Aus “Das Farnkraut” 1. Jahrgang Nr. 4/1963

Schon Emil Rädlein hatte sich nicht auf das unmittelbare Umland beschränkt und auch nicht auf den namensgebende Wandergebiet “Thüringer Wald”.

Auch seine Nachfolger zog es natürlich auch in etwas entferntere Wander-gefilde, wie der nachfolgende Artikel beweist.

 

Nächstes Jahr wieder nach Bamberg
 


Franz Reinhardt zur Kur einberufen — Karl Köhler krank. Zwei Hiobsbotschaften kurz vor der von beiden mühevoll arrangierten Wanderung durch den Michelsberger Wald. Herzlicher Dank gebührt den beiden Bamberger Wanderfreunden — dem Sudetendeutschen Hanke und unserem Mitglied Irmgard Reiß — dafür, dass sie das Unternehmen „gerettet" und die 26 Teilnehmer heimatkundig geführt haben. Aufschlussreich schon der Gang durch die Stadt — Kettenbrücke, Hauptwache, beide Rathäuser, Klein-Venedig, Domplatz und alte Hofhaltung waren die hauptsächlichsten Stationen — zur Altenburg, unter der Bamberg nur an seinen aus dem Morgennebel herausragenden Türmen auszumachen war. Der Burg-Bär reduzierte den Proviant der Coburger leidenschaftlich, nicht jedoch, ohne sich mit allerlei Kunststückchen zu bedanken. Über den verlassenen Rothhof, der Erholungszwecken dienstbar gemacht werden soll, ging es dann in den abwechslungsreichen, endlos anmutenden Michelsberger Wald, in dem an einer Fallmeisterei Kurzrast gehalten wurde. Im Zeichen siegreicher Herbstsonne stand die Weiterwanderung über Kolmsdorf nach Lisberg, dessen von Ferne verlockend romantisches Schloss bei Nahbetrachtung enttäuschte wegen seiner Abwertung im Dienste der Zuckerindustrie. Nach der Mittagseinkehr (mit für Coburger Gaumen ungewohntem Speisefahrplan) wurde der Michelsberger Wald mit Kompass-Hilfe in Richtung Weipelsdorf—Bischberg durchwandert. Der Stadtbus-Rückfahrt von Bischberg nach Bamberg folgte eine urgemütliche Stunde im gastlichen „Schlenkerla", das trotz Überfüllung Raum für die Coburger reserviert hatte. Der dankbare Gesamteindruck der Wanderung fand seinen Niederschlag in dem Versprechen, 1964 Bambergs Umgebung erneut aufzusuchen. Für die munteren Bahnbenutzer gab es heimwärts Mordsspaß, um den sich die motorisierten Selbstfahrer gebracht haben.
 

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Bild oben: Burbär “Poldi” in den 50er Jahren. Als Namenspatron gilt der populäre OB Luitpold Weegmann.

Weitere Anmerkungen: mit Digital-Topo nachvollzogen, folgende Entfernung: vom Bahnhof Bamberg auf kürzestem Wege auf die Altenburg 3,6 km, die übrige Strecke 21 km, vom „Schlenkerla“ zum Bahnhof nochmal 2 km, beachtliche 27 km insgesamt also.
Den Burg-Bären gibt es inzwischen nicht mehr, die Tierhaltung war doch wenig artgerecht. „Rothhof“ gibt es in diesem Bereich zwei, einer ist am Eingang zum Michelsberger Wald – gewesen, der andere mitten im Michelsberger Wald. Der erstere Er wurde abgerissen und fehlt dem Stadtbild seither als Ergänzung der Silhouette des Berggebietes. Die Anlage in Lisberg wird allgemein als „Burg“ bezeichnet, hierüber gibt es heute viel an Material, demnach ist sie in Privatbesitz. Über eine Nutzung für die Zuckerfabrikation ist heute schwer etwas in Erfahrung zu bringen, vielleicht haben die Wanderer szt. Halden von zwischengelagerten Zuckerrüben bemerkt.

Unten: die Altenburg links im Hintergrund von Schloss Geyerswörth aus  gesehen. In der heutigen Gestalt durch Restaurierungen ab 19. Jhdt. .
 

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