Von der Itz zur Elbe
 


Pünktlich um 7 Uhr startete der Bus, sicher gelenkt von Fahrer Herbert. Als umsichtige Reiseleiter fungierten Wanderfreundin Renate Völk und Wilhelm Bauer. Der Fahrer wurde durch seinen Enkelsohn tatkräftig unterstützt, wenn es etwa galt, Getränke zu verkaufen. Zunächst ging es durch altbekannte Gefilde, über Kronach in den Frankenwald. Es versprach, wieder einmal ein sonniger und sehr warmer Tag zu werden. Recht zügig erreichten wir die Autobahn bei Hof, und ohne Staus ging es auf der „A 4" ins Sächsische. Nach kurzen Stopps erreichten wir das Elbetal bei Dresden. Zunächst aber ging es Stromabwärts nach Meißen, der ursprünglichen Wettinischen Residenz. Bald war das hoch aufragende Schloss Albrechtsburg zu erkennen. Unübersehbar aber waren auch die Spuren der Flut vom August 2002.
Wir erinnerten uns in diesem Jahre anlässlich des Wettiner - Jubiläums daran, dass 1353, vor 650 Jahren also, Coburg an die Markgrafschaft Meißen fiel. Diese Zuordnung endete 1485, als das Wettiner Gebiet geteilt wurde; Coburg fiel bekanntlich an die Ernestinische Linie, die Albertiner aber verlegten erst damals ihre Residenz nach Dresden. Dennoch war nicht dieses ganz sicher sehenswerte Schloss unser Ziel, sondern die weltberühmte Porzellanmanufaktur. In Schau - Vorführungen wurden einzelne Schritte der Fertigung dieses edlen und sehr kostspieligen Produktes vorgeführt. Dass der Busfahrer eigens vor die Eingangstür fahren musste, damit wir unsere Einkäufe nicht über die Strasse schleppen mussten, ist aber nur ein Gerücht.
Unser nächstes Ziel war dann das Wasserschloss Moritzburg. Viele nutzten die Gelegenheit zu einer Kutschfahrt; die Zugpferde stammen übrigens nicht etwa aus der weltberühmten Hengstzucht. Hier fiel auch der längst herbeigesehnte Regen. Manche erwischte es während der Kutschfahrt, andere bei der Einkehr in der Schlossgaststätte.
Danach steuerte Herbert uns nach Dresden in unser Hotel „Lilienstein", mitten in der Fußgängerzone. Die Hotels „Bastei", „Königstein" und „Lilienstein" hießen übrigens schon zu DDR-Zeiten so und werden in einem zeitgenössischen Kunstführer als hervorragende Baudenkmäler Dresdens beschrieben ebenso wie das nahegelegene Kaufhaus. Offenbar wollte die DDR zwar die nahegelegenen, weltberühmten Bauwerke der Kurfürsten und Könige, soweit es in ihren Kräften stand, teilweise restaurieren, der Prager Straße aber ihre eigene Prägung verleihen. Darüber kann man natürlich streiten. Sicher waren wir gut untergebracht, auch mit Frühstück und Abendessen waren alle sehr zufrieden. Positiv zu Buche schlägt auch die Nähe zu den wirklichen Glanzpunkten dieser Stadt.
Viele nutzten denn auch diesen warmen Sommerabend, um nach dem
Essen Zwinger, Brühl'sche Terasse usw. aufzusuchen.
Der nächste Morgen brachte dann die Begegnung mit Sabine Rosenkranz, unserer einheimischen Fremdenführerin. Ein Beweis, wie lohnend es ist, sich sachkundiger Führung anzuvertrauen. Ohne unsere engagierte Führerin hätten wir niemals Eindrücke von solcher Intensität mit nach Hause genommen. Die Fahrt brachte uns am linken Elbufer aufwärts , entlang der „Sächsischen Weinstraße" nach Schloss Pillnitz. Dort unternahmen wir einen Rundgang durch den Park. Ich muss es mir versagen, hier ebenso wie bei den folgenden Reisezielen etwa Einzelheiten zu schildern, erinnern möchte ich lediglich an den Kamelienbaum sowie an die Spuren, welche die verheerende Flut im August 2002 hinterlassen hat.
