) her aufsuchten. Ihr Weg führte sie dabei zum Wanderheim Freudenthal unterm panoramaergiebigen „Kaff“.
Der Name der Raststätte soll von der Freude künden, mit der Ottilie von Orlamünde ihren Gatten, den Grafen Ernst von Gleichen, bei seiner Rückkehr vom Kreuzzug ins Gelobte Land De grüßte, zu dem er angeblich 1228 mit Ludwig dem Heiligen ausgezogen war. Freudiges Wiedersehen, obgleich der Graf sich die rassige Ägypterin Melechsala, die ihn aus der Gefangenschaft ihres Pascha-Papas erlöst hatte, als zweite Frau mitbrachte. Weil der Papst die Doppelehe genehmigt hatte, respektierte sie auch die fromme Ottilie, und beide Frauen waren glücklich und zufrieden. Melechsala soll allerdings nach wenigen Jahren schon kinderlos verstorben sein wahrend die überlebende Ottilie ihrem Gemahl noch etliche Kinder schenkte. So die Sage. Geschichtlich allerdings erscheint des Grafen Kreuzzug-Abenteuer ebenso zweifelhaft wie der pästliche Segen für seine angebliche Doppelehe.
Die Frage woher die Drei Gleichen ihren Namen haben, liegt nahe. Die gängigste Deutung leitet ihn von der Tatsache ab, daß die drei Bergschlösser, aus der Vogelschau gesehen, ein nahezu regelmäßiges Dreieck bilden. Erhalten hat sich auch die Erinnerung an die zündenden Blitze, von denen diese Schwesterburgen anno 1230 in der gleichen Nacht getroffen und weitgehend zerstört wurden. Nur die Wachsenburg wurde vollkommen wieder aufgebaut.
Anmerkung:
Die Sage vom Grafen von Gleichen mit seinen angeblich zwei Ehefrauen scheint wiederholt den „Nerv der Zeit“ getroffen zu haben. Unter anderem bei J. K. A. Musäus 1787 „Melechsala“ sowie bei dem Maler der Romantik Moritz von Schwind. “Kaff” = wohl der 399 m hohe Kaffberg unweit von Freudental nördlich der “A 4” bei Wandersleben. .
 

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