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Vorbemerkung

In unserem Archiv fand ich diese mittlerweile über dreissig Jahre alte Schrift, die von einem unserer alten Mitglieder, dem von Coburg nach Schwabach verzogenen H.E. zur Veröffentlichung im “Farnkraut” überlassen wurde. Leider ist es wegen des begrenzten freien Raums nie dazu gekommen. Das möchte ich jetzt nachholen, aktuell sind solche Wanderwege ja stets. Weiter: Teile des Weges sind wir auf der ersten von mir geführten Wanderung auch gegangen, nämlich Heiligenstadt - Neudorf -  - Würgau - Leibarös - Burglesau - Stübig und dann allerdings nicht Lichtenfels, sondern Staffelstein über den Veitsberg. Ähnliche Erfahrungen mit der Markierung haben wir szt. auch gemacht, es war nur 1 Jahr später.

H.D.Bürger

Nordwärts hoh!

 

Ein Hauch von Abenteuer im Mai 1979 Zu Fuß von Schwabach nach Coburg auf der Nordlinie

 

In einem heiteren Gespräch das erstemal angesprochen, auf der Karte  versuchsweise angepeilt - tatsächlich ist Coburg fast auf der Luft-  linie direkt nach Norden zu erreichen. Erste Messungen ergeben eine Wanderstrecke von ca 13o km - die in mehreren Tagen gut zu schaffen sein müßten. Nach diesem scheußlichen Winter müßte so eine Wanderung ein echtes Erlebnis sein. Kurzer Entschlußt Das wird gemacht.

 

1.Tag. Samstag , 19.5.79:

 

7.5o Uhr Abmarsch zum Bus nach Nürnberg Nord. Der Anfangspunkt der Markierung in Ziegelstein liegt gut versteckt und verdeckt durch eine Markierungstafel. Das war fast ein Omen für die ganze Wanderung. Das blaue Kreuz führt mich - zuletzt in Begleitung zweier wandernder Damen - auf schönen Wegen durch Wald und offenes Gelände zum hochliegenden Kalchreuth und dort zum gemeinsamen netten und guten Mittagessen. Die hier anschließende Markierung verliert sich hier zum ersten mal «irgendwo im Wald. Der Kompaß zeigt die genaue Richtung Gegen 14:00 Uhr erreiche ich Kleinsendelbach und bekomme im einzigen Gasthaus Quartier. Der Gastwirt ist Mitglied des Fränk. Albvereins. Belohne mich mit 1 Bier und 2 Radlermaß unter Kastanienbäumen.    

 

2.Tagt Um 8.30 Uhr flotter Aufbruch nach Großembuoh zum Anstieg auf den „Hetzleser Berg“. Die Markierung ist nicht sehr gut - zum Teil  nichts zu finden oder an einem alten Baum gerade noch zu erkennen,   wenn man danach sucht. Karte und Kompaß helfen weiter. In Regensberg  Mittagessen am vorderen Rand einer großen Freiterrasse mit herrlichem  Blick auf noch blühende Kirsch- und schon blühende Apfelbäume. Kloß  und Braten ist immer das schnellst erreichbare Essen bei viel Trubel. Weiter nach kurzer Rast - keine Markierung zu finden - Richtung "Walberla" - diesem schönen Wahrzeichen der Forchheimer Gegend. Über Mittelehrenbach erreiche ich mein Tagesziel nSchlaifhausen".  In meinen Notizen steht: "Groggy!".  Ohne Rucksack geht es nach   kräftiger Stärkung über das"Walberla", das einen herrlichen Rundumblick bietet. Der Verkaufslastwagen mit Bier ist bei diesem Wetter zu den Schönheiten dazu zurechnen. Bayreuther Turner sind zu ihrem Frühjahrsausflug hier. Die Fränkische Schweiz zeigt ihre schönste Seite.