Dann fuhr der Bus weiter in das Herz der „Sächsischen Schweiz" zur Bastei. Nicht alle machten hier das volle Programm mit. Der Rundweg durch die ehemalige Felsenburg, durch die bizarren Felsformationen, ist zwar nach meiner Einschätzung völlig ungefährlich, erfordert aber doch einige Schwindelfreiheit. Ich meine, wer sich dies nicht zutraute, hat doch viel an Eindrücken versäumt. Bei bester Stimmung fanden wir uns bei der Mittagseinkehr ein. Die Weiterfahrt verzögerte sich ein wenig, weil doch der Eine oder Andere die Abfahrtszeit nicht richtig mitbekommen hatte, aber manchmal sind Mobilfunktelefone doch ein Segen.
Doch dann ging die Fahrt weiter durch Täler und über Höhen des Eibsandsteingebirges, durch das „Kasper"-Dorf Hohnstein bis nach Bad Schandau, wo die Elbe überquert werden konnte, dann wieder flussabwärts bis nach Königstein. Entgegen manchen Befürchtungen war die Elbe doch trotz Niedrigwassers noch schiffbar, sodass wir die herrliche Fahrt mit dem Schaufelraddampfer nicht versäumten. Diese Dampfer tragen übrigens den Namen zu Recht, weil sie tatsächlich noch mit Dampfkraft betrieben werden. Bald grüßte wieder die Bastei hoch über dem Fluss. Endstation aber war für uns das alte Städtchen Pirna, das wir „links liegen" lassen mussten, was wiederum beweist, das man in drei Tagen vieles „auslassen" muss. Wenn es im Stau langweilig wurde, munterte uns Sabine Rosenkranz auf, unnachahmlich etwa der Witz über den sächsischen „Bliimchengaffee" oder den gereimten Schnellkurs in sächsisch.
Am Abend zog es viele wieder in die historische Altstadt. Hier war so viel an Kultur und Unterhaltung, kurz: an Leben geboten, dass man es kaum schildern kann. So etwas lässt sich halt nicht auf die Verhältnisse einer Mittel- oder Kleinstadt übertragen.
Der nächste Tag brachte uns wieder mit unserer Fremdenführerin zusammen. Diesmal stand die Stadt selbst auf dem Programm, Einzelheiten kann ich hier unmöglich detailliert schildern. Nur soviel: Sie erstreckte sich nicht nur auf die weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie Zwinger, Semper-Oper und Brühl'sche Terrasse. Einbezogen waren vielmehr auch äußere Stadtteile bis hin zur modernen „gläsernen Auto-Manufaktur". Natürlich war auch hier wieder ein Witz fällig.
Zwei ernste Themen waren aber stets präsent, nämlich die Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 sowie das Hochwasser des Jahres 2002. Vermutlich kaum jemand hatte zuvor das Pfund'sche Milchgeschäft gekannt, das vermutlich zu Recht den Titel „schönster Milchladen der Welt" führt.
Beeindruckend auch, wie sich unsere Führerin mit ihrer Heimatstadt identifiziert. Bewusst oder unbewusst, gebrauchte sie ständig das „Wir".
Ein letzter Höhepunkt: Der beeindruckende Wiederaufbau der Frauenkirche, deren Ruine jahrzehntelang Symbol für Vernichtung und Untergang war. Tief beeindruckt verabschiedeten wir uns von Sabine Rosenkranz. Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung. Manche vertieften ihre Eindrücke von der Frauenkirche durch eine Führung in der Unterkirche. Von der unzerstörten Pracht der Stadt kann jeder einen Eindruck gewinnen, indem er die staatliche Gemäldesammlung im Zwinger besucht.  Der
venezianische Vedutenmaler Bernardo Beiotto („Canaletto"), 1720 - 1780, hat als sächsischer Hofmaler zahlreiche Ansichten von Dresden und Umgebung hinterlassen. Der Zwinger bot allabendlich Konzerte, und nach wie vor tobte das Straßenfest - „Bungee"-Springen , Gaukler und kulinarisches unmittelbar an der und um die Frauenkirche, das war „Dresden life"! Gegen Abend quartierten sich noch einige Teams von der internationalen Sachsen-Rundfahrt für Radprofis im Hotel ein; u.a. war in den Gängen des 7. Stockwerks die fröhlich - lärmende Massage-Station für die Sportler eingerichtet.
Am nächsten Tage aber hieß es Abschied nehmen von der Stadt, es ging hinein in das Erzgebirge und zum 103. Deutschen Wandertag in Schwarzenberg. Bald verließen wir die Autobahn und konnten so richtig die Landschaft dieses Mittelgebirges genießen. Eindrucksvoll der gewaltige Dom zu Freiberg. Diese Stadt zeugt ebenso wie auch Annaberg-Buchholz und auch die Wandertagsstadt Schwarzenberg vom einstigen Reichtum,
gegründet auf den Bergbau. Die Knappenuniform ist nicht umsonst das Markenzeichen des Erzgebirgsvereins, unübersehbar auf allen Dt. Wandertagen auch vor der „Wende"; unvergesslich insbesondere der damalige 1. Vorsitzende Hermann Kaden (Ansbach).
Bis Annaberg-Buchholz verlief auch alles störungsfrei. Dann aber führten uns Straßensperrungen mit nicht nachvollziehbaren Umleitungen auf Abwege. Eine gewisse Entschädigung war der Anblick einer nackten Badenixe, die gerade einem einsamen Waldsee entstieg. Dann aber wäre ohne die hilfsbereite Unterstützung eines einheimischen Lotsen nichts mehr gegangen. Es muss daran erinnert werden, dass es sich nicht nur um eine durchgehende Bundesstraße, die „101" handelt, sondern auch um die touristisch vermarktete „Silberstraße". Hier dürfen wir mehr erwarten als lediglich Sackstraßenschilder und abgeklebte Wegweiser. Schließlich gelangten wir glücklich, wenn auch später als geplant, in Schwarzenberg an. Hitze und Schwüle hatten den Tages-Höhepunkt erreicht, und so fanden nur wenige den steilen Weg hinauf in den historischen Ortskern mit Schloss, Markplatz, Pfarrkirche und Glockenspiel. Dieser Weg hätte sich aber gewiss gelohnt, denn auch dieser Ort ist sehenswert, die ev. Pfarrkirche St. Georg ist in ihrer Art wohl einmalig. Die Wartezeit beim Festzug war erträglich, denn diesmal starteten die Vereine im Alphabet von hinten nach vorne, sodass der Thüringerwald-Verein recht bald dran war. Leider versteckten die Erzgebirgler ihr wirklich gelungenes Festabzeichen geradezu, sodass es nur wenige erwarben.
Noch etwas früher als geplant waren alle wieder am Bus, sodass die Heimfahrt pünktlich angetreten werden konnte. Doch kaum hatten wir den Bus bestiegen, da brach auch schon ein heftiges Gewitter mit Starkregen aus. Es bedurfte schon einigen fahrerischen Könnens, um unter solchen Bedingungen die engen Ortsdurchfahrten zu bewältigen. Schneller ging es dann auf der Autobahn, bald war die Ausfahrt Hof erreicht. Bei Selbitz kehrten wir zur Zufriedenheit aller nochmals in einem Gasthof ein. Bei der
Abfahrt erfreuten die gasthof-eigenen Zwergziegen in einem kleinen Gehege noch mit einer „Sondervorstellung". Die weitere Heimfahrt verlief dann störungsfrei, sodass wir noch etwas früher als geplant in Coburg zurück waren. Vier erlebnisreiche Tage waren wieder einmal viel zu schnell vorüber gegangen. -hdb-

Nachtrag: der Bereich Schwarzenberg/Erzgebirge war Schauplatz einer noch immer nicht ganz geklärten Episode unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Der Landkreis blieb volle 42 Tage nach dem 8. Mai 1945 unbesetzt, also weder von dem sowjetischen noch von den US-amerikanischen Verbänden. Erst nach dem Rückzug der US-Amerikaner aus Westsachsen marschierten am 25. Juni 1945 die Sowjets ein. Zwischenzeitlich hatte ein frei gebildeter „Aktionsausschuss“ die Verantwortung übernommen. Über die historischen Hintergründe ranken sich bis heute Legenden (siehe auch unter WIKIPEDIA – „Freie Republik Schwarzenberg“, downl. 01/12)

Zum Reiseprogramm: Übergang zu einem Ablauf, bei dem touristisch besonders attraktive Ziele in der weiteren Umgebung des eigentlichen Wandertagsortes im Vordergrund standen. In Falle 2003 die Stadt Dresden sowie deren Umgebung, insbesondere Elbe und Elbsandsteingebirge. Erst auf der Rückfahrt wurde der Wandertagsort zum Festzug aufgesucht.
 

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