 

3. Tag; Montag inzwischen. Die Wegeauskunft in Schlaifhausen war - wie meistens nicht ganz richtig - und so gehe ich sicherheitshalber noch einmal über das "Walberla". Es ist frisch, Sonnenschein und eine herrliche Sicht. Das Steigen macht richtig Spaß. Dazu läutet die Glocke der kleinen Kapelle, die sonst immer geschlossen ist. Ich schließe mich ganz hinten einer Morgenandacht an, die anläßlich einer Prozession der umliegenden Dörfer hier gehalten wird. Feierlich und schön die Bäuerinnen in ihrer alten fränkischen Tracht, knorrige Männer, viele Kinder. Diese selbstverständliche Frömmigkeit gibt es also noch. Ab, und weiter nach Norden. Zwei Hauptstraßen im Tal sind schnell gequert, Unter- und Oberweilersbach liegen hinter mir, mit Kartenvergleich und Kompaß wird endlich auch die Markierung gefunden. Kurzer, sehr steiler Aufstieg zur  „Retterner Kanzel“ mit herrlichem Blick rückwärts und weiter gehts den Berghang entlang auf der "Langen Meile". Ein herrlicher Waldweg durch durch eine kaum berührte Landschaft. Buohenhalbwuchs trifft sich über der Mitte des Waldweges zu einem gotsichen Bogen - mir scheint die Welt verzaubert. Kurz hinter einer Waldkapelle zu Ehren gefallener Soldaten aus den umliegenden Ortschaften, hört die Markierung auf. Der Kompaß hilft weiter. Dabei stelle ich fest, daß ich sogar kurz nach Süden gelaufen bin. Also ab - genau nach Norden, einen Steilhang mit Urwaldcharakter steil hinunter, Unterholz, kreuz und quer mit Fallholz versetzt - wenn mir hier etwas passiert, könnte ich nur durch puren Zufall und wahrscheinlich erst nach Jahren aufgefunden werden - "Der Hauch von Abenteuer"! Im Tal steht der Bamberger Sendeturm auf dem Geisberg als Richtungsweiser genau im Norden. Mit seiner Hilfe und dem Kompaß geht es querfeldein über Gunzendorf - Stackendorf - Prankendorf durch ein ruhiges Seitental an der „Friesener Warte“ vorbei bis  Teuschatz. Hier will ich übernachten. Die freundliehe Wirtin erklärt mir» daß es hier im Ort keine Möglichkeit gibt. Auch fernmündliche Rückfragen in den Nachbarorten bleiben ergebnislos. "Die längst erwartete Pleite". Ich bedanke mich und stelle kurzentschlossen um nach Heiligenstadt Autostop. Schon der 3. Wagen hält, eine freundliche Wanderfreundin nimmt mich mit bis Heiligenstadt. Das „Erste Haus am Platze“ hat geschlossen, nimmt mich aber trotzdem auf.

 

4.Tag, Dienstag  An der Burg Greifenstein vorbei geht es zügig über Hohenpölz - Leibarös - Neudorf (kein Gasthaus zur Einkehr)

- Ludwag nach Würgau. Benutze den neu markierten Main - Donau-Weg. Die Markierung ist sehr dünn. Der Kompaß führt mich wieder einmal querbeet hinab ins Tal, Autogeräuschen entgegen, nach Würgau. 12.3o Uhr Mittagessen direkt an der ruhigen Ortsstraße), Abmarsch 13.15 Uhr. Die übliche Frage Einheimischer  führt zum fast stets zu erwartenden Ergebnis, keiner weiss genau Bescheid. Die örtliche Markierung hört mitten im Wald auf, die überörtliche endete schon vorher. Also wieder mit Kompaß genau nach Norden. Burglesau liegt nach kurzer Zeit vor mir im Tal. Ein Bauer erläutert mir einen sehr schönen Wanderweg weit nach rechts um den Ort herum, ich folge lieber Kompaß und Karte, gehe links herum und habe den direkten Weg nach stübig, dem Tagesziel. Leider gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit. Auch diese freundliche Wirtin telefoniert herum und besorgt mir 2 km weiter ein Bett in einem Privatquartier in Roßdach. Ich berechne meine Tagesleistung mit 27 - 3o km bei 6 Std reiner Laufzeit.

 

5. Tag, Mittwoch; dafür stand mein Bett aber nur 4 m neben dem direkt hinterm Haus vorbeifließendei Bach.

 

8.00 Uhr Abmarsch steil den Berg hinan nach Kümmersreuth. Eine nette junge Frau schenkt mir auf meine Bitte 2 Scheiben Bauernbrot zum Frühstück. Verlegen sagt, sie: "Na, ich hätt Ihnen doch auch was gescheits draufgeschmiert". Ich versichere, daß mir das Brot auch so gut schmecken wird, wir lachen uns fröhlich zu, ich bedanke mich und weiter gehts Richtung "Hoher stein" bei Schwabthal - vor ca 3 Wochen von Coburg aus mit dem Auto besucht. Keine Markierung bis Uetzing - hinter dem „Alten Staffelberg“. Die Wirtin verkauft mir 2 Scheiben Brot und ein "gelbes Wasser“, obwohl das Lokal nur Samstag und Sonntag auf hat. Der Wirt stellt sich dazu und ratscht mit. Stimmungsbild vom Land. In Uetzing sind wir schon mehrfach mit dem Coburger Thüringerwaldverein gewesen. Die alte Heimat rückt erstaunlich rasch näher. Das Wetter ist herrlich, um den „Alten Staffelberg“ berg herum bin ich schnell auf der Höhe oberhalb Vierzehnheiligen. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Ein älteres Ehepaar spricht mit mir oberhalb Vierzehnheiligen. Es schlägt 12.oo Uhr und die Glocken läuten als ich auf der Bank über dem Steilabfall zum Steinbruch ah der „Hohen Eller“ sitze und meine Schuhe ausschütte. Staffelberg - Vierzehnheiligen und Schloß Banz liegen vor mir. Ich fühle mich fast schon wie zu hause. Ab nach Lichtenfeis. Hier braust buchstäblich der Verkehr durch die engen Gassen. Kurze Überlegung -

Coburg liegt nur 2o km entfernt. Die Wandermöglichkeiten sind nicht gerade berauschend. Ein Zug geht in ca 1 Std. In dieser Zeit sind auf der Staße bei meinem normalen Marschiertempo 6 km leicht überbrückt. Alles andere werden wir unterwegs sehen. In kurzer Zeit bin ich  durch Lichtenfela wieder nach Norden unterwegs. Auf der „B 289“ rauscht der Verkehr, keiner schaut sich nach mir um. Zaghaft hebe ich den linken Daumen, fast ist es mir wurscht. Endlich hält eine junge Dame, Sozialhelferin aus Michelau (ihr muß der Beruf zur Berufung geworden sein). Nach einer Unterbrechung in Buch am Forst, wo sich sehr nett um einen alten hilfsbedürftigen Mann kümmert, nimmt sie mich mit bis zur Abzweigung nach Tambach (Anmerkung: vermutlich Schreibfehler, gemeint könnte Meschenbach sein). Ich bedanke mich sehr herzlich, denn jetzt habe ich mein Endziel bis auf ca 8 km erreicht. Ich lege an Tempo zu, um aus dem mörderischen Verkehr herauszukommen und dabei Coburg zu queren. Überall Hetze und Hast am Tage vor Himmelfahrt. In der Spitalgasae in Coburg wird mein Rucksack fast zur Gehsteigsperre. Stolz laufe ich am Schwimmbad vorbe: durch Cortendorf. Ein sichtlich geistig etwas Zurückgebliebener grinst mir begeistert zuund ruft quer über die Straße: "Ich ach! Ich auch!" und deutet damit seine Verbundenheit an. Ich mobilisiere meine letzten Reserven - vor allem an Humor - und grinse freundlich zurück. Mein Endziel Dörfles bei Coburg erreiche ich nach 5 Tagen Wanderzeit glücklich um 16.oo Uhr. Bin alter Bekannter, nun mein Bachbar für einige Ruhetage, kennt schon die Story und begrüßt mich mit viel Schwung. Die Nachbarn erfahren es auch gleich und reagieren mit "Ja gibts denn des." Es gabs.

 

Das Abenteuer ist zu Ende. 13o km bin ich nach meiner Schätzung gewan dert - 5 herrliche fage bei strahlendem Sonnenschein. Fast jeder könnte es nachmachen, jeder kann es sich leisten. Welches Reisebüro kann so etwas bieten»

 

Zusatz: Auf der Fritsch-Wanderkarte 1 B 100 000 mißt die Verbindung von Nürnberg Nord bis Coburg Nord 96 cm, die Seitenabweichung nach Ost oder West beträgt ca 1o cm

 

H.E.

 

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